Energiesparen gegen Putin

Der Krieg in der Ukraine beschäftigt uns sehr. Zum einen sind wir mit den Gedanken bei den Menschen vor Ort, sammeln Spenden und versuchen zu helfen. Zum anderen wird uns die Abhängigkeit von Russland in Sachen Gas, Öl und Energie deutlich bewusst mit Blick auf verschiedene Preise.

Daher richtet sich der Fokus wieder auf die Frage, wie in Deutschland eine Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann, ohne sich von anderen Staaten abhängig zu machen. Und in uns wächst der Wunsch, Putin in seinem Krieg nicht zu unterstützen. Mit dem Sparen von Energie kann jeder selbst etwas machen und am Ende kommt es auch dem Klima zugute.

Sichere Energieversorgung vor Ort

Ist die Energieversorgung vor Ort gesichert? Dies ist auch Thema hier in der Region. Erdgaskunden fragen vermehrt bei ihrem Energieversorger nach, ob die Erdgasversorgung gesichert ist. Auf ihrer Seite antwortet die Energieversorgung Limburg (EVL) auf diese Frage: „Es muss sich aktuell niemand Sorgen machen, dass demnächst kein Strom mehr aus den Leitungen kommt.“ Stand heute gebe es auf die Energieversorgung in Limburg keine direkten Auswirkungen. Die Situation unterstreicht jedoch, dass sich auch lokale Player Gedanken machen sollten, wie eine Energiewende vor Ort möglich ist und wie regional Energie gewonnen werden kann (Quelle Internetseite EVL)

Darauf machte Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) am Rande eines Ortstermines aufmerksam. Der Strom werde teurer, so Hahn. „Auch dies ist ein Grund, Strom regional zu produzieren. Wir müssen dringen unabhängig werden“, so der Bürgermeister mit Blick auf die aktuellen Bestrebungen, einen Solarpark entlang der Autobahn zu realisieren. Doch auch wenn sich der Fokus darauf richtet, den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben, wird dies einige Zeit brauchen. Es stellt sich daher auch die Frage, was jeder selbst tun kann, um der Situation zu begegnen. Und da lautet die Antwort – Sparen!

5 Tipps zum Sparen

Auf verschiedenen Ebenen sind Einsparungen möglich. Einmal bei uns zu Hause, aber auch im Bereich Verkehr. Damit wirkt sich der Krieg in der Ukraine mit all seinen Auswirkungen nicht ganz so gravierend auf den Geldbeutel aus und am Ende ist dies auch gut für das Klima. Es gibt etliche verhaltensbedingte Maßnahmen, die weniger Strom, Gas und Öl verbrauchen. Zudem ist es ebenfalls eine Möglichkeit, den Krieg nicht zu unterstützen, wie Wirtschaftsminister Robert Habeck äußerte: “Wenn man Putin ein bisschen schaden will, dann spart man Energie.”

  • Umrüstung auf energiesparende Geräte
  • Heizung 1 Grad runterdrehen
  • Fahrrad nehmen oder zu Fuß gehen
  • Ans Tempolimit im Verkehr halten
  • Einsparungen auch effektiv nutzen

1 Umrüstung auf energiesparende Geräte

Ein 3-Personen-Haushalt verbraucht im Schnitt 3.500 kWh Strom im Jahr. Durch den Austausch alter Haushaltsgeräte gegen energiesparende Geräte lässt sich dieser Verbrauch stark reduzieren. Nach 10 oder mehr Jahren sind die neuen Geräte energieeffizienter als die älteren, die noch zu Hause im Gebrauch sind. Ein Tausch dieser Geräte hat viel Potential zum einsparen. Eine  gute Übersicht zu energiesparenden Haushaltsgeräten bietet Energieland Hessen.

