Bundesweite Vorlesetag – Leseempfehlungen für Kinder und Jugendliche

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Bereits zum 17. Mal findet der bundesweite Tag des Vorlesens statt. In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto „Europa und die Welt“.

In normalen Zeiten ist dies ein Tag, wo Erwachsene in die Kindergärten und Schulen gehen, um den Kindern vorzulesen. Firmen und Politiker beteiligen sich an diesem Tag. In diesem Jahr ist dies nicht möglich. Dabei sind Bücher sehr wertvoll, denn sie können Kinder in fremde Welten mit nehmen, die eigene Welt besser erklären und ein wertvoller Begleiter beim Erwachsenen werden sein. Der Vorlesetag findet wie so vieles in digitaler Form statt. Schaut einfach mal auf der Internetseite vorbei. Ich habe mir einige Leseempfehlungen für Grundschüler und Jugendliche geholt, welche ich gerne Vorstellen möchte.

Und bevor ihr eintaucht in die verschiedenen Büchertipps noch eine Bitte von mir. Die Adventszeit steht vor der Tür. Wenn euch eines der Bücher gefällt, dann geht zu den lokalen Buchhändlern und kauft die Bücher bei ihnen. In der jetzigen Zeit ist es wichtig, die lokalen Einzelhändler zu unterstützen #supportyourlocal

„Du denkst, dein Schmerz und dein Herzschmerz sind in der Geschichte der Welt beispiellos, aber dann liest du. Es waren Bücher, die mich lehrten, dass die Dinge, die mich am meisten quälten, genau die Dinge waren, die mich mit all den Menschen verbanden, die lebten, die jemals gelebt hatten. “
James Baldwin

Buchempfehlungen für Grundschüler

Jasmin Geismar, Inhaberin von „Buch und Tee“ in Elz ging zum Vorlesen gerne in die Kindergärten, um die Kinder für Bücher zu begeistern. Ihrer Meinung nach ist es egal, was Kinder lesen, Hauptsache sie lesen. Sie hat einige Bücher für die Grundschule herausgesucht und empfohlen.

Klassiker bekannter Kinderbuchreihen für Erstleser

Wer kennt sie nicht? „Die drei !!!“, „Die drei ???“ oder „Die Schule der magischen Tiere“? Bisher gab es diese Reihen nur für die etwas besseren Leser ab der 3. Klasse mit wenigen Bildern und viel Text. Inzwischen gibt es diese Buchreihen auch für Erstleser. In eigenständigen Geschichten mit großen Buchstaben, großen Abständen sowie insgesamt weniger Text und mehr Bildern können bereits die ganz jungen Leser spannende Detektivgeschichten erleben und sich mit den bekannten Figuren auf kleine Abenteuer begeben.

Kinderbücher von Marc-Uwe Kling

Wer Marc-Uwe Kling bisher nur von seinen witzigen Känguru-Chroniken kannte, kann jetzt eine völlig neue Seite von ihm erleben. Mit „Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt machte“ und „Der Tag, an dem Opa den Wasserkocher auf den Herd stellte“ hat er zwei total witzige Kinderbücher für Kinder ab der 3. Klasse geschrieben.
Oma und Opa passen auf die Kinder auf, welche wiederum der Meinung sind, dass man eigentlich die Großeltern im Blick behalten sollte. Im ersten Buch geht es darum, dass das Internet auf einmal nicht mehr funktioniert, nachdem Oma am Computer war. Natürlich ärgert sich erstmal jeder, weil keine Musik mehr gehört und kein Computerspiel mehr gespielt werden kann. Die Eltern kommen von der Arbeit heim, weil nichts mehr funktioniert. Im Miteinander stellen sie dann fest, dass alle Zeit haben, um gemeinsam etwas zu machen, als dass jeder alleine für sich im Internet etwas unternimmt.
Im zweiten Buch stellt der Opa einen Retro-Wasserkochen auf den Herd, weil er wie ein Wasserkessel aussieht. Im Laufe der Geschichte erzählt dann jeder, was ihm mal blödes passiert ist. Jedem passiert mal was dummes, aber am Ende kann man darüber lachen.

