Alicia Bokler – Starke Stimme für die Region sein

Am 26. September 2021 wird ein neuer Bundestag gewählt. Den Kandidaten für die Wahlkreise 176 und 178 habe ich Fragen gestellt, die sie mir beantwortet haben. 

Für die SPD im Wahlkreis 176 kandidiert die 27-jährige Alicia Bokler aus Villmar. Hier bin ich zuhause und werde hier auch bleiben. Nach einem Realschulabschluss in Weilburg und dem Abitur an der Marienschule in Limburg ging sie 2013 in den Industriepark Frankfurt-Höchst und begann die Ausbildung zur Biologielaborantin. Seitdem arbeitet sie bei dem Pharmaunternehmen Sanofi in der Forschungsabteilung. Parallel zu ihrer Ausbildung hat sie den Bachelor im Studiengang „Biopharmaceutical Science“ absolviert. Gerade schließt sie den berufsbegleitenden Master im Fach Biotechnologie an der THM in Gießen ab. Bei Sanofi ist sie als Biotechnologin angestellt und arbeitet im Bereich der Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung von Krebs- und Autoimmunerkrankungen.

Politisch interessiert und aktiv war sie gefühlt schon immer. Dies begann als Chefredakteurin der Schülerzeitung an der Jakob-Mankel-Schule, Schulsprecherin und später für zwei Jahre auch Kreisschulsprecherin im Landkreis. Mit 19 Jahren trat sie in die SPD ein. Seitdem engagiert sie sich innerparteilich, aber auch in der Kommunalpolitik. Seit vier Jahren ist sie Vorsitzende der SPD Villmar und mittlerweile auch stellvertretende Vorsitzende der SPD Limburg-Weilburg. Seit 2016 ist sie Gemeindevertreterin in Villmar und seit der letzten Kommunalwahl auch Mitglied des Kreistags Limburg-Weilburg. Darüber hinaus ist sie aktives Gewerkschaftsmitglied in der IG BCE und im Betrieb als gewerkschaftliche Vertrauensfrau tätig.

Starke Stimme für die Region sein

Was sind ihre Ziele?

Alicia Bokler: Zuallererst: ich möchte in Berlin die starke Stimme unserer Region und der Menschen, die hier zuhause sind, sein. Wir dürfen nicht mit Themen wie der medizinischen Versorgung, der schleppenden Digitalisierung, einem schlecht ausgebauten Nahverkehr allein gelassen werden. Ich möchte mich vor allem um diese Punkte im Deutschen Bundestag einsetzten, damit unsere Region noch lebenswerter und attraktiver wird.

Darüber hinaus liegen meine Schwerpunkte insbesondere in den Politikfeldern Arbeit und Soziales:

  • Wir benötigen einen starken, handlungsfähigen Sozialstaat, der ohne bürokratische Hürden Verantwortung übernimmt, auf Augenhöhe hilft, für Chancengleichheit sorgt und echte Zukunftsperspektiven schafft. Aus diesem Grund werde ich mich unter anderem für die Kindergrundsicherung, ein neu ausgestaltetes Kindergeld, welches die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt, und die Bürgerversicherung, damit endlich Schluss ist mit einer Zweiklassenmedizin, einsetzen.
  • Darüber hinaus will ich für sichere Jobs, faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen kämpfen, denn Beifall klatschen reicht nicht aus. Um auch explizit Themen zu nennen: ich werde mich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro, für die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung und die Einführung einer Ausbildungsgarantie einsetzen.
  • Und ich werde mich stark machen für eine sichere und stabile Rente. Alter darf kein Armutsrisiko sein und vor allem muss gelten: Wer sein Leben lang hart gearbeitet hat, muss im Alter ohne weitere Unterstützung gut davon leben können.

Mobilitätswende im ländlichen Raum

Ein großes Thema ist der Klimaschutz? Wo sehen Sie Deutschland in 2025 bei diesem Thema?

Alicia Bokler: Das wird sehr stark davon abhängen, wie sich die nächste Regierung zusammensetzt. Fest steht: wir haben nicht 5 vor 12, sondern 5 nach 12 in Bezug auf den Klimawandel. Wir müssen jetzt handeln und genau das hat die SPD vor. Dafür darf die Union nicht weiter die erforderlichen Maßnahmen blockieren. Ich bin davon überzeugt, dass mit Olaf Scholz als Kanzler die nächste Legislaturperiode endlich für ambitionierte Maßnahmen genutzt wird. Uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Wir müssen dafür sorgen, dass der Wandel sozial vonstattengeht. Nur so erhalten wir die nötige Rückendeckung aus der Bevölkerung.

