Besuch der Grünenpolitiker an der Erlenbachschule: „Hier macht keiner nichts“

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Die Erlenbachschule bietet ein ganzheitliches Lernen an. Verzahnungen finden auf vielen Ebenen statt, durch die die Lernenden auch für das spätere Leben profitieren. Einen Einblick von dem Konzept verschafften sich Grünen Politiker von Land und Kreis. In einer politischen Diskussion mit der 10. Klasse wurden zudem viele Themen angeschnitten, was die Schüler beschäftigt. Nach zwei Stunden gab es viel Lob von den Politikern.

Die Bündnis 90/Die Grünen Landtagsabgeordneten Kathrin Anders und Felix Martin befinden sich derzeit auf Kinder- und Jugendtour. Gestern machten sie Station im Landkreis Limburg-Weilburg und besuchten die Erlenbachschule, eine Mittelstufenschule in Elz. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt bei einer hohen Berufsorientierung und Praxis.

Verzahnung auf verschiedenen Ebenen

Durch verschiedene Schwerpunkte erhalten die Kinder und Jugendlichen auf verschiedenen Ebenen eine umfangreiche Bildung. Wie die Verzahnung funktioniert, stellte Rebekka Neuser vor und zeigte den beiden Landespolitikern, welche von den Kreispolitikerinnen Sabine Häuser-Eltgen und Sabine Hirler begleitet wurden, den Schulacker. Dieser ist inzwischen ein Jahr alt und was mit einzelnen Beeten begann, ist inzwischen eine Ackerfläche, auf der saisonal Obst und Gemüse sowie Kräuter angepflanzt werden. Diese Produkte wandern manchmal direkt in den Bauch, meist jedoch in die schuleigene Küche, wo Schüler für Schüler kochen. Beim Essen erfährt die Schülerschaft auch, was auf ihren Tellern ist, wo es herkommt und ob es sich um regionale Produkte handelt. Die Schüler dürfen sich Gerichte wünschen, sich an Rezepten ausprobieren und auch neue Dinge auf den Speiseplan aufnehmen.

Grüne Erlenbachschule Schulgarten

Auszeichnung als Umweltschule

Das Laub, welches auf dem Schulhof von den Bäumen landet, sammeln die Schüler ein, um damit die Beete zu mulchen. „Es ist ein Anfang“, so Neuser, „aber es entwickelt sich immer mehr.“ Zudem befinden sich auf dem Schulgelände Insektenhotels und Blühstreifen. Doch die Verzahnung führt noch weiter und fließt in weitere Projekte der Klassen ein. So waren es die Schüler selbst, die im Rahmen einer Projektarbeit das Gartenhaus und den Holzzaun um die Ackerfläche gestalteten. Neuser zeigte den Politikern zwei aktuelle Projektarbeiten der 9. Klassen. Eine Gruppe arbeitet derzeit an einen zuckerfreien, gesunden Müsliriegel für den „Saftladen“ und eine zweite Gruppe beschäftigte sich mit der gesunden Ernährung als Vegetarier und wie sich diese in der Schulkantine umsetzen lässt. Neuser bedauerte sehr, dass aufgrund der steigenden Infektionszahlen die Schüler derzeit nicht kochen dürfen.

Dieses ganzheitliche Konzept sorgte dafür, dass sich die Erlenbachschule seit einem Jahr auch Umweltschule nennen darf. Das Land Hessen zeichnet Schulen für ihre besondere Umweltbildung sowie ökologische Bildung aus. Neben der Auszeichnung als Umweltschule ist die Erlenbachschule zudem Ackerschule, europäische Erasmusschule und musikalische Grundschule. „Hier macht keiner nichts“, so Neuser am Ende der Vorstellung, „alle arbeiten zusammen.“ Kathrin Anders begrüßte es sehr, dass in Elz nicht nur für die Schule gelernt wird, sondern auch fürs Leben. Nach der Vorstellung der Schule ging es in die politische Diskussion mit den Zehntklässlern.

„Jeder Tag in der Schule ist ein guter Tag!“

Mit teils kritischen Fragen und Nachfragen forderten die jungen Leute die Politiker heraus. Das bestimmende Thema in der Diskussion war natürlich die derzeitige Situation sowie die Maskenpflicht in der Schule. Die erste Frage ging dann auch in die Richtung, ob nicht deutschlandweit die allgemeine Maskenpflicht eingeführt werden sollte, anstatt ein Flickenteppich an Maßnahmen. Felix Martin appellierte eindeutig für die individuellen Anpassungen vor Ort an das lokale Geschehen und keine einheitlichen Regeln für ganz Deutschland. Bei dem Erlass der Maßnahmen müsste immer zwischen den individuellen Rechten und dem Schutz der Menschen abgewogen werden. „Ich muss an Orten mit vielen Fällen anders reagieren als an Orten mit geringen Fällen“, so Martin. Nur so sei die Akzeptanz der Bevölkerung für die Maßnahmen gewährleistet.

