Birgit Geis: „Mir geht vieles zu langsam“

Am 14. März können die Limburger Bürger einen neuen Bürgermeister wählen. Zur Wahl stellt sich auch Birgit Geis von Bündnis 90/ Die Grünen.

Seit einigen Jahren gestaltet Birgit Geis die Stadtpolitik ehrenamtlich als Stadträtin mit. Da ihr manche Prozesse jedoch einfach zu lange dauern, möchte sie jetzt gerne aktiv als Bürgermeisterin gestalten.

Stellen Sie sich bitte kurz vor.

Birgit Geis: Mein Name ist Birgit Geis, ich bin 64 Jahre alt, verheiratet, ich habe drei Kinder und fünf Enkelkinder. Ich arbeite beim Sozialamt Limburg-Weilburg als Sachbearbeiterin. Ich bin seit 2009 in der Kommunalpolitik, seit 2011 als Stadträtin. Meine Hobbies sind reisen, wandern und lesen.

Sie gestalten die Kommunalpolitik als Stadträtin bereits mit. Wo war jetzt der Punkt, dass Sie sagen, nicht mehr nur im Ehrenamt aktiv sein zu wollen, sondern als Bürgermeisterin?

Birgit Geis: Weil mir vieles zu langsam geht. Sachen, die schon vor Jahren auch durch uns Grüne angestoßen wurden, finden jetzt erst einen Weg in die Politik. Das dauert alles viel zu lange. Das muss schneller gehen. Weiterhin kandidiere ich als Bürgermeisterin, weil ich möchte, dass Limburg eine Stadt der Zukunft wird. Ich finde, Limburg ist sehr lebendig, attraktiv und wettbewerbsfähig und das soll auch so bleiben. Aber wenn wir jetzt nichts machen, verpassen wir den Anschluss. An dieser Stellschraube möchte ich arbeiten und den richtigen Weg gehen.

Schwerpunkt Verkehr

Was sind die konkreten Punkte, wo Sie sagen, dass etwas getan werden muss?

Birgit Geis: Ich sehe die Schwerpunkte im Verkehr, in der Verkehrswende sowie in der Beschaffung von bezahlbarem Wohnraum. Ich bin froh, dass die Mehrheit der Stadtverordneten für den Masterplan Mobilität gestimmt hat. Da sind viele gute Sachen drin, z. B.  Anzeigetafeln an den Bushaltestellen. Sie kosten ungefähr eine Million Euro. Ich fahre selbst jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit. Meiner Meinung nach bringen die Anzeigentafeln niemand dazu, vom Auto auf den Bus umzusteigen. Die Sachen, auf die es ankommt, werden im Moment nicht umgesetzt.

Man bekommt die Menschen nur auf den ÖPNV, wenn das bequem ist. Meiner Ansicht nach gehört dazu eine viertelstündliche Vertaktung der Busse. Man muss den Leuten die Möglichkeit geben, bequem umzusteigen. Und diese Möglichkeit gibt es derzeit nicht. Jetzt zu Corona-Zeiten sind die Menschen auf das Fahrrad umgestiegen, aber es muss noch mehr getan werden, damit die Menschen sicher nach Limburg fahren können. Es wurde schon einiges getan, aber da muss die Stadt immer dranbleiben.

Wenn wir beim Thema sind – gibt es eine sichere Radverbindung von Dietkirchen in die Innenstadt von Limburg?

Birgit Geis: Es ist etwas schwierig. Gerade für Kinder, welche zur Leo-Sternberg-Schule fahren. Sie müssen häufiger die Straßenseite wechseln. Es gibt keinen durchgängig sicheren Radweg. Aber er ist ausgeschildert.

Was sind in ihren Augen die Stärken von Limburg?

Birgit Geis: Die Politik macht sich wirklich Gedanken, wie Limburg weiterentwickelt werden kann. Sehr gut ist die Jugendarbeit in der Stadt, was ich unterstütze. Als Beispiele sind zu nennen der Jugendpark in Blumenrod oder die ganzen Ferienfreizeiten. Im letzten Sommer gab es ein Programm „Holidays for Future“, wo gemeinsam mit den Kindern Bäume gepflanzt wurden. Das läuft sehr gut in der Stadt. Auch das Programm „Soziale Stadt“ mit der Quartiersbildung und dem sozialen Miteinander finde ich gut.
Limburg hat eine gute Lage, ist Verkehrsknotenpunkt. In 27 Minuten ist man mit dem ICE in Frankfurt und die Stadt hat zwei Autobahnauffahrten.

