Bürgermeisterwahl Villmar – Matthias Rubröder (CDU)

Am 3. März haben die Bürger vom Marktflecken Villmar die Wahl und wählen einen neuen Chef oder Chefin im Rathaus. Es gibt drei Bewerber und eine Bewerberin für das Amt.

Der amtierende Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU) kandidiert für eine zweite Amtszeit und geht für die CDU Villmar ins Rennen. In fünf Fragen zeigt er kurz auf, warum er Bürgermeister bleiben möchte, was er bisher erreicht hat und wie er auf Kritik an seinem Wirken reagiert.

1. Stellen Sie sich kurz vor – wo wohnen Sie, wie alt sind Sie?

Ich bin 36 Jahre alt und bin in Villmar aufgewachsen. Hier lebe ich mit meiner Frau Lisa und unserer kleinen Tochter Carlotta.  Vor meiner Zeit als Bürgermeister habe ich eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht, in Bremen Internationales Politikmanagement und in Frankfurt Politikwissenschaften studiert. Während und nach dem Studium habe ich als Unternehmensberater gearbeitet.

2. Was sind die Stärken von Villmar?

Meiner Meinung nach sind dies unter anderem die gut ausgebaute Infrastruktur (Einkaufsmöglichkeiten und gesundheitliche Versorgung) sowie das aktive Vereinsleben, was sich in den zahlreichen Veranstaltungen Jahr für Jahr zeigt. Zudem leben wir dort, wo andere tatsächlich auch gerne Urlaub machen.

3. Was sind die Schwächen von Villmar?

Ein Schwachpunkt unserer Gemeinde ist mit Sicherheit, dass die Ortskerne aussterben. Mit dem Problem stehen wir leider nicht als einzige Kommune da. Die Vitalisierung der Ortskerne gestaltet sich aber leider zunehmend immer schwieriger. Zusammen mit unserem Team im Rathaus und der Bürgerschaft vor Ort wollen wir aber Konzepte entwickeln, wie wir dem besser begegnen können.

4. Was haben sie bisher als Bürgermeister in Villmar bewegt und was wollen sie zukünftig anpacken?

In meiner ersten Amtszeit war es mir wichtig begonnene Projekte sauber zu Ende zu bringen und neue Impulse zu setzen. Im Jahr 2018 konnten wir das Pfarrhaus von der katholischen Kirche erwerben. Dies ermöglichte uns, zusammen mit der katholischen Kirche eine weitere Kinderkrippengruppe zur Betreuung unserer Kleinsten zu bauen. Das Pfarrhaus wird derzeit noch von ukrainischen Flüchtlingen bewohnt, bietet aber für die Zukunft noch viel Potenzial für unsere Gemeinde. Der dazugehörige Pfarrgarten wird bereits rege von unseren Vereinen für öffentliche Veranstaltungen – wie etwa Konzerte oder Feste – genutzt.

Leider fiel die König-Konrad-Halle einem Brand zum Opfer. Auch wenn es mit erheblichen Aufwänden verbunden war, ist es uns gelungen, das Unglück zu nutzen, um den zentralen Treffpunkt der Gemeinde nachhaltig zu modernisieren und mit einem Blockheizkraftwerk eine zeitgemäße Energieversorgung sicherzustellen. Derzeit wird das Neubaugebiet „Arfurter Berg“ erschlossen. Nach der Fertigstellung kann die Gemeinde rund 60 Bauplätze anbieten. Weiterhin haben wir es geschafft eines der größten Unternehmen in unserer Gemeinde zu halten, in dem wir das neue Gewerbegebiet „Weyrer Kreuz“ ausgewiesen haben. Die ett beginnen Anfang 2024.