„Ziemlich beste Schwestern“ von Sarah Welk nimmt die Leser ab Ende der 2. Klasse mit in ein turbulentes Familienleben und den Alltag von zwei Schwestern. Auf witzige amüsante Weise erleben die Leser Geschichten, die sie auch selbst hätten erleben können.

„Kitty – Mission im Mondschein“ von Paula Harrison

Kitty`s Mom ist eine Superheldin und immer viel unterwegs. Damit es Kitty in dieser Zeit nicht langweilig wird, hat sie ein eigenes Superheldinnen-Kostüm und träumt davon, zu helfen. Bis eines Tages ein Kater in ihrem Zimmer sitzt und sie um Hilfe bittet. Zuerst hat sie Angst und traut sich nicht so recht. Doch im Laufe des Buches macht die kleine Heldin die Erfahrung, dass jeder Angst haben darf, diese mit Mut aber überwunden werden kann.

„The Ickabog“ von J.K. Rowling

Ab der vierten Klasse können Leser in diese Geschichte abtauchen. Diese schrieb die Autorin in vielen kurzen Sequenzen, um diese ihren Kindern abends vorzulesen. Als der Erfolg mit Harry Potter kam, landete diese Geschichte erstmal auf dem Dachboden. Doch jetzt holte sie diese wieder hervor. Während dem Beginn von Corona hat sie die einzelnen Sequenzen veröffentlicht, damit den Kindern vorgelesen werden kann. Inzwischen gibt es ein Buch mit vielen Kinderzeichnungen, welche in einem Wettbewerb entstanden.

Es ist ein schönes Märchen, mit vielen tollen Beschreibungen, welche Bilder im Kopf beim lesen entstehen lassen können. Zusammen oder alleine können die Leser in das Königreich Cornucopia abtauchen. Ein sagenumwobenes Ungeheuer, ein Königreich in großer Gefahr und zwei Kinder, die außergewöhnlichen Mut beweisen müssen. In diesem ganz besonderen Märchen geht es um den Sieg von Hoffnung und Freundschaft gegen alle Widrigkeiten.

„Liane und das Land der Geschichten: Ein Buch über die Magie des Lebens“ von Elif Shafak

Liane mag ihren Namen nicht und verzieht sich daher in die Bücherei. Dort entdeckt sie eines Tages einen magischen Globus, auf dem sie eine Insel in Buchform entdeckt. Nur wenn Kinder lesen und weiterhin ihre Fantasie benutzen, dann wird dieses Land auch in Zukunft existieren. Es geht um die eigene Magie, die jeder im Herzen trägt. Und eventuell erkennt Liane am Ende, dass ihr Name doch was Besonderes ist.

Leseempfehlungen für Jugendliche

Annie Vollmers von der Kulturenwerkstatt in Limburg hat verschiedene Projekte mit Jugendlichen, bei denen Literatur eine große Rolle spielt. Dabei setzt sie sich mit den Jugendlichen auch immer wieder mit gesellschaftlichen sowie politischen Themen auseinander. Sie bat ich um einige Leseempfehlungen für den Jugendbereich.

„Ich habe Bücher ausgesucht, die schwierige Themen aufgreifen und sie thematisieren. Es sind Bücher, die die Leser:innen in die Lebenswelten von Anderen eintauchen und mit Ihnen fühlen lassen“, so Annie Vollmers zu ihrer Auswahl. Die Lebenswelten von Jugendlichen spiegeln sich in allen Geschichten wider. Es geht um Freundschaft, Liebe, Familie, das Hineinwachsen in eine Welt voller Widersprüche und die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit in Einklang mit allen anderen Lebewesen. „In diesen schwierigen Zeiten voller Informationen und Unsicherheiten, bieten diese Bücher die Möglichkeit sich in Ruhe mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken. Dabei kann man sich auch selbst begegnen und bestenfalls erkennen, dass da noch jemand ist, dass man nicht allein ist“, so Vollmers weiter.