Was fehlt in Limburg?

Sie haben angesprochen, dass vieles zu langsam läuft. Gibt es auch Dinge, die Ihnen in Limburg fehlen?

Birgit Geis: Mir fehlen die Fahrradboxen. Vor Jahren haben wir Grünen diese Boxen gefordert. Limburg ist eine Touristenstadt, liegt am Lahnradweg. Die Menschen machen ihre Touren und kommen mit Gepäck. Es fehlen die Boxen, in denen die Besucher ihre Fahrräder mit Gepäck sicher abstellen können, um die Stadt zu besuchen. Es sind jetzt fünf Boxen geplant. Unabhängig davon werden viele neue Fahrradständer aufgestellt. Diese sind aber für Touristen nicht so attraktiv, weil man das Fahrradgepäck nicht unterbringen kann. Fünf Boxen sind angedacht, aber die Umsetzung ist nicht konkret. Es sind auch viel zu wenig. Am Bahnhof gibt es Fahrradboxen für Pendler, welche gut angenommen werden. Es müssten mindestens 25 dieser Boxen im Stadtgebiet verteilt werden. Vor allem auch jetzt in der Zeit, wo die Menschen vermehrt Urlaub in Deutschland machen.

Abgesehen davon, gibt es weitere Dinge, für welche Sie sich einsetzen möchten?

Birgit Geis: Das Thema Wohnungsbau spielt eine Rolle. Dem Baugebiet in Blumenrod, welches jetzt erschlossen werden soll, stehe ich kritisch gegenüber. Solange es noch Leerstände in der Stadt gibt, bin ich nicht dafür, dieses Baugebiet so zu erschließen. Es ist gut, dass die Stadt dieses Gebiet bevorratet hat. Aber es ist wieder einiges versäumt worden. Das Verkehrskonzept ist nicht ausgereift und es ist nicht gewährleistet, dass ein Drittel bezahlbarer, sozialer Wohnungsbau geschaffen wird. Aber was ist gemacht worden? Es sind zu wenig Gebäude mit Mietwohnungen, dafür zu viele Einfamilienhäuser geplant worden. Es gibt auch keine Auflagen, dass nur energieeffiziente Passivhäuser gebaut werden sollen.

Wir verschwenden Flächen für Einfamilienhäuser und dann reicht es in ein paar Jahren wieder nicht. Da muss gegengesteuert werden. Solange die offenen Fragen: wie soll der Verkehr abfließen? Welche ökologischen Faktoren spielen eine Rolle?  nicht geklärt sind, lehne ich die Bebauung ab. Zudem gab es in der letzten Zeit auch die Fälle, dass Wohngebäude in der Innenstadt abgerissen worden sind, um dort Parkplätze zu errichten. Das halte ich nicht gut.

Limburg hatte den Plan, klimaneutral zu werden und es wurde 2013 auch ein Plan dafür erstellt. 2016 war dies das letzte Mal Thema in der Politik. Es wurde ausgelistet, was man gemacht hat und was man machen könnte. Dabei ist es geblieben.
Mir ist sehr wichtig, die Stickstoffdioxid- sowie Kohlendioxidwerte zu reduzieren. Jeder der Stadtverordneten möchte das Dieselfahrverbot abwenden, auch wir Grünen. Aber alles, was bis jetzt getan wurde, reicht nicht aus, um das Dieselfahrverbot abzuwenden. Außerdem ergreife ich doch keine Maßnahmen, weil ein Dieselfahrverbot droht. Ich ergreife doch Maßnahmen, damit die Menschen in Limburg eine gute Luft zum Atmen haben. Das andere kommt dann automatisch. Wir müssen etwas dafür tun, die Luftschadstoffe zu reduzieren, denn dies ist wichtig für unsere Zukunft, für die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder.