Zu einer guten Infrastruktur gehören auch Straßen in einem guten Zustand. Deswegen wurden unter anderem die Weyandstraße und die Weilburger Straße grundhaft erneuert. Der Umbau des gemeindeeigenen Bauhofs läuft, um Arbeitsabläufe zu optimieren und für das Team des Bauhofs eine attraktive Basis für den wichtigen Dienst zu bieten. In der Volkshalle Weyer konnten wir insbesondere für unsere Vereine eine neue hochwertige und moderne Küche einbauen. Die Vorbereitungen für den Ankauf von Flächen für das neue Feuerwehrgerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Weyer laufen. In Langhecke wurde dank privater Investoren begonnen, ein neues Baugebiet (Rolzhäuserhoffeld) aufzulegen. Wir als Gemeinde unterstützen dieses Vorhaben und kooperieren mit den Investoren für eine reibungslose und schnelle Umsetzung. Ein wichtiger Punkt in Sachen Nachhaltigkeit ist der Beginn der Radwegenetzerweiterung innerhalb unserer Gemeinde. Ziel ist es, möglichst bequeme und alltagstaugliche Anbindungen zwischen den einzelnen Ortsteilen sicherzustellen.

Eine gute Kinderbetreuung ist heute unerlässlich. Der Marktflecken Villmar verfügt über vier gemeindeeigene Kindertagesstätten und eine Katholische Kindertagesstätte, sowie eine Kinderkrippe, die eine wohnortnahe Kinderbetreuung sicherstellen. Durch das im Bau befindliche Neubaugebiet „Arfurter Berg“ und das Baugebiet in Langhecke wird die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigen. Deswegen stehe ich dafür ein, neben der bereits ausgebauten Kinderkrippe, die Kinderbetreuung in den gemeindlichen Kindertagesstätten weiter auszubauen und auch weitere Betreuungsplätze zu schaffen. Eine Möglichkeit hier ist ein Anbau an die Kindertagesstätte in Villmar. Die Planungen hierfür laufen bereits. Auch sollen die bestehenden Spielplätze im gesamten Gemeindegebiet modernisiert und attraktiver gestaltet werden, damit sie zum Aufenthaltsort und Treffpunkt für Familien und Freundschaften der Zukunft werden. Für unsere Spielplätze soll es neue Spielgeräte geben, auch für die unter Dreijährigen.

Für eine gute Infrastruktur werden wir auch weiterhin Straßen sanieren und grundhaft erneuern müssen. Beispielhaft für ein großes Projekt in diesem Bereich ist die Ortsdurchfahrt Weyer zu nennen. Nur wenige Zentimeter Höhenunterschied können für Menschen, die etwa mit einem Rollator unterwegs sind oder für Menschen, die in einem Rollstuhl sitzen, oft zur enormen Herausforderung werden. Deswegen möchte ich in enger Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten Beirat für Menschen mit Behinderung und Senioren unsere Straßen, Wege, Plätze und Friedhöfe barrierefrei ausbauen.

Unsere lokale Energieversorgung muss gestärkt und gesichert werden. Für die Bereitstellung unseres heutigen und den immer größer werdenden Energiebedarf ist ein sinnvoller Energiemix notwendig, der vor allem bei der lokalen Energieversorgung nur mit uns Menschen vor Ort gelingen kann. Der Photovoltaiktechnik kommt in unserer Gemeinde eine wichtige Rolle zu. Wir haben viele Dachflächen mit Potenzial für PV-Anlagen. Ich möchte hier unseren Bürgerinnen und Bürger ein Angebot unterbreiten, die eine Anschaffung attraktiver macht. PV-Anlagen in der Fläche sind sinnvoll, sie müssen allerdings strukturiert entstehen und dürfen die landwirtschaftliche Nutzung nicht verdrängen.

