10 Jahre Wortwerkstatt – Worten eine Bedeutung geben

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Am Samstag feierte die Wortwerkstatt ihr 10-jähriges Bestehen. Rund 30 Jugendliche präsentierten, was mit Worten möglich ist und wie viel Macht Worte in unterschiedlichem Kontext haben.

Einzelne Worte können leere Hülsen darstellen oder machtvolle Inhalte transportieren. Worte aneinandergereiht, ergeben Satzfragmente. Mehrere Fragmente ergeben einen Satz. Mehre Sätze wachsen zu Geschichten, Gedichten oder Liedern zusammen. Welche Macht Worte haben und das sie im Zuhörer etwas zum Klingen bringen konnten, bewiesen die 30 Jugendlichen bei der Jubiläumsfeier der Wortwerkstatt in ihrem rund einstündigen Programm.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Der 1. Artikel des Grundgesetztes besagt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Und mit diesem Satz wurde der Abend eröffnet. Zu oft wird dieser Artikel noch mit Füßen getreten und nicht vielen ist er bewusst. Doch wenn eine ganze Gruppe ihn rezitiert, erst einzeln, dann nacheinander oder durcheinander, verleihen den Worten Macht und senden sie in den Raum hinaus, so dass die Worte die Menschen erreichen. Doch nicht nur dieser Artikel des Grundgesetzes ist wichtig. Alle Menschen sind gleich, Männer und Frauen sind gleichberechtigt, sind wichtige Botschaften. Und so hatten die Besucher von Anfang an ein Gefühl davon, worum es in der Arbeit von Tobias Kurth und Annie Vollmers mit den Jugendlichen geht. Ihnen die Werte des Grundgesetzes zu vermitteln. Es geht dabei nicht nur um das bloße Vorlesen, sondern die Auseinandersetzung damit.

Freiheit und Ich-Sein

Doch nicht nur um das Grundgesetz alleine ging es, obwohl es in allen Beiträgen mitschwang. So erzählten die Jugendlichen, was sie eigentlich wollen. Auf die provokant ausgesprochene Frage „Was willst du eigentlich?“ kamen viele Antworten wie frei sein, mich verlieben, anziehen was ich will, Geld verdienen, eine Familie gründen oder Mut haben, das Richtige zu tun. Viele Wünsche, welche am Ende alle ein Ziel hatten: „Ich will Ich sein, ich will ein guter Mensch sein.“

Doch nicht nur eigene Wünsche ließen die Jugendlichen verlauten, sondern nutzten auch die Worte berühmter Menschen. So rezitierten sie das „Bekenntnis zum freien Leben“ von Albert Schweitzer, der darüber sprach, sich Chancen zu wünschen und nicht Sicherheiten, der nicht in Sicherheit gewogen werden wollte, sondern den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten wollte. Der von sich sagte, „ich  bin ein freier Mensch.“

Wortwerkstatt 10 Jahre Jubiläum
Die Jugendlichen präsentierten Gedichte, Gesang und Anregungen

Auch setzten sich die Jugendlichen mit der Frage auseinander, was Würde ist. Es sei egal, woher jemand kommt, welcher Nationalität er sei, ob Mann oder Frau. Es ist jedoch nicht egal, ob jemand schlecht redet, andere mobbt, nicht Hallo sagt oder motzend durchs Leben geht. Doch nicht nur die ernsten Themen standen auf dem Programm. Bei einem kleinen Sketch spielten vier junge Frauen vier Nachrichtensprecherinnen und jede las nur immer einen Teil eines Satzes vor. Wenn dann der Landwirt die Rezepte der Hausfrau ergänzt und die Pflegetipps der jungen Mutter durch die Sportmoderatorin ergänzt werden, kam ein sehr lustiges durcheinander heraus.

Sehr schön auch immer wieder die gemeinsamen Lieder, bei denen einzelne Jugendliche den Text sangen und alle anderen in den Refrain mit einstiegen. So gab es „Sun Shiny Day“ oder Bella Ciao“. Am Abschluss bedankten sich die Jugendlichen beim Publikum. „Denkt über unsere Worte nach und fragt euch selbst, was sie in euch berührt haben.“ Und sie bedankten sich bei Tobias Kurth und Annie Vollmers für ihre Arbeit. „Annie ist wie unsere zweite Mutter und zieht uns mit.“ Allen Beteiligten war eine große Freude anzumerken und wer an dem Abend heimgegangen ist, konnte mit Recht sagen, dass die vorgetragenen Worte machtvolle Inhalte transportiert haben.

Danke für die Unterstützung

2009 fing alles mit der Wortwerkstatt als zeitlich begrenztes Projekt an, bei dem Annie Vollmers und Tobias Kurth junge Frauen mit Literatur erreichen wollten. Heute ist die Wortwerkstatt ein Teil der Kulturenwerkstatt Limburg, in welcher mit viel Idealismus mit und für Jugendliche gearbeitet wird. Der 1. Stadtrat, welcher fast von Anfang dieses Projekt begleitet hat, bedankte sich bei der Jubiläumsfeier vom Herzen für die Arbeit. Er sei damals geschockt gewesen, als die Förderung für das Projekt auslief und er ist froh, dass die Stadt die Kulturenwerkstatt ein Stück weit finanziell unterstützen kann. „Es ist ein gutes Projekt für Limburg und die Jugendlichen.“

Annie Vollmers war aufgeregt. Seit zehn Jahren darf sie die Wortwerkstatt leiten. „Ich konnte junge Frauen stärke und ihnen eine Chance geben, sich zu vewirklichen“, so Annie Vollmers und mit einem Blick auf die Jugendlichen „ihr seid wunderbar.“ Tobias Kurth nutzte die Gelegenheit, sich bei allen zu bedanken, welche sie bis hierhin unterstützt haben. „Wir sind ein bisschen anders und brauchten Verständnis, aber wir haben von vielen die Chance bekommen“, so Kurth. Und er bedankte sich auch bei den Jugendlichen, welche zuverlässig bei den Projekten dabei sind. „Wir suchen das Verbindende und nicht das, was trennt, denn das Leben ist nicht schwarz-weiß.“

Wortwerkstatt 10 Jahre Jubiläum
Tobias Kurth (li) und Annie Vollmers bedanken sich bei allen für die jahrelange Unterstützung.

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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