„Eleanor und Park“ von Rainbow Rowell
ab 14 Jahre

Als Eleanor und Park sich zum ersten Mal im Schulbus treffen, kann von Zuneigung keine Rede sein. Dass sie sich gar ineinander verlieben, scheint unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die erste Liebe lesen kann. Anfangs vorsichtig und zaghaft tauschen Eleanor und Park Comics, Musik und Meinungen aus, und sie werden ein Liebespaar. Eines, das man nicht vergisst.

Ein wunderschönes Buch, das die Leser:innen in die Welt zweier junger Menschen mitnimmt und dabei einfühlsam deutlich macht wie schwer das Leben manchmal sein kann. Es geht um häusliche Gewalt, dem Wunsch einem Leben zu entfliehen, das von den Eltern in eine Richtung gesteuert wird, die nicht richtig ist. Es geht aber auch um Begegnungen und Möglichkeiten, dass man sich kennenlernen kann, auch wenn man aus vermeintlich unterschiedlichen Welten kommt. Es geht ums Mobbing und darum, dass nicht die Opfer das Problem haben, sondern die Mobber. Es geht um Entscheidungen und darüber über das eigene Leben zu entscheiden und das Richtige zu tun.

„Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ von Benjamin Alire Sáenz
ab 14 Jahre

Dante kann schwimmen. Ari nicht. Dante kann sich ausdrücken und ist selbstsicher. Ari fallen Worte schwer und er leidet an Selbstzweifeln. Dante geht auf in Poesie und Kunst. Ari verliert sich in Gedanken über seinen älteren Bruder, der im Gefängnis sitzt. Mit seiner offenen und einzigartigen Lebensansicht schafft es Dante, die Mauern einzureißen, die Ari um sich herum gebaut hat. Ari und Dante werden Freunde. Sie teilen Bücher, Gedanken, Träume und lachen gemeinsam. Sie beginnen die Welt des jeweils anderen neu zu definieren. Und entdecken, dass das Universum ein großer und komplizierter Ort ist, an dem manchmal auch erhebliche Hindernisse überwunden werden müssen, um glücklich zu werden! In einfühlsamer Prosa erzählt Sáenz die Geschichte zweier Jungen, die Loyalität, Freundschaft, Vertrauen, Liebe – und andere kleine und große Geheimnisse des Universums entdecken.

Vielleicht ist dies eines der Bücher, das ein Leben retten kann oder zumindest kann es jemandem zeigen, dass er/sie nicht auf dem falschen Weg ist, sondern genau richtig ist genau so wie er/ sie sich fühlt. Es ist ein Buch für Menschen, die nicht überall mitlaufen wollen und die Verständnis für die Vielseitigkeit des Lebens haben. Hier wird ganz auf Sensation, Spannung und Lautstärke verzichtet. Vielmehr folgt die Schriftstellerin den poetischen Dialogen der beiden mexikanisch-amerikanischen Freunde Dante und Aristoteles, die beide nicht nur mit ihrem Namen hadern, sondern in ihren Gesprächen über Familie, Alltag, Träume und Ängste von 15-Jährigen langsam – auch in Abgrenzung zum anderen – ihre eigene Identität finden.

„Halbe Helden“ von Erin Jade Lange
ab 14 Jahre

Billy D ist gewitzt, hartnäckig und sehr dickköpfig. Und er lebt mit dem Down-Syndrom. Mitleidheischend oder problemlastig wird in diesem Roman die Lebenssituation von Billy D jedoch nicht dargestellt. Trotzdem braucht er einen Beschützer, und der soll nach dem Willen des Schuldirektors ausgerechnet Dane sein: der Mädchenheld und Schlägertyp, der seine Aggressionen nicht im Griff hat. Wenn er sich um Billy D kümmert, kann er den drohenden Schulverweis abwenden.