Vor allem hier im ländlichen Raum müssen in vielen Sektoren jetzt die Grundlagen für diesen Wandel geschaffen werden. Aber die vorliegenden Gegebenheiten müssen eben auch berücksichtigt werden. Wir müssen jetzt alles dafür tun, den menschengemachten Klimawandel aufzuhalten. Die Förderung der E-Mobilität ist hier ein wichtiger Bestandteil, aber nicht das Allheilmittel. Der Klimawandel wird nicht davon aufgehalten, dass wir am Ende alle mit einem E-Auto unterwegs sind. Eine Mobilitätswende, die an die Lebensbedingungen hier unserer teilweise sehr ländlichen Region mit vielen Pendlerinnen und Pendlern angepasst ist, ist notwendig. Wir müssen den ÖPNV ausbauen, attraktiver gestalten und kostengünstiger machen. Gleichzeitig sind weitere Maßnahmen wie on-Demand Angebote, der Ausbau von Radwegen oder Sharing-Angebote notwendig.

Wichtig ist jedoch, wirklich alle Sektoren zu betrachten und insbesondere die erneuerbaren Energien auszubauen. Das Ziel muss es sein, Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Gleichzeitig müssen wir das Stromnetz erneuern, digitalisieren und in Speichertechnologien investieren sowie weiter erforschen. Ökologischer Wasserstoff ist ein entscheidender Punkt. Aber auch andere Bereiche wie das Bauwesen und die Landwirtschaft müssen ihren Teil zur CO2-Einsparung beitragen. Für all diese Punkte müssen wir die Rahmenbedingungen in der kommenden Legislaturperiode schaffen.

Am Ende zählen vor allem zwei Dinge: wir müssen schnellstmöglich alle erforderlichen Maßnahmen umsetzen, damit wir klimaneutral agieren, aber all das darf nicht zur Spaltung der Gesellschaft führen. Klimaschutz muss für alle funktionieren: bezahlbar und mit guten Jobs. Insbesondere die hohen Stromkosten sind eine enorme Belastung für die Menschen. Gleichzeitig wächst der Strombedarf. Aus diesem Grund muss Strom günstiger werden. Ein Schritt hierbei ist die Abschaffung der EEG-Umlage.

Strategie gegen Fachkräftemangel

Die Wirtschaft hat durch Corona gelitten. Sind Sie der Meinung, dass sich die Wirtschaft bis 2025 davon erholt haben wird? Und wie sieht es mit dem Arbeitsmarkt allgemein aus?

Alicia Bokler: Wenn man über die Wirtschaft redet, werden meist viele Dinge in einen Topf geworfen. Die Wirklichkeit sieht jedoch viel komplexer aus. Viele große Unternehmen wie Amazon haben sogar von der Krise profitiert. Kleinere Betriebe, Einzelunternehmen, Kulturschaffende haben hingegen massiv unter der Pandemie gelitten. Im Fokus bei den meisten Rettungsmaßnahmen standen aber wie meist nur die großen Player mit entsprechend großer Lobby.

Materialengpässe und die lange Unterbrechung der Lieferketten werden uns aber noch eine längere Zeit begleiten. Die globale Arbeitsteilung hat viele Vorteile mit sich gebracht, aber natürlich auch ihre Schattenseiten. Entscheidungen, die Fertigung und damit auch Arbeitsplätze nur aus kurzfristigen finanziellen Überlegungen ins Ausland zu verlagern, werden in Zukunft hoffentlich wieder überdacht werden.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt hat uns vor allem eine Maßnahme gerettet. Und zwar das Kurzarbeitergeld. Ohne dieses Mittel, hätten wir es heute mit einer weit verbreiteten Arbeitslosigkeit zu tun. Ich denke, dass sich der Arbeitsmarkt jetzt sukzessive erholen wird. Abseits der nackten Statistiken befürchte ich aber, dass vielfach gute Jobs verloren gegangen sind und viele Arbeitnehmer in schlechtbezahlte und unsichere Jobs getrieben wurden. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf. Und nicht zu vergessen ein weiterer wichtiger Punkt: wir erleben derzeit einen massiven Fachkräftemangel in vielen Bereichen, der nur noch größer wird in den nächsten Jahren. Hier benötigen wir eine wirksame Strategie.

Pandemie hat Schwachstellen gezeigt

Was sind für Sie die wichtigsten Learnings aus der Corona-Pandemie?

