5.000 Euro für Blühflächen – Gemeinsam bunte Oasen schaffen

Bei Insekten denken wir häufig an lästige Viecher, die uns im Sommer stechen und sich zu Plagegeistern entwickeln. Doch sie sind viel mehr. Sie sind ein wichtiger Bestandteil im Ökosystem. Um ihnen Lebensraum und Nahrung zu bieten, schafft der Imkerverein Hadamar-Dornburg zusammen mit dem NABU Hadamar Blühflächen in der Region. Dafür erhielten die Initiatoren 5.000 Euro von der Umweltlotterie.

Spürbar war ein Rückgang schon länger. Gefühlt gab es weniger Schmetterlinge oder Käfer. Die Autoscheiben waren nicht mehr zugeschmiert. Imker berichteten davon, dass es ihre Honigbienen immer schwerer haben und sie mit Völkerverlusten kämpfen. Im Oktober 2017 besagten die Ergebnisse einer Langzeitstudie, dass die Masse an Insekten in den letzten Jahren um 76 Prozent zurückgegangen ist. Viele Ursachen führten dazu: Intensives Düngen sowie die Anwendung von Insektiziden wie auch Herbiziden in der Landwirtschaft. Die Zunahme an Monokulturen. Das Verschwinden einer abwechslungsreichen Landschaft. In den Gärten nehmen Arrangements aus Steinen zu. Heimische, natürliche Pflanzen verschwinden. Ein geordneter Garten geht vor die natürliche Schönheit.
Um ein Umdenken in der Bevölkerung zu erreichen, startete der Imkerverein Hadamar-Dornburg gemeinsam mit dem NABU Hadamar vor einem Jahr das Projekt „Wir tun was für Bienen, Hummeln und Co – gemeinsam bunte Oasen schaffen“. Diese Blühflächen bieten nicht nur den Honigbienen Nahrung, sondern auch allen anderen Insekten Nahrung sowie geschützten Lebensraum.

Idee zu diesem Projekt

Peter Stecker, Vorsitzender vom Imkerverein, ist die treibende Kraft hinter dem Projekt. Ein Schlüsselerlebnis hatte er im Juni 2016. Er kontrollierte seine Völker und die Bienenstöcke waren alle leer. Die Völker hatte keinerlei Futterreserven mehr. Ihm ging es nicht alleine so. Auch bei den anderen Imkern zeigte sich ein ähnliches Bild. Die Imker fütterten ihre Tiere zu, um sie zu erhalten. Er  konnte seinen Honigbienen helfen. Doch wie sieht es mit den wildlebenden Insekten aus?

Spezialisten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen.

Daraufhin entstand das Projekt „Bienen, Hummel und Co – gemeinsam bunte Oasen schaffen.“ Zusammen mit dem NABU Hadamar informierte er Interessierte über die Schaffung von Blühflächen. Bei verschiedenen Veranstaltungen verteilten sie Samentüten. In Zusammenarbeit mit einzelnen Kommunen legten sie Blühstreifen an. Dabei hatte er weniger die Generalisten im Blick. Diese legen weite Strecken zurück und finden an vielen Blüten Nahrung. Es sind viel mehr die Spezialisten, welche nur wenige 100 Meter von ihrer Behausung entfernt wegfliegen und daher auf Blüten in der Nähe angewiesen sind. Der Imker möchte für diese Spezialisten viele kleine Oasen schaffen. Von den über 560 Wildbienen sind mehr als die Hälfte gefährdet. „Wenn eine Wildbienen-Art ausgestorben ist, dann ist sie weg“, so Stecker. Von Anfang an war geplant, dieses Zusammenarbeit mit dem NABU auf drei Jahre laufen zu lassen. Es ist als offenes Projekt gestaltet, um auch die Menschen außerhalb der Vereine zu erreichen und dafür zu gewinnen.

Rückblick auf 2017

Peter Stecker zeigt sich insgesamt sehr zufrieden mit dem Verlauf in 2017. „Am Anfang hatte ich eine hohe Erwartungshaltung, doch diese musste ich zurückschrauben“, so der Imker, „für dieses Projekt benötige ich einen langen Atem.“ Dennoch kann er mit einigen Zahlen aufwarten, die zeigen, was die beiden Vereine im letzten Jahr erreicht haben.