Es muss unser Ziel sein, auch weiterhin viele Touristen für einen Besuch in unserer Gemeinde zu begeistern. Dafür sind ein attraktives Marketing mittels SocialMedia und Print wichtig. Auch die Abstimmung und Vernetzung von touristischen Angeboten vor Ort bleiben notwendig. Mit dem seit Jahren in Planung befindlichen Bebauungsplan „Links der Lahn“ möchte ich in 2024 zum Ende kommen und den Wohnmobilstellplatz hinter der König-Konrad-Halle ausbauen. Der Stellplatz wird zwar schon rege genutzt, bietet aber dennoch kein attraktives Angebot für Touristen. Dies möchte ich mit dem Ausbau ändern. Weiterhin soll das Radwegenetz in unserer Gemeinde ausgebaut werden. Dies dient nicht nur dem Tourismus, sondern auch der regionalen Nahmobilität für den Alltag. Ein wichtiges Projekt hierbei ist die Brücke zwischen Villmar und Arfurt für Radfahrer und Fußgänger. Die Brücke verbindet nicht nur zwei Kommunen, sondern stärkt auch den Tourismus und den Alltagsverkehr.

Für eine Gemeinde ist es aus mehreren Gründen wichtig, Gewerbe anzusiedeln. Es schafft zum einen wohnortnahe Arbeitsplätze, es kann Einkaufsmöglichkeiten schaffen und bringt der Gemeinde auch noch Einnahmen durch die Gewerbesteuer. Die bisher ausgewiesenen Gewerbeflächen zwischen Villmar und Aumenau sind verkehrstechnisch und logistisch nicht optimal. Mit der neu geschaffenen Gewerbefläche „Weyrer Kreuz“ möchte ich das neue Gewerbegebiet auch weiter in Richtung der Gemeinde Brechen ausbauen. Dies hat für neue Unternehmen eine bessere Verkehrsanbindung und belastet den Ortskern nicht durch weiteren Schwerlastverkehr.

Die letzten Jahre waren für das Ehrenamt sehr herausfordernd und so möchte ich alle Ehrenamtlichen in ihrer wichtigen Arbeit weiter stärken und unterstützen. Egal ob Kirmes, Jubiläen, Dorffeste oder Feuerwehreinsätze – ich werde auch weiter durch meine Präsenz und Unterstützung dem Ehrenamt den Rücken stärken, ein offenes Ohr haben und konkret helfen und fördern. Unsere Freiwillige Feuerwehr Weyer braucht beispielsweise ein neues Feuerwehrgerätehaus, in Villmar und Aumenau müssen die Feuerwehrgerätehäuser umgebaut werden. Nach und nach steht die Anschaffung neuer Feuerwehrfahrzeuge an. Für das Ehrenamt, aktive Vereine und das Leben in all unseren Ortsteilen sind unsere Bürgerhäuser von hoher Bedeutung, die ich weiter modernisieren und nach Möglichkeit barrierefrei ausbauen möchte.

5. Von den Gegenkandidaten kommt der Vorwurf, dass viele Dinge in Villmar liegen bleiben, Sie tatenlos sind und sich nichts bewegt. Wie reagieren Sie auf diese?

Der Vorwurf der Tatenlosigkeit, dass viele Dinge liegen bleiben, die Gemeinde sich nicht weiter entwickelt ist ja ein probates Mittel im Wahlkampf. Sicherlich hätte das ein oder andere auch besser oder schneller laufen können, aber hier ist man als Kommune auch von anderen Akteuren, wie Planer, privater Unternehmen, übergeordnete Behörden abhängig. Im Großen und Ganzen sprechen die umgesetzten Projekte aber für sich. Wir haben mit dem Pfarrgarten eine neue Anlaufstelle für unsere Vereine um gerade im Sommer wunderbare Feste zu feiern, wir haben eine weitere Kinderkrippengruppe, das Neubaugebiet wird erschlossen, wir haben eines der größten Unternehmen in der Gemeinde halten können, wir sind dabei eine Fläche für das Feuerwehrgerätehaus Weyer anzukaufen, die vorbereitenden Planungen für den Um- und Anbau der Feuerwehrgerätehäuser in Villmar und Aumenau laufen.

 

Insgesamt gibt es vier Kandidaten um den Chefsessel im Rathaus. Mehr über die anderen Kandidaten findet ihr hier.

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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