Auf dem Blatt Papier gute medizinische Versorgung im Landkreis

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Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung im Landkreis aus? Diese Frage nahmen die Grünen zum Anlass zu einer Podiumsdiskussion. Fragen gab es viele. Zufriedenstellende Antworten eher weniger. Und es zeigte sich, dass zwischen Theorie und Realität eine riesige Lücke klafft.

Die Situation kennt bestimmt jeder. Auf der Suche nach einem Termin beim Arzt muss man eine lange Wartezeit von mehreren Monaten hinnehmen oder die Praxis teilt einem mit, dass neue Patienten nicht mehr angenommen werden. Auch kann es passieren, dass man versucht, den ganzen Tag telefonisch in der Praxis durchzukommen, um am Ende die Aussage zu erhalten, man nehme nur Privatpatienten. Gefühlt fehlt es im Landkreis Limburg-Weilburg an Ärzten. Doch geht es rein nach den Zahlen, ist der Landkreis derzeit sehr gut mit Medizinern versorgt. Probleme gebe es erst in zehn Jahren, wenn ein Großteil de Ärzte in Rente geht. Dies zeigten Marcus Bocklet, MdL, gesundheitspolitische Sprecher und Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender kassenärtzliche Vereinigung bei einer Podiumsdiskussion auf, zu der der Kreisverband Bündnis 90/ Die Grünen geladen hatte.

Ist-Situation

Zu Beginn stellte Marcus Bocklet, MdL, gesundheitspolitische Sprecher der Grünen im Hessischen Landtag die Ist-Situation vor. Er gab zu, dass die Grünen noch Nachholbedarf bei der Gesundheitspolitik haben und es politisch noch einige weiße Flecken gibt. Nichtsdestotrotz müsste etwas getan werden, denn jeder ist von der Gesundheitspolitik betroffen. Er möchte mehr in die Prävention stecken, damit die Menschen gar nicht erst krank werden. Dann erging er sich in den politischen Herausforderungen, zeigte auf, wie sich Krankenhäuser und Ärzte finanzieren. Das war viel Theorie, welche die Situation der Menschen erstmal nicht aufnahm.

Gut war sein Ansatz, dass daran gearbeitet werden muss, den ärztlichen Bereitschaftsdienst sowie die Zentralen Notaufnahmen räumlich zusammenzubringen, damit sich die Notaufnahme wirklich um die bedrohlichen Fälle kümmern kann, während der ärztliche Bereitschaftsdienst sich um Fieber, Husten und Durchfall kümmert. Derzeit sehe es so aus, dass die Notaufnahmen überlastet sind, weil am Wochenende alle dort hin rennen. Unterstützung erhielt er hier von Guido Wernert, St. Vincenz-Krankenhaus, der das Ende des Themas noch nicht gekommen sieht, auch wenn derzeit die Gespräche für eine Umsiedlung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes aus der Senefeldstraße ans Krankenhaus gescheitert scheinen.

Laut Marcus Bocklet, MdL, gesundheitspolitische Sprecher Grüne, ist der Landkreis Limburg-Weilburg medizinisch gut aufgestellt.

Keine Unterversorgung im Landkreis

Mit 107 Prozent Besetzung an Hausärzten in Limburg und 128 Prozent in Weilburg sowie einer sehr guten Quote bei den Fachärzten gibt es derzeit im Landkreis keine Unterversorgung an Medizinern. Dabei wies er auch darauf hin, dass hier nicht jede Kommune für sich, sondern der Landkreis betrachtet wird. Er geht davon aus, dass die Menschen in die nächste Kommune fahren können, wenn es vor Ort keinen Arzt gibt.

Frank Dastych, Vorstand kassenärztliche Vereinigung, gab einen Einblick darüber, wie die Verteilung der Ärzte zustande kommt. Die Bedarfsplanung wird auf Bundesebene gemacht. Dastych wäre lieber, wenn dies auf Landesebene geschehe, da die eher wissen, was in den Regionen benötigt wird. Der vom Bund erstellte Bedarfsplan, welcher sich nach den Einwohnern sowie den Fallzahlen richtet, dient der kassenärztlichen Vereinigung dafür, Ärzte für eine Region zuzulassen. Seit 2012 gibt es unter den Fachärzten im Landkreis eine leichte Abnahme, aber der Landkreis befindet sich mit allen Ärzten noch über 100 Prozent (Ausnahme Kinderärzte unter 100 Prozent) und daher noch nicht in einer Unterversorgung. Zudem wird der Landkreis von Frankfurt mitversorgt. Dastych konnte ebenfalls zeigen, dass sich die Fachärzte auf Limburg, Weilburg und Bad Camberg konzentrieren. Massiv werden in den nächsten Jahren Neurologen, Urologen und Augenärzte fehlen. Auch bei den Hausärzten wird es kritisch, denn in den nächsten zehn Jahren erreichen etliche das Rentenalter.

Auf dem Blatt Papier sehen die Zahlen für die Versorgung im Landkreis laut Frank Dastych, Vorstand KV, gut aus.

Kritik von Ärzten und Bürgern

Auch Ärzte waren bei der Podiumsdiskussion anwesend und äußerten scharfe Kritik. Es wurde der Vorwurf geäußert, dass die Politik weltfremd sei. „Sie haben keinerlei Gefühl dafür, wo es uns Hausärzte drückt“, so ein anwesender Arzt. Das größte Problem sei die Bürokratie, mit der sie zu kämpfen haben. Da muss sich endlich etwas tun. Ein Bürger machte auf die Diskrepanz aufmerksam, zwischen der theoretisch guten Versorgung und der langen Warterei auf einen Termin.

Ein Arzt schob dies auf das neue Termingesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn. Auch er selbst habe Probleme, für seine Patienten Termine zu erhalten. Die Fachärzte müssen Termine freihalten für diese Terminsprechstunde, welche telefonisch vermittelt wird. Und da sie darüber Honorar erhalten, blockieren sie normale Anfragen und nehmen nur noch Patienten über diese Terminvergabe an. Dafür wird jedoch eine Überweisung vom Hausarzt benötigt, der den Facharzt-Termin als dringlich deklariert. Auch gebe es einen enormen Unterschied zwischen privat und gesetzlich Versicherten. „Da hat die Politik versagt“, so der Vorwurf im Raum.

Budgetierung

Dastych sah ein Problem auch in der Budgetierung. „Wenn der Arzt sein Budget voll hat, nimmt er keine neuen Patienten mehr an, denn mit denen entstehen den Praxen nur Kosten“, so der Vorstandvorsitzende der KV Hessen. Er habe einen Vorschlag zur Entbudgetierung gemacht, welche vom Gesundheitsminister jedoch abgelehnt wurde. Er wies auch darauf hin, dass auf Bundesebene die Grünen gegen die Entbudgetierung gesprochen haben, da sie den Ärzten keine Geldgeschenke machen wollten.

Zwischenzeitlich war die Diskussion sehr hitzig und wirkliche Lösungen, wie einen Ärztemangel zukünftig aufzufangen, gab es nicht wirklich. Und Tipps für die Bürger, wie sie an ihre Termine kommen, gab es auch nicht. Es gab ein paar gut gemeinte Worte, was Politik tun muss, aber auch der Hinweis, dass es nur in kleinen Schritten geht. Es sind viele Faktoren, die einen Einfluss darauf haben, wie die Ärzteversorgung vor Ort ist. Aber leider keine positiven Aussichten auf die Zukunft, dass sich etwas an der unbefriedigenden Situation in nächster Zeit etwas ändern wird.

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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