Denkmal der Grauen Busse in Hadamar

Seit Mai steht das Denkmal der Grauen Busse vor dem Schloss in Hadamar. Begleitend gibt es eine Veranstaltungsreihe mit verschiedenen Themen. Letzte Woche ging es um die Logistik und welcher Apparat dahinter steckt. 

Groß und grau steht der in Beton gegossene Bus vor dem Schloss. Er ist nicht zu übersehen, denn alleine, wenn man mit dem Auto durch Hadamar fährt, führt der Weg an ihm vorbei. Nimmt man sich die Zeit, kann man durch einen schmalen Gang durch ihn hindurch laufen und liest die Frage „Wohin bringt ihr uns?“. Ein wenig beklemmend ist dies schon. An der Außenseite finden sich 437 Namen von Menschen, welche von Frankfurt mit diesem Bus nach Hadamar gebracht wurden. Sie waren nur einige von über 70.000 Patienten, welche auf diese Todestransporte geschickt wurden.

2007 wurde das Denkmal der grauen Busse vom Künstler Dr. Horst Hoheisel sowie vom Architekten und Künstler Andreas Knitz entwickelt. Es soll an die Opfer der „Euthanasie“-Verbrechen im Nationalsozialismus gedenken. Es gibt insgesamt drei Modelle. Eines steht vor dem Psychiatrischen Krankenhaus in Weissenau, das zweite in Köln und das dritte steht an verschiedenen, historisch bedeutsamen Orten. Wie jetzt in Hadamar.

Das Denkmal in Hadamar

Hadamar ist die sechste und letzte eingerichtete Tötungsanstalt, in welcher von Januar bis August 1941 über 10.000 Menschen mit Kohlenmonoxid ermordet wurden. Doch auch nach dem Abbruch der Tötungsaktion in 1941 ging es mit dem Morden weiter. Bis zur Befreiung in 1945 starben nochmals rund 4.500 Menschen. Seit 1983 ist dieser Ort Gedenkstätte. Bevor das Denkmal Station in Hadamar machte, stand es in Frankfurt. Dies ist insbesondere bedeutungsvoll, weil an die 437 Menschen (Stand März 2018) von Frankfurt mit einem solchen Bus nach Hadamar gebracht wurden. Obwohl die Busse als Graue Busse bekannt sind, räumte der Historiker Dr. Harald Jenner ein, dass diese Busse lange Zeit in leuchtend roten oder gelben Farben über die Straßen fuhren. Später mussten Fahrzeuge getarnt werden, damit sie von den feindlichen Flugzeugen aus nicht zu erkennen waren, aber dies galt für alle Fahrzeuge und nicht nur für diese Transportbusse.

„T4“ – ein Begriff der Nachkriegszeit

Leider gibt es über die logistischen Hintergründe wenige Informationen. Ab 1944 sind viele Akten, vor allem die Verwaltung betreffend, vernichtet wurden. Zudem war die Logistik nicht das vorrangige Thema bei der Aufklärung der Kriegsverbrechen. Dennoch gibt es ab und zu Hinweise auf diese Transporte.
Der Historiker erklärte zu allererst bei seinem Vortrag die Begrifflichkeit. „Eine T4-Aktion gab es nie, diese Begrifflichkeit wurde nach dem Krieg erfunden“, so Jenner. Und zwar stamme dieser Begriff daher, dass die Verwaltung für die Logistik unter anderem in der Tiergartenstraße 4 (T4) saß. In dieser geheime Tötungsaktion, die heute unter T4-Aktion bekannt ist, wurden 70.000 Menschen in sechs Tötungsanstalten vergast. Diese Aktion wurde zentral organisiert.

Zum Ende seine Vortrages sagte Dr. Jenner: „Das gesamte Logistiksystem war etwas komplizierter als wie die grauen Busse suggerieren.“ Ja, sie waren Teil der Maschinerie, aber insgesamt war die Logistik vielseitiger, denn es fanden auch viele Transporte mit der Reichsbahn statt und auch PKWs kamen zum Einsatz, wenn nur wenige Personen transportiert wurden. Aber er bekannte auch, dass „wir uns nicht vorstellen können, was eine solche Busfahrt in den Menschen auslöste, wir können nur der Logistik nachspüren.“ Der Grundgedanke „Wir wollen es geheim halten“ scheiterte jedoch, denn Gerüchte gab es in der Bevölkerung aber auch unter den Patienten.

Weitere Veranstaltungen

Das Denkmal der grauen Busse ist eine Aktion der Stadt Hadamar in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Hadamar sowie dem Förderverein der Gedenkstätte. Am 9.Oktober findet um 19 Uhr ein Vortrag „Zur Organisationskultur der T4“ in der Gedenkstätte statt. Eine Lesung findet am 9.November um 19 Uhr statt – Sigrid Falkenstein „Annas Spuren“. Am 4.Dezember lädt die Gedenkstätte zum Vortrag „Von der Euthanasie zum Holocaust – Brüche und Kontinuitäten“ um 19 Uhr ein. In der Aula vom Schloss gibt es am 14. Dezember eine Theateraufführung „Wo ist Monsieur Hase-Hase? – Behinderung im Zeichen von Geschichte(n)“. Am 26. Januar wird das Denkmal abgebaut, begleitet von einer szenischen Lesung ab 12 Uhr.

Wer mehr zum Denkmal der Grauen Busse erfahren möchte, kann sich auf der Internetseite informieren.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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