Digitaler Musikunterricht – neue Wege in diesen Zeiten

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Nicht nur der Schulunterricht ist von der derzeitigen Situation betroffen. Auch die Musikschulen sind geschlossen und dürfen nicht mehr im persönlichen Kontakt unterrichten. Dennoch stellten sich die Musiklehrer rasch auf die neue Situation ein. 

Für das Schulsystem ist der Coronavirus und die geschlossenen Schule eine Herausforderung, mit der Lehrer und Schüler kämpfen. Doch auch die Musikschulen wollen versuchen, in dieser Zeit den Unterricht aufrechtzuerhalten und gehen neue Wege.

Videoschnipsel und Whatsapp-Unterricht

„Wir haben das ganze Wochenende durchgearbeitet, um unsere Vorstellungen von einem digitalen Musikunterricht umzusetzen“, erzählt Andrea Heibel, Leiterin der Kreismusikschule Limburg, „wir möchten damit dazu beitragen, die Alltagsstrukturen für Kinder beizubehalten.“ Damit waren sie in Hessen eine der ersten Schulen und gaben es dann an die Kollegen anderer Musikschulen weiter. „In diesen Zeiten müssen wir uns gegenseitig helfen“, so ihre Überzeugung.

Somit kann die Musikschule derzeit gewährleisten, dass die Einzelunterrichte weiter stattfinden. Wer vorher in Zweiergruppen unterrichtet wurde, wird derzeit auch im Einzelunterricht geschult. Und die Möglichkeiten sind sehr verschieden. Die einen Lehrer lassen sich Videoschnipsel zukommen, welche sie dann analysieren. Andere starten einen Videoanruf per Whatsapp und gestalten einen gemeinsamen Unterricht. „Was ich positiv finde, dass die Lehrer jetzt einen Einblick in das Übungsverhalten zu Hause bekommen“, so Heibel weiter. Alle Gruppenkurse wie die musikalische Früherziehung, die Eltern-Kind-Kurse oder auch die Arbeit mit den Behinderten finden derzeit jedoch nicht statt. Da sind sie derzeit am überlegen, wie es im April weitergehen kann.

Positive Rückmeldungen

Insgesamt erhielt sie positive Rückmeldungen für diese Lösung. Vereinzelt gab es auch Rückmeldungen von Eltern, die diese Form des Unterrichts unvorstellbar finden und auch ihre Gebühren zurückerstattet haben wollen. Doch dies ist nicht so einfach, so Heibel. Immerhin müssen die Lehrkräfte auch bezahlt werden. „Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen, um unsere Lehrkräfte alle zu halten“, so Heibel.

Die Querflöten-Lehrerin Nicola Scheloske unterrichtet inzwischen auch digital. Sie lässt sich Übungseinheiten als Videoschnipsel schicken und analysiert diese dann gemeinsam mit den Schülern. „Man lernt sich so von einer ganz anderen Seite kennen“, so ihr Fazit nach der ersten Woche, „Wenn der ernste Hintergrund nicht wäre, würde ich es als echten Gewinn für das Lehrer-Schüler-Verhältnis sehen. Aber oft sind ja die besten Ideen in Krisenzeiten geboren worden.“

Distanz schnell vergessen

Auch die Kreismusikschule Oberlahn hat auf digitalen Unterricht umgestellt. Zwar sei da erstmal eine Distanz gewesen, weil man nicht wie sonst nebeneinander saß, erzählt Kuno Wagner, aber die war schnell vergessen. Viel mehr erlebt er manchen Schüler von einer völlig neuen Seite, weil sie sich in ihren privaten Räumen viel wohler fühlen als in der Musikschule. „Für mich war das erstmal neu, da ich 40 Jahre face-to-face unterrichtet habe“, lacht der Gitarrenlehrer. Obwohl so ganz neu war es für ihn nicht, da er schon selbst digitalen Unterricht genommen, aber noch nie welchen gegeben hatte. Er erfährt viel Verständnis von Seiten der Eltern, die gar nicht damit gerechnet hatten, dass das musikalische Angebot aufrechterhalten wird. „Mit dem Unterricht unterbrechen wir den langweiligen Alltag“, ist sich Wagner sicher. Er unterstützt ebenfalls seine Kollegen bei der Umsetzung, damit die Qualität für die Musikschule für alle Schüler gleich ist.

Aber er hat auch gelernt, was nicht geht: „Zusammen spielen funktioniert nicht.“ Also nimmt er Audiofiles auf, die er seinen Schülern schickt und mit denen sie üben können. „Da gibt es keine Zeitverzögerung wie beim Video.“ Er selbst steckt jetzt noch mehr Zeit in die Vorbereitung. „Am Wochenende nehme ich die Audiofiles auf, damit ich Material für die kommende Woche habe“, so Wagner. Er sieht es teilweise als Segen, denn er nimmt sich mehr Zeit, alle lernen dadurch und er merkt an sich eine Entschleunigung.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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