Haben die Grünen selbst eine Idee, was gegen den Verkehr in der Innenstadt gemacht werden kann?

Birgit Geis: Ich fordere eine autoarme Stadt. Viele Geschäfte denken, es kommt niemand mehr, wenn die Stadt autoarm wird. Doch dies ist ein Trugschluss. Da sollten wir mal über unseren Tellerrand schauen, was Großstädte machen. Einige sind momentan dabei, den Individualverkehr aus der Innenstadt herauszunehmen. Dies hat den Effekt, dass die Menschen, welche in die Innenstadt kommen, sich dort wohlfühlen, ihre Zeit dort verbringen und dort auch in die Geschäfte gehen. Und wir hatten auch vor Corona schon Leerstand in der Stadt, dies ist kein aktuelles Problem. Dann müssen die Geschäfte auch registrieren, dass das Kaufverhalten der Menschen sich verändert hat. Ich muss mich wohlfühlen in der Innenstadt und dies wird nicht mit mehr Parkplätzen erreicht.

Ich als Busfahrgast, weiß, worauf es ankommt.  Wir brauchen eine bessere Vertaktung des Busverkehrs. Jeder in Limburg möchte den ÖPNV attraktiver machen, dies steht seit vielen Jahren in allen Wahlprogrammen. Und nur Anzeigetafeln an den Bushaltestellen reichen nicht. Nur durch die bessere Vertaktung erreichen wir die Verkehrswende. Die aktuellen Verträge mit den Busunternehmen laufen noch bis 2025. Aber wir können uns bereits jetzt Gedanken machen, wie es danach weiter gehen soll.
Sehr gut ist die Weiterentwicklung des Anruf-Sammel-Taxi zu einem On-Demand-System. Damit werden die Stadtteile untereinander verbunden. Es ist nicht nur wichtig, dass wir von den Stadtteilen in die Innenstadt kommen, sondern auch von Stadtteil zu Stadtteil.

Nicht mehr Gewerbe in Offheim

Wie stehen Sie zu Gewerbegebieten in den Stadtteilen?

Birgit Geis: Dies muss differenziert betrachtet werden. Ich habe mir das Gebiet in Offheim angesehen. Ich stand vor einem frischgepflügten Acker. Das war wunderbare, fruchtbare braune Erde. Es würde mir in der Seele wehtun, wenn diese Fläche jetzt versiegelt wird. Ich denke mal, dass die Stadt nicht nur für neue Gewerbegebiete sorgen muss, sondern auch eine Bevorratung von landwirtschaftlicher Fläche betreiben sollte. Daher bin ich dafür, dass Limburg aufkaufen sollte, wo es geht, aber nicht automatisch Gewerbeflächen ausweitet. Ich bin gegen die Erweiterung des Gewerbegebietes in Offheim. Aber man sollte schauen, wo es noch Lücken gibt.

Das ICE-Gebiet war das Filetstück von Limburg, wo nur hochwertige Dienstleistungsunternehmen hinkommen sollten. Und dann finden wir dort viele Fastfood Restaurants und Logistik. Das gehört für mich nicht zu hochwertigem Gewerbe. Müssen da so viele Fastfood Geschichten hin? Für die freien Flächen sollten wir Unternehmen holen, welche für die Zukunft bauen – flächensparend, umweltbewusst mit energiesparenden Technologien, auch äußerlich. Man muss doch kein Riesengebäude hinstellen und alles mit Parkplätzen versiegeln. Ziel sind Gebäude mit Außenbegrünung, die die CO2-Emissionen verringern.

Es werden überall Führungskräfte besucht. Die kommen nur hier hin, wenn Limburg attraktiv und wenn eine gute Infrastruktur vorhanden ist.

Wie gestaltet sich Ihr Wahlkampf in Zeiten von Corona?

Birgit Geis: Ich versuche in der Presse präsent zu sein. Auf der anderen Seite nutze ich Online-Kanäle. Aber es ist schon schwierig, es ist anders. Wir haben zwar Wahlkampfstände angemeldet, aber ob wir die nutzen können, ist noch nicht absehbar.

Mehr zur Kandidatin erfahrt ihr auf ihrer Homepage.

Eine Übersicht zu allen Kandidaten findet ihr hier

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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