So verschieden die beiden Jugendlichen sind, gemeinsam ist ihnen, dass sie ohne Vater aufwachsen und auf der Suche nach diesem sind. Aus der Ich-Perspektive von Dane wird dargestellt, wie sich zwischen diesen ungleichen Teenagern allmählich eine Freundschaft entwickelt, durch die beide voneinander lernen. Ungewöhnliche Figuren, Familienbilder, die gesellschaftliche Normen ignorieren, und die aberwitzige Suche nach Billy Ds Vater mithilfe eines komplizierten Rätsels machen dieses Buch zu etwas ganz Besonderem. (Zitat https://www.jugendliteratur.org/buch/halbe-helden-4035)

Dies ist eines der Bücher, das man gar nicht mehr aus der Hand geben möchte. Als ich am Ende des Romans angekommen war, wollte ich am liebsten weiterlesen und weiterhin ein Teil im Leben dieser beiden besonderen Jungs sein. Die Leser:innen werden auf eine spannende Reise mitgenommen. Sie erleben wie sich vor allem Danes Horizont erweitert und er von Billy D lernt worauf es wirklich ankommt.

„Children of Blood and Bone“ von Tomi Adeyemi
ab 14 Jahre

Fantasy mit politischer Botschaft

Sie töteten meine Mutter.
Sie raubten uns die Magie.
Sie zwangen uns in den Staub.
Jetzt erheben wir uns.

Zélies Welt war einst voller Magie. Flammentänzer spielten mit dem Feuer, Geistwandler schufen schillernde Träume, und Seelenfänger wie Zélies Mutter wachten über Leben und Tod. Bis zu der Nacht, als ihre Kräfte versiegten und der machthungrige König von Orïsha jeden einzelnen Magier töten ließ. Die Blutnacht beraubte Zélie ihrer Mutter und nahm einem ganzen Volk die Hoffnung. Jetzt hat Zélie eine einzige Chance, die Magie nach Orïsha zurückzuholen. Ihre Mission führt sie über dunkle Pfade, wo rachedurstige Geister lauern, und durch glühende Wüsten, die ihr alles abverlangen. Dabei muss sie ihren Feinden immer einen Schritt voraus sein. Besonders dem Kronprinzen, der mit allen Mitteln verhindern will, dass die Magie je wieder zurückkehrt …

Children of Blood and Bone ist der erste Band einer afro-futuristischen Fantasy-Trilogie.
Die Geschichte präsentiert eine starke und überzeugende Heldin. Ganz selbstverständlich sind alle Protagonist:innen schwarz. Die Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus, Rassenhass und Diskriminierung ist authentisch und regelrecht schonungslos. Zusammen mit der Magie, eine einfach unschlagbare Fantasy Geschichte.

Es geht um Verantwortungsbewusstsein, Mut und Stärke in schwierigen Zeiten, es geht darum Entscheidungen zu treffen, aber diese dann auch immer wieder zu hinterfragen. Man kann mit den Charakteren mitfühlen und wird in eine Welt gerissen, die einfach so nicht sein sollte.

„Schamlos“ von Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz
ab ca. 12 Jahre

Amina Bile, Nancy Herz und Sofia Nesrine Srour wissen wie das ist, ein Leben unter ständiger sozialer Kontrolle führen zu müssen. Dennoch wagen sie es, ihren eigenen Weg einzuschlagen, und sie wollen anderen mit diesem beeindruckenden Buch Mut machen. Sie sind junge Muslimas und Feministinnen, die unverblümt von ganz realen Sorgen und Nöten erzählen. Sie beschreiben die Zerrissenheit, wenn es um das Finden der eigenen Identität und um den Umgang mit tradierten Rollenbildern geht. Persönliche Einblicke in ihre Lebenswelten wechseln sich ab mit interessanten Berichten zu allerlei lebensnahen Themen – auch vermeintlichen Tabu-Themen. Die Autorinnen vergegenwärtigen, dass wir uns alle irgendwann mit unserer Identität und unserer Zukunft auseinandersetzen müssen. Wir müssen Antworten auf die Fragen finden, wer oder was wir sein wollen.

Gelingt es, sich nicht für den Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmtheit schämen zu müssen und somit schamlos zu werden? – Ein Buch, das den richtigen Tonfall findet. Ein mutiges Buch.

 

 

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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