Ein Feuerwerk der Narretei beim KV Niederhadamar

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Die KV Niederhadamar startete bei ihrer Kappensitzung ein Feuerwerk der Narretei. Mit Tanz, Sketchen und politischen Büttenreden vergingen viereinhalb Stunden wie im Flug. 

Ohne Pause jagte ein Programmpunkt den nächsten und nahm die Besucher in der Mehrzweckhalle der Glasfachschule mit auf einen bunten Ritt. Präsident Frank Opper begrüßte das Publikum, bevor er die Leitung an die Ministerpräsidentin übergab. Nach 13 Ministerpräsidenten steht dem Elferrat zum ersten Mal mit Ann-Kathrin Siegel eine junge Frau vor, die ihre Aufgaben sehr gut meisterte und locker durch die Sitzung führte.

Die Jungen und die Alten

Wie junge Menschen manchmal über die Welt denken oder ihre Eltern sprechen, zeigten Layla-Noreen Lachnit und Nils Kiesewetter vom Rauchclub amüsierten sich über die Unfähigkeit der Eltern, einen Laptop zum Laufen zu bringen, ärgerten sich über den Sicherheitswahn des Vaters, der ein cooles Fahrrad in einen beklebten Reflektor verwandelt oder schüttelten den Kopf über die Eltern, die aus Sicherheitsbedenken einen Ausflug in den Kletterpark absagten.
Wenn Jung und Alt aufeinander treffen, kann es zu komischen Situationen kommen. Das „F“ auf Frank Oppers 40 Jahre alter Schreibmaschine klemmt und gerne hätte er dies repariert. Aber der Händler (Matthias Dietz) war mit diesem Ansinnen schier überfordert. Fehlte doch das Kabel an dem „Ding“ sowie der Bildschirm, um zu sehen, was man schreibt. Urkomisch der Dialog der beiden, der den einen oder anderen zum Schmunzeln brachte. Und dann erzählte die Ministerpräsidentin noch, dass Frank Opper die Rolle nicht mal spielen musste. Ein Smartphone sei eine große Herausforderung für ihn.

Politischer Blick mit der Lupe aufs Weltgeschehen

Ein sehr genauen Blick auf das politische Geschehen in der Welt, in Deutschland und in Hadamar warfen die beiden Büttenredner Jürgen Fritsche (vom Rauchclub) sowie Lorena Lorkowski als Tilli. Wie es in Deutschland und der Welt aussah, arbeitete Fritsche mit feinen Spitzen auf. Manchmal zündeten sie direkt im Kopf, manchmal musste man einen Moment überlegen. Vom Bienensterben über die neusten Trends in der Ernährung, von der Politik im Inland bis hin zur Politik in der Welt nahm er die Geschehnisse mit spitzer Zunge auseinander. Der Moorbrand, der ganz Niedersachsen vernebelte wie auch die diversen Rücktrittsdrohungen von Seehofer strapazierten das Zwerchfell. Jede Pointe sitzt. Und am Ende stellte er fest, dass wir alle über Deutschland klagen, obwohl uns von außen alle beneiden.

Ähnliche Themen hatte Tilli verarbeitet. Trump, der Brexit und die Gelbwesten in Frankreich waren Thema. Aber auch Merkel nahm sie unter die Lupe. Merkel würde im Ausland gelobt, doch im Inland tut sie nur verwalten statt gestalten. Und so bleibt ein riesen Berg an ungelösten Problemen übrig wie Dieselkrise, Klima, Gerechtigkeit und sozialer Wohnungsbau. Die verspätete Bundesbahn, die No-Go-Areas in den Städten und der Missbrauchsskandal in der Kirche ließ sie nur den Kopf schütteln. In Hadamar steht Geld bereit, aber keine Idee, was damit zu tun sei. Ein „mehrwertstiftender Internetauftritt“ wäre ein Anfang, aber auch die Sicherheit am Abend. Die Parteien seien ihr viel zu still und die Bürger sollten eingebunden werden, damit Hadamar auch in Zukunft lohnenswert gut ist.

Tanz und Gesang

Zwischen den Beiträgen sorgten Tänze für einen Augenschmaus. Zu süß die Funkenminis, die mit ihren kleinen Beinchen über die Bühne fegten. Schön anzusehen die Funkenmariechen. Mit einer wichtigen Botschaft warteten die Salzkristalle aus Salz auf, die den Kampf der Bienen thematisierten. Al Bano (Christof Braun) und Romina Power (Achim Stanjek) feierten ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum nicht in Italien, sondern in Niederhadamar. Zum ersten Mal auf der Bühne waren die „Mannebacher Urgesteine“. Die „alten“ Damen zeigten, wie rüstig sie noch sind. Sie seien nicht die Gardemädchen der Zukunft, sondern die von gestern. Militärisch wurde es mit dem Elferratstanz und die Stimmung strebte ihrem Höhepunkt zu.

Pfarrer Andreas Fuchs outete sich als Katharina Kasper Fan. Er wies darauf hin, dass Katharina Kasper heilig gesprochen wurde und aus dem Westerwald kam. Dieses Jahr werde Pater Henkes selig gesprochen, der auch aus dem Westerwald kam. Und er sei übrigens auch im Westerwald geboren. Große Ambitionen, die Pfarrer Andreas Fuchs da hat. Auch das Prinzenpaar Prinz Peter II. und Prinzessin Karin I. von Limburg zu Nassau-Oranien besuchte die Narrenschar und warben für ihren Umzug am Faschingsdienstag sowie die DKMS.

Der absolute Höhepunkt der Sitzung war der Auftritt der Wambachlerchen aus Hundsangen. Sie entführten ins Reich der Ägypter und den Pyramidenbau. Dabei verknüpften sie in ihrer Geschichte jedoch auch Geschehnisse des vergangenen Jahres wie das Foto von Mesut Özil mit Präsident Erdogan, die Abwahl des Oberbürgermeisters in Hundsangen, Seehofer oder auch die Dauer des Baus der Elbtalphilharmonie. Dies garnierten sie immer wieder mit bekannten Melodien und eigenen Texten. Ihr Programmpunkt steuerte stark aufs Finale zu.
Es war ein rundum gelungener Abend und selbst der „Musiker“ konnte dies nicht trüben mit seinen falschen Einsätzen und unpassenden Tuschs. Irgendwann war es nur noch zum Lachen und man ertappte sich dabei, darauf zu warten, dass er wieder falsch dazwischen fuhr. Selbst die Ministerpräsidentin meinte irgendwann, dass sie den Tusch nicht mehr hören könne. Anbei noch ein paar Impressionen vom Abend.

 



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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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