30 Jahre Mütterzentrum Limburg – Frauen einen Raum geben

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Vor 30 Jahren gründete sich ein Verein, weil er sich die Frage stellte, was Frauen brauchen und nicht nur das. Sondern auch, was Mütter brauchen. Heute ist das Mütterzentrum, auch Müze genannt, aus Limburg nicht mehr wegzudenken.

Die Geschäftsführerinnen Sigrid Mündlein und Christiane Liebendörfer kamen vor 20 Jahren als Quereinsteigerinnen ins Müze. Über die Nutzung des Hauses übernahmen sie erst Verantwortung im Vorstand und später dann als Geschäftsführerinnen. Sie können daher einiges zu dem Familienzentrum erzählen.

Entstehung parallel zur Frauenbewegung

„Das Müze ist parallel zur Frauenbewegung entstanden“, so Liebendörfer, „nur hatte die Frauenbewegung nicht unbedingt die spezifischen Bedürfnisse von Müttern im Blick als sie sich für die Rechte von Frauen einsetzte. Daher gab es eine Notwendigkeit hier genauer hinzuschauen und z. B. für bessere Kinderbetreuung und Betreuung älterer Menschen zu sorgen.“ Der Verein sei zu einer Zeit gegründet worden, als die Frauen mit dem ersten Kind aus dem Beruf ausstiegen und erst viele Jahre später versuchten, in den Beruf wieder einzusteigen. Die wichtigste Frage sei gewesen: „Was kann ich als Frau neben Kind und Haushalt machen?“ Das Müze schaffte Raum für Begegnungen und holte die Mütter raus aus ihrer häuslichen Isolation. Begegnungsstätte sein und Menschen zusammen zu bringen, ist bis heute die Basis des Hauses. Aufgebaut nach dem Motto „Nicht jede/r kann alles. Aber gemeinsam schaffen wir das, was wir brauchen“.

Stetiges Wachstum

Was mit einem Café und zwei Spielzimmern begann, ist stetig gewachsen. Es wurden Seminarräume und Büros benötigt, das Angebot stetig erweitert. Und vor zehn Jahren kam die Krabbelstube hinzu, wo Kinder unter drei Jahren betreut werden. Dies sei ein Kraftakt gewesen, aber er habe sich gelohnt. Parallel dazu gibt es die offene Kinderbetreuung ohne Anmeldung, das Kinderhotel oder auch die Betreuung von Kindern, deren Eltern in einem Sprachkurs oder einer anderen integrativen Maßnahme sind. „So langsam stoßen wir an unsere Grenzen“, sind sich beide Geschäftsführerinnen einig. Inzwischen verteilen sich die Räume des Müze auf mehrere Etagen. Doch nicht nur die Räumlichkeiten sind gewachsen, sondern auch der Personalbedarf. Fing der Verein mit einer Festangestellten an, sind es inzwischen 22 festangestellte Mitarbeiter*innen. Und daneben besteht das freiwillige Engagement bis heute mit rund 20 freiwillig tätigen Frauen und Männern.

Ein wenig Platz für Erweiterungen ist noch vorhanden. So wird eine professionelle Küche benötigt, deren Ausbau schon in Planung ist. Die Größe ist von außen nicht zu erahnen, wenn Menschen die Hospitalstraße entlanglaufen und das Schild Müze sehen. Wer einen Blick in den Hof hinein wirft, sieht noch eine rote Rettungsrutsche sowie die Schriftzüge Müze und Familienzentrum. Aber man muss das Gebäude schon betreten, um die Vielfalt zu erleben.

Vielfältigkeit an Angeboten

Und die ist immens. Der Raum zur Begegnung ist gegeben durch den Offenen Treff und das Offene Wohnzimmer. Hier finden u. a. Spieletreff, Beratungen zum Stillen oder Tragen von Babys, allgemeine Beratungsmöglichkeiten, Frühstück, Treffen 50+/-, Repair Café oder Seminare statt. In den 30 Jahren hat sich das Angebot auch immer wieder mal geändert. „Man muss flexibel bleiben“, so Mündlein, „und sich nach den Bedarfen richten.“ So gab es früher viel mehr Spielkreise, die heute durch das nachgefragte Beratungsangebot und das Engagement in der Flüchtlingsarbeit ersetzt werden.

„Wir gehen wie ein Ozean mit den Wellen mit und gehen die Dinge an, die an uns herangeschwappt werden, entwickeln mit unseren Gästen / Besucher*innen neue Ideen und Angebote“, so Liebendörfer. Und bei manchen Sachen muss man einfach einen langen Atem haben. Was in einem Jahr nicht funktioniert, funktioniert eventuell das Jahr darauf.
Und so sind es nicht nur die Angebote, die sie für andere machen. Sondern auch der Raum, der anderen Frauen gegeben wird, um sich selbst auszuprobieren. Wenn jemand eine Idee hat, hat er immer die Möglichkeit, diese im Müze auszuprobieren. „Wir stärken die Frauen und geben ihnen die Möglichkeit, eigene Fähigkeiten auszuprobieren“, so Liebendörfer.

Philosophie treu bleiben

Mit dem Wachstum hat sich auch der Blick von außen auf das Müze verändert. Zu Beginn herrschte in der Öffentlichkeit das Bild Kaffee-trinkender   Frauen vor. „Inzwischen sind wir ein verlässlicher Partner in der Stadt und werden auch von außen ganz anders wahrgenommen“, sind sich beide einig, „Es musste eben auch bei den Außenstehenden erstmal eine Vorstellung davon reifen, was hier vor Ort passiert.“ Ihrer Philosophie sind sie trotz Wachstum treu geblieben. „Es ist wichtig, dass Familie gelebt werden kann und wir haben uns immer gefragt, was brauchen Mütter / Familien und was macht Sinn. Ganz nach dem Motto „Geht es den Müttern gut, geht es auch den Familien gut. “ Denn nicht nur die Kinder sollen sich wohlfühlen, sondern auch die Eltern.
Träume haben die beiden auch. Sie kommen räumlich langsam an ihre Grenzen und es ist ein gewachsener Zustand. Optimalere Raumbedingungen wären schon ein Traum.
Ansonsten haben sie viele Ideen, die in ihnen gären, manchmal Zeit brauchen, zu reifen und wenn es dann passt, umgesetzt werden.

Jetzt möchte das Müze aber erstmal sein 30-jähriges Jubiläum feiern. Die Feierlichkeiten finden am 8.September von 11 bis 17 Uhr statt und alle sind herzlich zu einem Tag der Offenen Tür mit vielen Aktivitäten eingeladen.

Mehr zum Mütterzentrum erfahrt ihr auf der Homepage.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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