Zum Thema Homeschooling positionierte sich Kathrin Anders ganz klar. „Jeder Tag in der Schule ist ein guter Tag!“. Für Homeschooling muss die technischen Voraussetzungen vorhanden sein und es muss besser laufen als vor den Sommerferien, denn „Schule ist mehr als Arbeitsblätter bearbeiten und Vokabeln lernen.“ Natürlich wollten die Politiker auch wissen, wie es für die Schüler selbst war, als die Schulen geschlossen waren. Diese begrüßten auch den Unterricht an der Schule, denn zu Hause nervten Geschwister, fehlte jemand, der etwas erklärte.

Es war zu spüren, dass diese Schüler in ihrem letzten Schuljahr sind und sich Gedanken über die weitere Zukunft machen. Sie äußerten Angst davor, dass Lücken entstehen könnten, die ihnen den Anfang auf einer weiterführenden Schule oder im Berufsleben erschweren würden. Auch Neuser übte Kritik: „Als Schule wünsche ich mir kürzere Wege. Es heißt immer, dass etwas kommt, aber hier an der Schule ist noch nichts da. Wir füllen Formulare aus für irgendwann.“

Grünen Politiker Erlenbachschule Elz
Grünenpolitiker in der Diskussion mit den Schülern (v.l.): Sabine Häuser-Eltgen, Kathrin Anders, Feix Martin und Sabine Hirler

Gleichberechtigung und Elektroautos

Ein weiteres Thema, welches die Schüler interessierte, ob die Politiker glauben, dass die Polizei mit allen Menschen gleichberechtigt umgeht. Felix Martin wehrte sich dagegen, dass es immer heißt „die Polizei“, obwohl es sich um Einzelmenschen handelt. „Es gibt wenige, die sich nicht daranhalten und ihre Stellung ausnutzen.“ Da müsste bereits in der Ausbildung eine Sensibilisierung stattfinden. Ein Schüler fragte nach, woran das liegt, dass manche Polizisten mit Vorurteilen in ihren Beruf gehen. Keiner sei ohne Vorurteile, so Sabine Häuser-Eltgen, jeder werde durch sein Umfeld, seine Erziehung und die Gesellschaft geprägt. Auch die Lohnunterschiede zwischen Männer und Frauen waren Thema, wobei sich die Schüler insbesondere auf den Sportbereich bezogen.

Umweltthemen wurden ebenfalls angeschnitten. Ob sich die Grünen weiterhin für Elektroautos einsetzen wollen, wo doch die Herstellung der Batterien nicht so gut seien. Kathrin Anders zeigte auf, dass die Herstellung eines Elektroautos dennoch eine bessere CO2-Bilanz habe als andere Autos. Es sei ein Fehler, dafür zu kämpfen, im Verkehr die Verbrennerautos 1:1 mit Elektroautos zu ersetzen. Vielmehr müsste Mobilität insgesamt neu gedacht werden. Sabine Häuser-Eltgen richtete einen Appell an die Schüler, dass jeder seinen Teil zum Thema Klimaschutz beitragen kann. Diesen Punkt nutzte ein Schüler, um zu kritisieren, dass in der Schule vergangene Themen immer sehr ausführlich behandelt, doch so moderne Themen nur angeschnitten werden. Darauf Anders, dass diese modernen Themen sich nicht nur auf das Fach Geschichte beschränken, sondern in alle Fächer einfließen können.

Felix Martin lobte, dass sich die Zehntklässler gar nicht politikverdrossen zeigten und sehr vielfältig interessiert sind. Er sehe, dass die jungen Menschen auf die Straße gehen, in den sozialen Netzwerken sich für ihre Ideale einsetzen und er plädierte dafür, die Jugend in Entscheidungsprozesse mit einzubinden. „Wir brauchen mehr Jugendbeteiligung. Wir müssen mit den jungen Menschen reden, statt über sie.“ Und er lud die Schüler dazu ein, wenn sie Fragen haben, diese auf den verschiedenen politischen Ebenen wie der Gemeinde, dem Landkreis oder auch dem Land einzubringen.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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