Ausstellung über Weihnachtsbrauchtum in Elz

Am Sonntag eröffnet im Gemeindemuseum Haus Loer die Ausstellung „Weihnachtsbrauchtum – Böhmen-Mähren-Egerland-Erzgebirge“ und ist bis zum 6. Januar zu sehen. Ich durfte bereits einen Blick auf die Ausstellung werfen. 

Der Geschichts- und Museumsverein Elz hat in Zusammenarbeit mit Weihbischof Dr. Gerhard Pieschl und den Gebrüdern Hermann und Robert Bandt die Ausstellung „Weihnachtsbrauchtum -Böhmen-Mähren-Egerland-Erzgebirge“ zusammengestellt. Die Zwillingsbrüder besitzen die größte Sammlung an Kunst aus dem Erzgebirge. Zum einen gibt es Schwibbögen, Spieluhren,Krippen oder böhmische Glaskunst zu sehen. Zum anderen erfährt der Besucher die Geschichte dahinter.

Geschichte der Vertreibung

Denn hinter all den ausgestellten Stücken steckt auch viel Geschichte. Der Weihbischof wie auch die zwei Brüder sind Sudetendeutsche, welche mit ihren Familien nach 1945 aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Und auch davon erzählt die Ausstellung.

„Ich bin dankbar für die Ausstellung in diesem schönen Haus“, so Weihbischof Pieschl zur Begrüßung, „ich fühle mich hier gut aufgehoben.“ Selbst Sudetendeutscher mit einem tschechischen Urgroßvater war er bereits elf Jahre alt, als seine Familie aus Mähren-Trübau vertrieben wurde. Die Wurzeln seiner Familie liegen selbst in Franken. Sie folgten im 12. Jahrhundert dem Ruf der böhmisch-mährischen Herzöge, den Osten zu kolonisieren. Sie brachten neben ihren Traditionen und dem Brauchtum auch die römisch-katholische Religion mit, welche viele Jahrhunderte neben der russisch-orthodoxen Religion existierte. „Die hier ausgestellten Stücke zeigen, dass sich mit der Ostkolonisation auch der Glauben in den Osten ausbreitete“, schloss Pieschl den Bogen zur Ausstellung. Und als die sogenannten Sudetendeutschen nach 1945 vertrieben wurden, brachten sie diese Kunstgegenstände auch hier in die Region mit. „Das deutsche Volk hat damals eine gewaltige Leistung erbracht, die Vertriebenen aufzunehmen“, so Pieschl. Und eine große Leistung war dies, denn rund 15 Millionen Menschen wurden vertrieben.

Beginn einer Sammelleidenschaft

Auch die Zwillinge Robert und Hermann Bandt wurden aus Arnsdorf, Kreis Römerstadt, Nachbarkreis zu Mähren-Trübau, als damals Dreijährige mit ihrer Familie vertrieben. Sie kamen damals 1946 mit Viehwaggons nach Villmar und sind seitdem hier in der Region geblieben. Sie fahren jedes Jahr in ihre Heimat nach Arnsdorf, wo sie gute Freundschaften pflegen. In einer alten Chronik erfuhren sie, dass ihre Vorfahren aus Freiberg im Erzgebirge stammen. „Wir haben die Stadt besucht und stellten fest, dass wir den gleichen Dialekt haben“, so Robert Bandt, „und damals haben wir uns ins Erzgebirge verliebt.“ Ihre Mutter durfte bei der Vertreibung zwei Truhen mitnehmen und neben Kleidung und Alltagsgegenständen nahm sie auch den böhmischen Baumschmuck mit. Für die beiden Brüder begann eine Sammelleidenschaft, die nun in der Ausstellung zu sehen ist.

Die Ausstellung hat bis zum 6. Januar immer sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Auch die Gebrüder Bandt werden vor Ort sein, um ihre Geschichte zu erzählen.

 

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

2 Gedanken zu „Ausstellung über Weihnachtsbrauchtum in Elz

  • 10. Dezember 2018 um 11:35
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    Herzlichen Dank für den anschaulichen und informativen Bericht. Die Bilder regen mich an, da unbedingt hinfahren zu wollen. Kann ich übrigens allen weiteren Lesern ebenfalls empfehlen! – Darf ich nur eine kleine Korrektur vorschlagen: Zeile 8 beginnt mit dem Wort „kolonialisieren“, was aus der Kolonialgeschichte bes. des 19. Jahrhunderts die Eroberung, Beherrschung, meist auch Ausbeutung eines Gebietes mit seinen Menschen durch ein fremde Macht bedeutet. Bei dieser Geschichte der Sudetendeutschen wie auch der gesamten deutschen Ostsiedlung geht es aber um einen friedlichen Vorgang: meist slawische Adelige besitzen nur dünn besiedelte oder gar nicht besiedelte, oft gebirgige Gebiete. Entweder finden sich dort ursprünglich nur wenige Bewohner oder es sind viele in Kriegen (z.B. der Hunneneinfall im 12. Jh.) oder durch Seuchen (z.B. die Pest) ums Leben gekommen. Der religiöse Gedanke spielte auch eine Rolle: die christlichen Slawenadlige rufen Mönchs- und Nonnen-Orden zu Klostergründungen ins Land. Klöster brachten damals neben religiöser und Verwaltungs-Organisation auch medizinische, apothekarische und schulische Versorgung mit. Besonders in Gebirgs-, Wald- und Moorgebieten werden dann ganze Siedlungen planmäßig angelegt: „Kolonien“. Die Acker- und Wald-Bauern sind dann „Kolonisten“. Das kommt von lateinisch „colere“ = bearbeiten, bebauen, bewirtschaften, bewohnen usw. Die typische Siedlungsform ist das „Hufendorf“, denn jeder Kolonist erhält als „Hufe“ einen Streifen, der von einem Bach oder einer Straße rechtwinklig abgeht: Haus, Scheune, Garten, Teich, Äcker, Wald. Irgendwo in Schlesien muss es auch eine Kolonie „Neu-Limburg“ gegeben haben, die konnte ich aber noch nicht ausfindig machen. – Neben der Christianisierung als gemeinsames Interesse der slawischen Adeligen wie auch dem Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches (später: Deutscher Nation)“ spielt sicher auch die Ausdehnung bzw. Sicherung des Herrschaftsgebietes eine Rolle (Otto III). Der Vorgang verläuft aber im wesentlichen friedlich ab. Es kommt ganz selten zu Konkurrenzkämpfen entlang nationaler Gruppen. In Städten, die von ins Land gerufenen Handwerkern und Händlern nach den Rechtssystemen (z.B. „Magdeburger Recht“) deutsche Städte gegründet werden kommt es selten schon mal zu nationalen Konkurrenzen. – Fazit: statt „kolonialisieren“ muss es „kolonisieren“ heißen!

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