30 Jahre Starkbieranstich beim SV Ellar

Zum 30. Mal lädt der Schützenverein „Burg-Falke“ Ellar zum Starkbieranstich ins Schützenhaus ein. Am 10. März ab 16 Uhr wird das erste Fass des süffigen Starkbiers angestochen und alle sind recht herzlich eingeladen.

Vor 30 Jahren holte der damalige Vorsitzende vom SV Ellar, Manfred Winter, das Starkbier in den Westerwald. Seitdem erfreut es sich großer Beliebtheit einmal im Jahr und verliert nichts von seiner Faszination. Neben dem Starkbier ist mit Haxen, Weisswurst und Brezen bestens für das leibliche Wohl gesorgt.

Ein Stück Heimat im Westerwald

Der aus Bayern stammende Manfred Winter hatte die Idee zum Starkbieranstich. Zu Beginn war dieser nur für einen kleinen Rahmen gedacht. Er sollte im Vorraum des Schützenhauses für Mitglieder stattfinden, erinnert sich Manfred Winter. Ein Jahr später fand es schon im ganzen Schützenhaus statt. „Nicht jeder kannte das Bier und seine Wirkung“, lacht er, „es ist ein starkes Bier, welches schnell in den Kopf steigt.“ Daher habe er von Anfang an auch kommuniziert, dass ein Fahrer mitkommen muss, der kein Starkbier trinkt. Und so kann er auch viele lustige Geschichten erzählen. Manch einer hat dem Starkbier sehr gut zugesprochen und hing dann auch mal an der Theke, um nicht umzufallen. Im ersten Jahr gab es ein 50 Liter Fass. Zu Hochzeiten wurden bis zu 250 Liter verzapft. Inzwischen hat sich der Verbrauch auf 150 Liter eingespielt und das Event hat sich in der Region etabliert. Von Anfang an wird das Bier in München gebraut und in Fässern angeliefert.
Zu der Veranstaltung kommen Mitglieder der Ortsvereine, Ellarer, befreundete Schützenvereine, Vereine der ganzen Peripherie sowie die Politprominenz. „Man kommt zusammen, um Freundschaften zu pflegen und miteinander ins Gespräch zu kommen“, so Winter weiter.

Was ist Starkbier?

Die Geschichte des Starkbiers oder auch Bockbier hat Robert Prohaska vom Schützenverein zusammengefasst. Der Name „Bock“-Bier hat mit dem gehörnten Vierbeiner nichts zu tun! Vielmehr ist die niedersächsische Stadt Einbeck namens gebend für das aus ihr stammende Starkbier gewesen. Somit ist das Starkbier keine bayrische Erfindung, sondern hat seinen Ursprung in Norddeutschland. Heute wird es allerdings zumeist in Bayern gebraut und getrunken.

Im 16. Jahrhundert schätzten die bayerischen Herzöge das wohlschmeckende Einbecker Bier und importierten dies in den Süden. Für eine längere Haltbarkeit war dieses stärker eingebraut. Es ist überliefert, dass der herzoglich-bayerische Hof spätestens seit 1550 Bier aus Einbeck bezog. Der Import wurde Herzog Wilhelm V. auf Dauer zu teuer. Um ein Bier, das dem Einbeck’schen geschmacklich gleichkam, selbst brauen zu können, wurde der Beschluss gefasst, in München ein Hofbräuhaus (das „Braune Hofbräuhaus“ im Gegensatz zum erst 1605 in Betrieb genommenen „Weißen Hofbräuhaus“) zu errichten. 1591 wurde es fertiggestellt. Mit dem Geschmack wollte es so recht nicht klappen. Daher entschloss man sich, einen Einbecker Braumeister, Elias Pichler, abzuwerben und in herzogliche Dienste zu stellen. 1614 begann das Hofbräuhaus mit der Herstellung von Bier nach „Einbecker Art“.

„Flüssiges bricht Fasten nicht“

Eine Sonderrolle bei der Fortentwicklung des bayerischen Starkbieres kommt den Klöstern zu. Die Mönche, gewöhnlich des Lesens und Schreibens kundig, waren in der Lage, die Kunst des Bierbrauens systematisch weiterzuentwickeln. Erfahrungen wurden gesammelt, Rezepturen schriftlich festgehalten und mit den Jahren systematisch verbessert. Das Bier galt in den Klöstern als nahr- und vor allem schmackhafte Ergänzung der ansonsten eher kargen Kost. Vor allem während der Fastenzeit war man bestrebt, die stark eingeschränkte Aufnahme fester Nahrung durch entsprechend gehaltvolle Getränke zu kompensieren, denn: Flüssiges bricht Fasten nicht!

Die Herstellung von Starkbieren in den Klöstern bedurfte jedoch – so sagt es die Legende – einer gesonderten Genehmigung durch die kirchliche Obrigkeit und war „Chefsache“. Um dem Papst einen Eindruck vom wohlschmeckenden klösterlichen Starkbier zu vermitteln und so die Erlaubnis zu erwirken, dieses für den Verzehr im Kloster herstellen zu dürfen, füllte man ein Fässchen ab und schickte es zum heiligen Stuhl nach Rom. Beim Transport über die Alpen kräftig geschüttelt und unter italienischer Sonne immer wieder erwärmt, kam es Wochen später – unterdessen sauer geworden – beim heiligen Vater an. Der kostete vom viel gepriesenen Trunk – fand ihn gräulich, deshalb dem Seelenheil seiner Brüder nördlich der Alpen nicht weiter abträglich und erteilte die gewünschte Braugenehmigung. Also braute man nahrhafte Fastenstarkbiere, eine Tradition, die sich auch außerhalb der Klostermauern bis heute großer Beliebtheit erfreut.

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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