Auf Spurensuche im Limburger Schloss

Teilen erwünscht

Die Geschichte des Limburger Schlosses ist lang, schließlich steht es dort, wo die Stadt vermutlich ihren Ausgangspunkt nahm. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Gebäude natürlich immer wieder geändert, ist verschiedentlich genutzt worden.

Seit 2009 wird das Schloss Limburg saniert. Restaurator Sven Trommer erfüllt eine wichtige Aufgabe in diesem Prozess. Seine Aufgabe besteht darin, altes und vielleicht ursprüngliches zu finden, die Spuren der verschiedenen Bauphasen zu dokumentieren, zu sichern und hier und dort sichtbar zu machen.

Spuren und Reste der Vergangenheit

Der Restaurator ist begeistert von der Baustelle Schloss, denn er findet eine Vielzahl von Spuren und Resten, die weit in die Vergangenheit und teilweise bis in die Erbauungszeit zurückreichen. „Solche Befunde sind Zeugnisse für den früheren Umgang mit der Bausubstanz. Eine Renovierung bedeutete nicht gleich die komplette Entfernung und Erneuerung aller Oberflächenbeschichtungen, sondern eher die Reparatur des Bestandes“, sagt er. Seine Arbeit konzentrierte sich dabei auf das sogenannte Kaminzimmer, das seine Bezeichnung aufgrund einer auffallenden Kamineinfassung aus dem Spätbarock (Rokoko) hat. Eine Feuerstelle dürfte sich dort schon früher befunden haben, das Kaminzimmer liegt im Wohnturm, der in der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde und abgesehen von geringen baulich bedingten Veränderungen größtenteils erhalten ist.

Ursprünglicher Raum

„Die Flammung ist ein besonderer Befund“, sagt der Restaurator. Das ist natürlich eine persönliche Wertung, doch auffallend sind die sich schlängelnden Linien in roter Farbe schon. Sie verlaufen von den Kapitellen, dem oberen Abschluss der Säulen, auf das Gewölbe. Das ist auf jeden Fall bauzeitlich, so der Restaurator.  Überhaupt zeigt sich der Raum in seiner Aufteilung und Gestaltung noch sehr ursprünglich. Halbsäulen auf der Nord- und Südwand mit einer schlichten Knospen- und längen Blattgestaltung am oberen Säulenende. Auf der nördlichen Säule befindet sich ein Abschluss in Laubwerk, was sich zum Beispiel auch im Saal des Erdgeschosses findet.

Gewölbeputze und Fassungen sind ab der Entstehungszeit für Sven Trommer nachweisbar, allerdings zum Teil nur sehr lückenhaft. Das macht eine sichere zeitliche Einschätzung und Rekonstruktion bestimmter Phasen schwierig. Sicher ist für ihn: Die ursprüngliche Gestaltung und Bemalung bestand aus einer Gliederung der weiß gekalkten Wände und Gewölbesegel durch dunkelgraue Bänder auf den Gewölbegraten und am Übergangsbereich einzelner Flächen. Eine malerische Gestaltung mit gewellten roten und blaugrauen Linien fasst Kapitelle, Kragsteine der Ecken und den Scheitelpunkt des Gewölbes, vermutlich früher von einem Schlussstein geziert, ein.

Es handelt sich dabei um ein Gestaltungsprinzip, das im kompletten Raum zu finden ist, verdeutlicht der Restaurator. Von einer mehrfarbigen Fassung der Bauplastik zur Entstehungszeit kann ausgegangen werden, was noch anhand weniger erhaltener Farbfragmente belegbar ist. Insgesamt dürfte es sich bei der ursprünglichen Raumfassung um eine recht repräsentative Gestaltung gehandelt haben.

Vielzahl von Anstrichen

Allerdings ist dieser Befund auf den Bereich des Gewölbes begrenzt. Der bauzeitliche Putzbestand ist ab einer Höhe von 1,70 bis 1,80 Meter vorhanden, darunter nicht mehr. Nach Auffassung des Restaurators ist der bauzeitliche Putz auf den Wänden spätestens im Zusammenhang mit einer früheren Renovierung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entfernt und die Wände anschließend mit einem sehr groben zementhaltigen Putzbewurf versehen worden. Dieser Zementputz ist inzwischen allerdings auch entfernt worden.

Jüngere Fassungen der Gestaltung sind nach Angaben des Restaurators nicht durchgängig nachweisbar. Allerdings gibt es Stellen, an denen sich die Hinweise verdichten, das ist vor allem an den Übergangsbereich von den Kapitellen der Fall, wo sich eine Vielzahl von Anstrichen erhalten haben. Zehn Schichten und mehr sind es, die mit grünen, blauen, ockergelben Farbtönen sowie weißen Kalktünchen übereinanderliegen.

Blick in die Vergangenheit

Drei sogenannte Präsenzfenster werden künftig den Blick in die Vergangenheit der Raumgestaltung ermöglichen. Viele Spuren und Hinweise sind wieder verschwunden und liegen hinter Vorwänden oder sind überputzt. Natürlich sind alle Funde ausführlich dokumentiert. Aber eben nur an drei Stellen ist es möglich, sich die historische Farb- und Formengebung anzuschauen. „Der Zustand der historischen Befunde rechtfertig es nicht, alles freizulegen“, sagt der Fachmann. Er versichert aber auch: Es geht nichts verloren, da soweit möglich die bestehenden Beschichtungen erhalten werden sollen. Was bisher gefunden und freigelegt wurde, ist konserviert, Fehlstellen wurden ergänzt. Und sollte in ferner Zukunft einmal der Wunsch aufkommen, sich mehr von der Vergangenheit der Raumgestaltung im Kaminzimmer zurückzuholen, dann wird dies möglich sein.

Die Arbeiten im Kaminzimmer sind für Sven Trommer abgeschlossen. Die dort vorgenommenen restauratorischen Arbeiten waren nicht sein erster Auftrag im Schloss. Und es wird vermutlich auch nicht der letzter Auftrag für einen Restaurator gewesen sein. In der Kapelle und im Erdgeschoss des Wohnturms sind durchaus noch Befunde zu erwarten, die erneut die Anwesenheit und den Einsatz eines Restaurators erfordern.


Teilen erwünscht

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.