Bürgerdialog “Am Meilenstein” – Bürger äußern Unmut

Das Thema Parken, Verkehr und Sicherheit beschäftigt die Bewohner „Am Meilenstein“ sehr. Es tut sich etwas, doch die Probleme haben sich noch nicht wirklich gelegt. Dies zeigte sich im 3. Bürgerdialog „Mobilität Am Meilenstein“. Im Mittelpunkt des 3. Bürgerdialogs standen Alternativen zum klassischen motorisierten Individualverkehr im Mittelpunkt.

Im letzten Jahr hat sich die Stadt zusammen mit den Bürgern „Am Meilenstein“ auf den Weg gemacht, um für verschiedene Probleme Lösungen zu finden. Dazu fanden bereits zwei Bürgerdialoge statt, in denen Themen gefunden wurden, die den Bürgern am wichtigsten sind. Unterstützung auf diesem Weg gibt es von den Planern Rittmannsperger Architekten Darmstadt sowie dem Quartiersbüro Südstadt. Das Ganze ist ein Projekt innerhalb des Förderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“.

“Das Problem ist größer geworden”

Veränderungen innerhalb des Wohngebietes gab es bereits. Weil einige Anwohner Bedenken wegen der Sicherheit vor allem der Kinder hatten, ist das Wohngebiet inzwischen ein verkehrsberuhigter Bereich. Dadurch fielen einige Parkflächen weg. Weitere Parkflächen wurden durch die Stadtverwaltung gestrichen, da sie keinen ungehinderten Einsatz von Rettungsfahrzeugen ermöglichten. Doch diese Verbesserungen vor allem der Wegfall von Parkflächen kommt nicht bei allen Bewohnern gut an. Bereits im letzten Ortsbeirat Innenstadt war dies Thema. Und auch beim 3. Bürgerdialog äußerten einige Anwohner ihren Bedenken.

„Es ist null darüber nachgedacht worden, was mit den Leuten ist“, so ein Anwohner. „Das Problem ist größer geworden“, so eine weitere Anwohnerin. Und ein dritter Teilnehmer am Bürgerdialog warf den Verantwortlichen vor, dass sie Anwohner permanent abgeblockt werden. „Das ist kein Dialog“, so sein Vorwurf, „diese Situation belastet uns inzwischen.“ Bürgermeister Marius Hahn äußerte sich, dass ihm die Richtung nicht gefalle, die der Dialog gerade nehme. Die Stadt bemüht sich und sei am Thema dran. Inwieweit die teilnehmenden Anwohner die Meinung das Quartiers widerspiegeln, ist nicht genau zu sagen. Von den teilnehmenden 29 Personen am Online-Format waren gerade mal die Hälfte Anwohner des Wohngebietes. Insgesamt leben in dort knapp 400 Menschen.

Alternative Mobilität

Moderatorin Ulrike Hesse von Rittmannsperger Architekten fast zusammen, wie es zu diesen Problemen überhaupt kommt. Die Siedlung entstand in den 30er Jahren, als es noch wenige PKWs pro Anwohner gab. Eine Erweiterung des Wohngebietes fand in den 50er und 60er Jahren statt. Bis heute habe sich die Mobilität massiv verändert, aber der Raum ist nicht mitgewachsen. „Der Raum wird auch zukünftig nicht wachsen“, so Hesse, „daher ist die Suche nach Alternativen notwendig.“ Damit leitete sie zum eigentlichen Thema des Dialogs über, nämlich der alternativen Mobilität und ob dies eine Chance für das Wohngebiet wäre.

Als erstes stellte Hicham Azzou, Abteilungsleiter ÖPNV und Rettungsdienste, den Bereich Nahverkehr vor. Mit drei Buslinien sei der Meilenstein nach der Kernstadt das mit am besten an den ÖPNV angebundene Wohnquartier in Limburg. Komplettiert wird dieses Angebot durch den On-Demand-Dienst LahnStar, der seit zwei Monaten in der Kreisstadt am Start ist. Somit können alle Ziele in Limburg erreicht werden und es ist ein guter Anschluss an die Bahnhöfe und weitere Buslinie gegeben.

