Auffangbecken soll erneuten Gülle-Unfall verhindern

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Im Oktober 2017 kam es zu einem Unfall in einer Biogasanlage in Laubus-Eschbach, einem Ortsteil von Weilmünster. Gülle lief in die Gewässer und es kam zu einem großen Fischsterben. Ein Auffangbecken soll einen erneuten Unfall verhindern.

Durch einen Defekt in der Biogasanlage liefen mehr als 500.000 Liter Gülle in den angrenzenden Bleidenbach, von dort in die Weil und weiter in die Lahn. In beiden ersten Gewässern erfolgte daraufhin ein großes Fischsterben. Lest hierzu nochmal folgenden Artikel: „Hintergrund zum Gülleunfall – Was macht die Gülle im Wasser?“

Auffangbecken soll erneuten Unfall verhindern

Das Weiburger Tageblatt fragte jetzt bei Bürgermeister Mario Koschel (parteilos) nach, wie zukünftig solche Havarien vermieden werden können. An der Biogasanlage wurde eine Art Auffangbecken errichtet. Hierbei handelt es sich um ein Becken vor dem Bach, so dass bei einem möglichen Fall austretender Gülle, dies in das Becken läuft und nicht mehr in den Bach. Dieses Becken besitzt eine Größe von 2100 Kubikmeter. (Quelle MittelhessenDirekt nach der Havarie wurde durch das RP Gießen dieses Auffangbecken angeordnet, um zu vermeiden, dass solche Situationen noch einmal geschehen.

Fischbestand erholt

Laut Gewässerwart des FSV Oberlahn und Vorsitzenden der IG Lahn, Winfried Klein, hat sich die Wasserqualität in der Weil weitgehend erholt. Die Bachforellen sind wieder vollzählig vorhanden, weil sie 2018 durch Neubesatz durch den FSV Oberlahn ausgeglichen wurden. Große, laichreife Forellen sind von oberhalb Weilmünster nach unterhalb gewandert und haben sich bereits im vergangenen Jahr fortgepflanzt, so Klein. Auch in diesem Jahr haben sich die Fische selbst fortgepflanzt. Hinzu kamen noch Junglachse durch Besatz aus der IG-Lahn-Zuchtanlage in Aumenau.

Auch Elritzen wurden letztes Jahr eingesetzt. „Andere Arten wie Weißfische, insbesondere Schneiden oder Groppen, kann man nicht kaufen und wir hoffen, dass in den Seitengewässern einige überlebt haben und wieder in die Weil eingewandert sind“, so Klein weiter. Bei den Nährtieren der Fische dauert es etas länger. Die Bachflohkrebse haben sich irgendwie selbst gerettet und im letzten Jahr schon sehr viel Nachwuchs. Klein geht davon aus, dass im kommenden Jahr alles wieder komplett sein wird.

Weitere Gefahren

Doch laut Winfried Klein geht es nicht nur darum, Havarien durch ein solches Auffangbecken zu verhindern. Bei der ganzen Betrachtung geht völlig unter, dass die in den Biogasanlagen entstehende Gülle auf den Feldern entsorgt werden muss. „Wenn es stärker regnet, kann ein Teil dieser Gülle abgeschwemmt und wieder in den Bächen landen“, so der Gewässerwart, „auch wenn nur geringe Mengen abgeschwemmt werden, kommt es zu Schäden in den Gewässern, welche durch Sauerstoffzehrung und Überdüngung nachhaltige Langzeitwirkungen auf die Wassertiere haben.“

In Deutschland gibt es derzeit mehr als 15.000 Biogasanlagen, deren Gülle auf die Felder ausgebracht wird und zu Schäden in den Gewässern sorgen können. Zudem, erklärt Klein, werden in Boppard am Rhein Gülle aus Holland per Tank-Schiff angeliefert, die dann gegen Geldzahlung von den Landwirten auf den Feldern ausgebracht werden. „Die Bezeichnung Biogasanlagen suggeriert den Menschen, dass die Gülle oder auch Gärsubstrat etwas harmloses und Gutes sei, doch diese Bezeichnung ist irreführend“, so Klein. Diese „Biogasgülle“ entzieht dem Wasser direkt sämtlichen Sauerstoff, treibt den pH-wert nach oben, so dass kein Wassertier überleben kann. Daher plädiert er dafür, dass Gülle nie auf Hangflächen ausgebracht werden sollte und auch nicht in der Nähe von Gewässern. Nach dem Umweltschadensgesetz ist jeder Landwirt für die Schäden haftbar. Dies ließe sich vermeiden.



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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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