  • 240 m² in Steinbach an der Streuobstwiese und Anpflanzung von 34 Sträuchern
  • 25 m² in Hadamar Kernstadt
  • 30 m² in Oberweyer
  • 2 x 600 m² in Oberweyer und Offheim

Bei diesen Flächen handelt es sich alles um mehrjährige Blühflächen. Weiterhin verteilten die Initiatoren 850 Tütchen mit einheimischen, einjährigem Saatgut bei den verschiedenen Gelegenheiten. Im Oktober pflanzten die Oberweyerer Vereine über 450 Krokusse im Ort, der im Frühjahr Nahrung bieten.

Der Hauptfokus liegt bei dem gesamten Projekt auf der Nachhaltigkeit. Daher verwenden sie bei den Blühflächen Saatgut mehrjähriger Stauden. Aber sie bieten auch einjähriges Saatgut an, denn „die Menschen wollen einen schnellen Erfolg sehen.“ Die einjährigen Saatmischungen blühen sehr schnell.

Bei den Flächen mit mehrjährigen Stauden geht es nicht darum, nur einmal das Saatgut auszusäen und dann wenig Arbeit mit zu haben. Solche Flächen bieten zu den verschiedenen Jahreszeiten unterschiedliche Vorteile an. Die vielfältigen Pflanzen liefern verschiedene Pollen. Eine Vielfalt an Insekten kann sich davon ernähren. In den hohlen Stängeln legen Insekten ihre Eier ab oder überwintern selbst darin. Im Boden nisten Wildbienen. „Wird eine Fläche jährlich umgegraben, werden die Nistplätze der Wildbienen zerstört“, so Stecker. Dies bedeutet auch, dass dadurch der Nachwuchs dezimiert wird.

Blühende Landschaften kosten Geld

Um solche Blühflächen zu realisieren, muss Geld investiert werden. „Die Preise für ein Hektar mehrjähriges gutes Saatgut liegen bei ca. 350 Euro (Veitshöchheimer Mischung von Saaten Zeller) bis rund 1.300 Euro für die Fettwiese (100 Prozent Blumen von Rieger-Hofman)“, erklärt Stecker. Daher ist sein Anliegen auch, dass die Menschen den Samen wert zu schätzen wissen. „Die Flächen sollen langfristig erhalten bleiben“, so der Imker weiter. Daher denke er darüber nach, Vereinbarungen abzuschließen, damit der Samen nicht umsonst raus gegeben wird und nach einem Jahr die Fläche einfach umgepflügt wird. „Wir geben es gerne und wir geben es kostenlos.“

Er weist darauf hin, dass sie die Einsaat von Flächen nicht übernehmen können. Sie begutachten gerne Flächen und geben Tipps, wie diese behandelt werden sollen. Aber sie können nicht die Manpower stellen, um diese Arbeiten zu übernehmen. Aber sie stellen gerne das Saatgut.
Neben dem Preis der Umweltlotterie hat die NASPA-Stiftung das Projekt mit 300 Euro unterstützt und es 250 Euro vom Umweltpreis des Kreis Limburg-Weilburg.

Planungen für 2018

Der Gewinn der Umweltlotterie soll zum einen in neues Saatgut fließen. Zum Verteilen an die Bevölkerung sollen weitere 1000 bis 1250 Saatgut-Tütchen abgepackt werden. Ebenfalls möchte der Imkerverein und der NABU neue Flyer drucken, die über das Projekt aufklären. Für das neue Jahr wurden dem Imker bereits weitere Flächen zur Aussaat angeboten.