2 Heizung ein Grad runterdrehen

Indem die Heizung heruntergedreht wird, lässt sich der Verbrauch von Energie senken. Bereits ein Grad weniger vermindert den Verbrauch um sechs Prozent. Es geht nicht darum, die Heizung komplett auszuschalten. Aber bereits ein Grad weniger bringt viel und ist kaum zu spüren. Das Bad muss nicht den ganzen Tag geheizt werden, wenn man sowieso nicht zu Hause ist. Würde die Heizung in den Zimmern, in denen man sich nicht den ganzen Tag aufhält, heruntergedreht werden, ließe sich sechs Prozent des Energiebedarfes der Haushalte einsparen (Quelle Utopia)

3 Fahrrad nehmen oder zu Fuß gehen

Die Benzinpreise haben eine Steigerung in den letzten Wochen erfahren und scheinen noch nicht am Ende angelangt zu sein. Das führt zu viel stöhnen bei den Autofahrern. Es wäre jetzt eine Chance, die Verkehrswende voranzutreiben und bewusster das Auto zu nutzen. Braucht es für jede Strecke das Auto oder kann man das Fahrrad nehmen oder zu Fuß gehen? Es ist eine Chance, dies zu hinterfragen. Während der ersten Ölkrise 1973 reagierte West-Deutschland mit der Verhängung von vier autofreien Sonntagen. Nur in Notfällen durfte das Auto genutzt werden. Bis heute gibt es in den Kommunen immer wieder jährliche Initiativen für autofreie Tage. Aber man könnte dies auch mal bewusst für sich selbst umsetzen.

4 Tempolimit im Verkehr

Ein Tempolimit würde immens viel bringen und ließe sich schnell umsetzen. Doch bisher sind diese Vorstöße immer wieder gescheitert, weil eine politische Mehrheit dafür fehlte. Die Deutsche Umwelthilfe geht davon aus, dass ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 30 km/h in den Städten jährlich zu Einsparungen von 3,7 Milliarden Liter Benzin und Diesel führen. Zudem könnten bis zu sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Aber auch, wenn es bisher noch keine flächendeckenden Tempolimits gibt, kann jeder für sich persönlich sich an die vorgegeben Tempolimits halten. Je schneller man unterwegs ist, umso mehr Sprit wird dabei verbraucht. Und je achtsamer der Autofahrende unterwegs ist, umso spritsparender.

5 Einsparungen effektiv nutzen

Ganz wichtig bei allen Einzelmaßnahmen ist es, diese Einsparungen auch effektiv zu nutzen. Dies bedeutet, dass die Menschen nicht mehr Lampen anschalten in dem Bewusstsein, dass sie mit den LED-Lampen weniger Energie verbrauchen. Oder dass sie sich mehr energiesparende Geräte anschaffen, weil sie weniger Energie verbrauchen. Es sind die kleinen Dinge, welche in ihrer Gesamtheit einiges bewirken können.

Gegen Putin, für das Klima

Es gibt einige Dinge, die die Menschen jetzt machen können, in dem Bewusstsein, Putins Krieg nicht zu unterstützen und die aktuelle Energiekrise zu meisten. 55 Prozent des Erdgases, welches in Deutschland verbraucht wird, stammt aus Russland. Bei Erdöl ist es ein Drittel und bei Steinkohle die Hälfte. Russlands Einnahmen aus dem Export von Gas, Kohle und Öl alleine aus den EU-Ländern beliefen sich 2020 auf umgerechnet 67 Milliarden US-Dollar, während die Militärausgaben 61,7 Milliarden betrugen. Der Staatshaushalt wird zu einem Drittel aus den Energie-Einnahmen bestritten (Quelle Klimareporter)

Und so ist dies vielleicht das einzig Gute an diesem Krieg, dass wir uns bewusster werden über unsere Energieabhängigkeiten und das die Prozesse, uns unabhängig davon werden zu lassen, schneller realisiert werden. Es findet dadurch eventuell eine Wende in den Köpfen statt, die dann langfristig auch dem Klimaschutz zu gute kommen.

 

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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