Alicia Bokler: Zuallererst, dass Krisen jederzeit eintreten können. Sie legen offen, wo die Schwachstellen und Versäumnisse in unserem Handeln liegen. Krisenvorbereitung ist essenziell und Aufgabe eines starken und handlungsfähigen Staates. Es kann nicht sein, dass wir im Jahr 2021 immer noch Daten per Fax zwischen Gesundheitsämtern hin- und herschicken und aufgrund mangelnder personeller Ausstattung Infektionsketten nicht mehr nachverfolgen können. Auch medizinisch notwendige Güter wie Masken und Beatmungsgeräte müssen in ausreichender Zahl vorhanden sein.

Der Erfolg der letzten Jahre hat viele Schwachstellen überdeckt. Unsere Wirtschaft hat gebrummt aber viele durften an diesem Erfolg nicht teilhaben. Der hohe, individuelle Einsatz unserer Pflegekräfte darf nicht zum Dauerzustand verkommen und genutzt werden, um systematische Probleme zu überdecken. Auch die Situation der Beschäftigten in den Schlachthöfen und der Erntehelfer auf unseren Feldern ist wieder in den Fokus gerückt. Jedoch gehört diese seit Jahren zur bitteren Realität. Und auch in den Medien müssen diese Lebensrealitäten wieder mehr Aufmerksamkeit finden. Anstatt nur über die Debatten zu verschobenen Abiturprüfungen und der Homeoffice-Pflicht zu berichten, müssen wir uns auch um all die Auszubildenden und Arbeiterinnen und Arbeitnehmern kümmern, die gar nicht die Möglichkeit haben sich in ein Homeoffice zurückzuziehen und so der Gefahr durch das Virus weiterhin stark ausgesetzt sind. Klatschen und Respektbekundungen reichen da nicht. Es braucht bessere Arbeitsbedingungen in der Breite.

Und endlich ist ein weiteres Thema in der öffentlichen Diskussion: die medizinische Versorgung vor Ort. Denn diese gehört ganz eindeutig zur Daseinsvorsorge. Krankenhäuser müssen gut ausgestattet sein und sollten überwiegend in öffentlicher Hand sein. Es geht um Gesundheit nicht um Profit! Das haben nun endlich die allermeisten verstanden.

Verbot von Großspenden

Im Rahmen der Coronapandemie gab es einige Spendenskandale, nur mal die Maskenaffäre zu nennen. Daher meine Frage – braucht es in Deutschland mehr Transparenz zu Parteispenden oder sind die bestehenden Regelungen ausreichend?

Alicia Bokler: Definitiv. Allein seit Jahresbeginn sind bereits 5,6 Millionen Euro an Großspenden an Parteien geflossen. Es ist naiv zu glauben, dass die Spender, vor allem große Konzerne, keine Gegenleistung dafür erwarten. Solche Großspenden sollten verboten werden. Auch sollte bei jedem Gesetzesvorhaben mit einem sogenannten „exekutiven Fußabdruck“ transparent gemacht werden, welche Interessengruppen auf die Meinungsbildung eingewirkt haben. Für alle sollten die gleichen Spielregeln gelten. Die Politik sollte großen Konzernen nicht mehr Gehör schenken als zivilgesellschaftlichen Akteuren, die Verbraucherinteressen, Umweltschutz, oder Menschenrechte vertreten.

Es ist ein Privileg als Abgeordneter im Bundestag sitzen zu können. Es ist kein Freischein dafür, sich mit üppigen Nebenbeschäftigungen oder sogar mit Korruption zu bereichern. Alle Nebentätigkeiten und Nebeneinkünfte sollten bis auf den letzten Cent genau veröffentlicht werden. Nur so können wir das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Politik zurückgewinnen. Ich selbst habe mich im Übrigen verpflichtet keine Nebeneinkünfte anzunehmen. Aber Selbstverpflichtungen reichen nicht aus. Wir benötigen die entsprechenden Gesetze und zwar für alle!

Erklären Sie in einem Satz, worin Sie sich von den anderen Kandidaten unterscheiden! Warum sollten die Bürger Sie wählen?

Alicia Bokler: Mit meiner Ausbildung, meinem beruflichen Hintergrund in der Industrie und der Tatsache, dass ich hier im Landkreis Limburg-Weilburg aufgewachsen und zuhause bin, bringe ich den notwendigen Blickwinkel mit, kenne die Probleme vor Ort und nehme die Menschen hier wirklich ernst – um gute politische Arbeit zu leisten, die unsere Region voranbringt und die Menschen, die hier leben, im Blick hat.

Alle Kandidaten und Wissenswertes zur Bundestagswahl findet ihr hier.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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