Christian Lindner (FDP) – Ein Politprofi auf der Bühne

Die FDP hatte in die Stadthalle Limburg eingeladen und viele Zuhörer kamen, um den FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner einmal live zu erleben. Und enttäuscht wurden sie nicht, denn Lindner ist ein hervorragender Redner.

Es hätte wenige für möglich gehalten, dass es die FDP schafft, die komplette Stadthalle zu füllen. An die 700 Zuhörer kamen, besetzten die Stühle, den Rang und standen hinten in der Halle, um Christian Lindner reden zu hören. Und sie wurden nicht enttäuscht. Dem Politiker gelang, was kaum einem anderen Politiker gelang, der auf Wahlkampftour in die Region kam. Er fesselte die Zuhörer und erhielt sehr viele Lacher sowie Zwischenapplaus. Er macht sich die Worte zu eigen, kreiert Wortspiele und versteckt darin seine Botschaft. Zur gefüllten Halle fiel ihm ein: „Früher hatten wir vor der Wahl noch Sitzplätze, aber nach der Wahl keine Sitzplätze in der Regierung.“ Da sei es ihm so schon lieber.

Volkspartei kein überzeugendes Konzept

Dann setzte er an zu einem Rundum-Schlag, aber blieb eher allgemein. „Wenn sie nicht wählen gehen, machen sie nur die stark, die sie im Parlament nicht sehen wollen“, rief er zur Wahl auf. Vielen Menschen würden gerne wählen gehen und können nicht, weil in ihrem Land keine Demokratie herrsche. Daher sollten wir uns glücklich schätzen, dass wir wählen gehen dürfen. Vor allem CDU und SPD würden bang auf den Sonntag schauen, wobei er dies ohne jegliche Schadenfreude sage. Aber das Konzept Volkspartei habe ihm eh nie zugesagt. „Allen wird alles versprochen, aber nicht mal die Hälfte gehalten.“ Das könne nicht funktionieren. Und er vermisse die politischen Inhalte. Da wird über Behördenleiter gestritten, anstatt über Probleme wie bezahlbaren Wohnraum diskutiert. „Wir haben ein Problem, wenn die Parteien die Signale der Bürger nicht mehr verstehen.“

Lieber nicht regieren

Auch wenn er immer wieder darauf angesprochen wird, steht er auch heute noch zu seiner Absage zur Koalition und erklärt diese auch immer wieder gerne. „Die Grünen wollten die Menschen erziehen, wir wollen die Menschen befreien und die CDU wollte nichts. Da mussten wir nein sagen.“ Und so steht er auch heute noch zu seiner Aussage: „Lieber nicht regieren als schlecht regieren“, aber er schiebt auch hinterher: „Wenn man gut regieren kann, überlassen wir das Land nicht den anderen.“ Auch so geht er in Kritik mit den politischen Gegnern. Nach 12 Jahren sei es ganz normal, dass eine Regierungschefin keinen frischen Wind mehr bringen kann. Daher setze sich die FDP für eine Begrenzung der Dienstzeit ein. Auch störe es ihn sehr wie alle auf die Sprüche der AfD anspringen. Anstatt die Widersprüchlichkeiten der völkisch-autoritären Partei aufzuzeigen, herrschen nur noch „schrille Töne“. „Die AfD argumentiert oft pöbelhaft und verroht“, so Lindner, „aber wir werden sie nicht kleinkriegen, wenn wir uns auf ihre Ebene hinab begeben.“ Die sachliche Auseinandersetzung mit Themen finde nicht mehr statt.

Menschen fühlen sich nicht mehr verstanden

Ein weiterer Punkt in seiner Rede war, dass sich die Menschen nicht mehr von der Politik verstanden fühlen. Hört man nur auf die Politiker, könnte man schnell das Gefühl bekommen, es ginge nur noch um Flüchtlinge und Manager. „Aber die meisten Menschen sind keine Flüchtlinge und Manager, sondern Menschen in der Mitte der Gesellschaft.“ Und deren Probleme seien die Schlaglöcher auf der Straße, die schlechte Ausstattung in den Schulen oder das zu langsame Internet, welches das Arbeiten erschwert. „Die Politik muss wieder dahin, dass sie die Menschen repräsentiert.“

Mitreißend redete Lindner rund 80 Minuten lang und war hinterher auch sehr begehrt für Selfies. Da zeigte sich ganz der Politprofi. Er sprach viele Dinge an, die die Menschen stören, in vielen Teilen war es ein Stück weit zu generell. Mitgenommen hatte er die Zuhörer, was der Applaus zeigte.

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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