“Der wohnt im Baumhaus”

Nach langer Zeit konnte der NABU Hadamar am Sonntagmorgen eine Aktion mit Kindern anbieten. An einem alten Apfelbaum beringten sie junge Steinkäuze und sprachen mit den Kindern über die zweitkleinste Eule. 

“Dem Steinkauz geht es nicht gut”, so Anna Pietsch, Vorsitzende vom NABU Hadamar zur Begrüßung der 15 Kinder, welche sich an einem alten Apfelbaum in Oberweyer eingefunden haben. Es sei die zweitkleinste Eulenart und der NABU Hadamar würde sich dafür einsetzen, dass es ihm gut geht. Und dann fragte sie die Kinder, warum es dem Steinkauz wohl nicht so gut gehe. Damit zeigte sie auf den alten Apfelbaum und die Kinder antworteten: “Der wohnt im Baumhaus.” Damit haben sie eine gute Beobachtung gemacht, denn auf dem Apfelbaum war eine Steinkauz-Brutröhre angebracht.

Zählen des Nachwuchses

Der Steinkauz steht auf der Vorwarnliste der roten Liste. In Deutschland gibt es bis zu 8.500 Brutpaare. In den letzten Jahren haben Schutzmaßnahmen jedoch zu Erfolg geführt. Rund um Hadamar leben 12 Brutpaare. Jedes Jahr schaut der NABU nach, wie viele Eier die Steinkäuze legen, wie viele Jungtiere durchkommen. Indem sie diese beringen, können sie feststellen, wo sie herkommen und wo sie sich eventuell neu ansiedeln.

Leonard Habel kletterte die Leiter hoch und holte drei Jungtiere aus der Röhre sowie eine tote Maus, welche die Elterntiere in der Röhre gelagert hatten. Die Jungtiere waren rund vier Wochen alt. Es war auch ein Ei in der Röhre, welche nicht ausgebrütet wurde. Und die Helfer vom NABU wussten zu erzählen, dass es vor einer Woche noch vier Jungtiere waren. Die Kinder waren begeistert von diesen kleinen Eulen und jeder wollte mal streicheln, bevor die Jungtiere dann einen Ring erhielten. In dem Eimer hüpften die Jungtiere aufeinander, so dass ein Kind rief: “Schau mal, die machen eine Räuberleiter.”

Die Frage kam auf, wo denn die Elterntiere seien. Anna Pietsch erklärte, dass ein Paar immer zwei Röhren im Revier bewohnen. In einer Röhre werden hauptsächlich die Mäuse gelagert, in der anderen Röhre die Jungen großgezogen. Und dann kann es auch mal passieren, dass die Elterntiere sich in der anderen Röhre befinden. Auch wollten die Anwesenden wissen, ob es denn nichts ausmache, die Jungvögel jetzt zu berühren. Pietsch meinte, bei Vögeln spiele dies keine Rolle. Die Elterntiere würden sie danach weiterfüttern. Dies sei mehr ein Problem bei Säugetieren. Dennoch müssen sie behutsam mit den Tieren umgehen und sie nicht zu lange anfassen, da es Stress für die Wildtiere bedeutet.

Schutz für Steinkäuze

Anna Pietsch äußerte sich ebenfalls froh, dass jetzt die Wiesen wieder gemäht werden. Dann sei es für die Steinkäuze leichter, Mäuse zu jagen. Es sei daher auch gut, wenn in der Nähe von Streuobstwiesen Schafe weiden. Diese halten die Wiesen kurz und die Steinkäuze können besser jagen. “Wir müssen als Menschen viel Rücksicht nehmen, um den Steinkauz zu unterstützen”, so Pietsch. Dies äußert sich in vielen Dingen. Es können Apfelbäume gepflanzt werden, was auch der NABU immer wieder macht. Im Dezember pflanzte der NABU in Niederhadamar alte Apfelsorten, um neue Reviere für den Steinkauz zu schaffen. Es kam die Frage auf, warum der Steinkauz gerade in Apfelbäumen brüten würde. Sein Federkleid ähnelt stark der Rinde und er verschmilzt sehr gut und bleibt unentdeckt.

Sie hat daher auch einen Wunsch an die Kommunen. Es wäre schön, wenn die Kommunen bei Kompensationsmaßnahmen den Schwerpunkt auf Streuobstwiesen legen.

Mehr zum Steinkauzschutz des NABU Hadamar findet ihr auf der Homepage.

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.