E-Carsharing-Projekte

Peter Spöhrer stellte EVLdrive vor. Hierbei handelt es sich um ein stationsbasiertes E-Carsharing in Limburg. Für kurze Fahrtstrecken würde dies eine interessante Alternative darstellen und könnte oftmals den Zweit- oder Drittwagen ersetzen. Derzeit habe die EVL zehn Fahrzeuge an sechs Standorten und möchte dies noch weiter ausbauen. Nicht jeder Standort sei umsetzbar, weil die Infrastruktur für die Ladesäulen vorhanden sein muss. Dennoch sei es ein Beitrag zur Mobilität beim gleichzeitigen Schutz der Umwelt sowie Senkung der Belastungen in Limburg. In die gleiche Richtung nur in einem anderen Format ging die Vorstellung der Pro regionale Energie eG. Bei dieser Alternative geht es um eine Genossenschaft, wo ein Wohngebiet ein Nachbarschaftsauto anschafft und dieses gemeinsam nutzt. Dies würde Teilhabe und Flexibilität ermöglichen, so Stefan Scholz, der das Projekt vorstellte. Ein solches Sharing sei günstiger als ein eigenes Auto zu betreiben.

Geringe Resonanz auf die Alternativen

Auf große Resonanz stießen diese Alternativen bei den teilnehmenden Bewohnern nicht. Ein Anwohner fragte, ob nicht die Möglichkeit bestehe, innerhalb des Wohngebietes eine Haltestelle für den LahnStar zu schaffen. Speziell für ältere Bürger seien die 300 Meter zur vorhandenen Haltestelle in der Frankfurter Straße schon eine Herausforderung. Andere Teilnehmer am Dialog bemerkten, dass diese Alternativen uninteressant für sie seien, wenn sie zur Arbeit fahren und dann ein geliehenes Auto dort vor Ort den ganzen Tag rumstehe. Auch sei der ÖPNV unattraktiv, wenn er es nicht ermöglicht, zur Arbeit zu kommen. Daher brauche es „SINNVOLLE“ Alternativen als die vorgeschlagenen.

Und ein dritter Teilnehmer merkte an, dass eine E-Ladestation für Carsharing nur den Verlust weiterer Parkplätze bedeuten würde. Auch in den anschließenden Diskussionsräumen zu den Themen Verkehrsführung, Nachbarschaft und Kommunikation sowie Mobilität war der Raum mit den vorgestellten Alternativen der Raum, der von den Anwohnern am wenigsten auf Interesse stieß. Daher zog Ulrike Hesse das Resümee, dass diese Alternativen noch mehr kommuniziert werden müssten. In Zukunft würde kein Weg daran vorbei führen, sich über andere Formen der Mobilität Gedanken zu machen, denn es werde definitiv nicht mehr Raum für PKWs hinzukommen.

Kommunikation intensivieren

Mehr Interesse bestand beim Thema Nachbarschaft und Kommunikation. Die Ergebnisse dieses Dialogs stellte Quartiersmanager Marcus Schenk vor. Die Alteingesessenen bemängeln die fehlende Kommunikation. Zum Beispiel gebe es eine Gruppe, die den Meilenstein und das angrenzende Tal Josaphat regelmäßig aufräumen. Dies möchte man deutlicher kommunizieren, um zu zeigen, dass sich etwas tut. Auch soll sobald wie möglich ein Straßenfest stattfinden, damit die Menschen miteinander ins Gespräch kommen, was sie sich momentan nicht so trauen.

In dem Raum Verkehrsführung ging es unter anderem darum, dass die Einfahrt zum Wohngebiet übersichtlicher gestaltet werden sollte und die Schilder derzeit nicht gut wahrgenommen werden. Zudem sei die Einfahrt eine Gefahrenstelle für Fußgänger und Radfahrer, so dass man sich eine bessere sowie sichere Gestaltung dieses Gebietes wünscht. Auch für den Kinderspielplatz wünschen sich die Anwohner eine Veränderung, so dass er als Spielfläche wahrgenommen wird.

Im April soll es einen weiteren Bürgerdialog geben, um zu schauen, was machbar ist und was nicht. Und es soll weitere Antworten zu den Fragen der Anwohner geben.

Mehr zum Bürgerdialog erfahrt ihr hier.

 

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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