  • 1.250 m² in Steinbach am Aussiedlerhof
  • 600 m² Elbtal
  • 450 m² Hundsangen in Zusammenarbeit mit dem NABU Hundsangen

Weiterhin möchte Peter Stecker Insektenhotels bauen und diese aufstellen, damit die Insekten Plätze finden, um ihre Eier abzulegen und diese sich dann ohne Störung entwickeln können. „Es geht nicht alles von heute auf morgen“, so der Imker. Für die Insektenhotels muss das Material gesammelt und getrocknet werden. Hartholz, Röhrenholz wie bei der Hasel, Bambus und auch Strohmatten würden sich sehr gut eignen.
Weiterhin könne er sich vorstellen, dass es wieder verschiedene Aktionen und Führungen zum Thema geben wird. Genaue Planungen stehen noch nicht fest. Dabei ist es wichtig, immer wieder darüber zu sprechen. Er wandte sich an Landwirte, um mit ihnen darüber zu sprechen, ob sie bei ihren Maisfeldern einen drei Meter breiten Streifen für heimische Blühpflanzen zur Verfügung zu stellen. Rückmeldungen gab es noch keine. „Ich muss immer dran bleiben und das Gespräch suchen.“

Erfolgserlebnisse motivieren

Es sind vor allem die Erfolgserlebnisse, die motivieren und dabei helfen, den langen Atem zu halten. „Wenn über das Projekt und einzelne Aktionen berichtet wird, dann erhalte ich in den kommenden Wochen immer Feedback“, so Stecker. So kam nach der Pflanzaktion in Oberweyer auf ihn zu und brachte ihren Arbeitgeber dazu, zwei große Insektenhotels zu spenden. Daher könnte er sich gut vorstellen, dass auch Vereine anderer Gemeinden sich zusammentun zu solchen Aktionen. „Da braucht es jedoch vor Ort jemanden, der sich da engagiert“, so Stecker. Insgesamt wünsche er sich etwas mehr Unterstützung – auch aus den eigenen Reihen. „Es bedarf nicht viel, um etwas zu machen“, so der Imker. Alle zusammen können mit kleinen Schritten etwas Großes bewirken.

Nicht nur die Honigbiene profitiert von den Blühflächen.
Nicht nur die Honigbiene profitiert von den Blühflächen.

Zwar könne er positive Erfolge dieses Projektes allgemein auf die Insekten nicht benennen. Doch er konnte feststellen, dass seine Bienen viel Pollen eingeschleppt haben und auch sehr viel verschiedenen Pollen. „Mit dem Pollen wird die Brut ernährt“, erklärt er. Durch die Vielfalt der Pollen erhalte er starke Winterbienen. Bis jetzt hat er auch keine Verluste bei seinen Völkern.

Umweltlotterie GENAU

Am 8. Dezember wurde zum inzwischen zweiten Mal der Kreis Limburg-Weilburg bei der Umweltlotterie GENAU als Gewinner-Landkreis gezogen. Dies sorgte dafür, dass ein zweites Umweltprojekt des Kreises mit 5.000 Euro rechnen konnte. Die Wahl fiel auf das Projekt des Imkervereins in Kooperation mit dem NABU.  Allein der Kreis Limburg-Weilburg profitiert damit bislang mit einem Betrag in Höhe von 10.000 Euro von der Umweltlotterie GENAU. Hessenweit erhielten bereits knapp 90 Umweltprojekte den Zusatzgewinn.
Das Spielprinzip der Umweltlotterie GENAU ist weltweit einmalig: Jeder Tipper gibt auf seinem Spielschein eine hessische Postleitzahl an und erhält pro Los eine fünfstellige Identifikationsnummer, die sogenannte Los-ID. Aus allen teilnehmenden Losen wird dann die Los-ID gezogen, auf die der garantierte Hauptgewinn von mindestens 10.000 Euro entfällt und die gleichzeitig den Gewinner-Landkreis bestimmt. Alle teilnehmenden Lose im Landkreis des Hauptgewinners gewinnen, außerdem ein Umweltprojekt. Welche Natur- und Umweltprojekte mit 5.000 Euro Zusatzgewinn gefördert werden, entscheiden die jeweiligen Wochengewinner von GENAU.

Wer ebenfalls einen kleinen Beitrag leisten möchte, kann sich gerne an Peter Stecker wenden: Imkerverein Hadamar-Dornburg e.V., Peter Stecker, E-mail: Peter.Stecker@t-online.de, Tel. 06433 / 70170

 

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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