Equal Pay Day- Richtige Richtung, aber noch nicht genug

Am 7.März ist der Equal Pay Day, welcher auf die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen aufmerksam macht. Am 8.März ist der internationale Frauentag. Zwei Tage, um auf die Belange der Frauen in der Berufswelt und im persönlichen Bereich aufmerksam zu machen.

In der Region setzen sich verschiedene Frauen für das Thema ein. Als Frauenbeauftragte sind Ute Jungmann-Hauf in der Kreisverwaltung sowie Carmen von Fischke in der Stadtverwaltung bei Personalentscheidungen mit dabei, ermutigen Frauen für den beruflichen Aufstieg und bieten Workshops speziell für Frauen an. Neben diesen internen Aufgaben engagieren sie sich ebenfalls im Landkreis und organisieren Veranstaltungen zum Frauentag, zum Girls Day, zu Nein zu Gewalt an Frauen und organisieren das Frauenforum.

Gerechte Aufteilung von Sorgearbeit

Ute Jungmann-Hauff wünscht sich eine gerechte Aufteilung von Sorgearbeit und Arbeit zwischen den Geschlechtern, ein ausreichendes Einkommen um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Gerade für Alleinerziehende ist ein Auskommen oft sehr schwierig. Zudem wünscht sie sich mehr politischen Aktionismus um Altersarmut abzubauen.

Am 15. April 2008 (vor 14 Jahren) wurde der erste Equal Pay Day in Deutschland begangen. Damals lag der Gender Pay Gap noch bei 22 Prozent, inzwischen liegen wir vier Prozent darunter: 18 Prozent Lohnlücke. “Es geht in die richtige Richtung und immer wieder hören wir gute Nachrichten: Unternehmen, die Equal Pay durchsetzen, Frauen, die Gehaltsverhandlungen gewinnen, Mitarbeiter*innen die Lohntransparenz einfordern”, so Jungmann-Hauff, “Deshalb ist es wichtig darüber zu berichten.”

Es sind verschiedene Ebenen, auf denen Veränderungen geschehen können. Die Fakten sind unstrittig, so die Leiterin des Kreisfrauenbüros. 70 Prozent der Beschäftigten im Niedriglohnsektor sind Frauen. Sie arbeiten in schlechter bezahlten Jobs, in in Teilzeit und Minijobs. Zudem kommt nach der Elternzeit häufig der Karriereknick. Alles Ebenen, auf denen man etwas ändern kann. 

“Das Bundeskabinett hat am 23. Februar 2022 den Entwurf eines Gesetzes zur Erhöhung des Schutzes durch den gesetzlichen Mindestlohn und zu Änderungen im Bereich der geringfügigen Beschäftigung beschlossen und Anhebung des Lohngefüges im Niedriglohnsektor. Das ist gut so, jetzt muss noch der Bundestag zustimmen”, so Jungmann-Hauff, “Wir brauchen höhere tarifliche Bezahlung für Jobs in der Kranken-Pflege, Alten-Pflege und Kita-Personal.”

Wunsch nach Geschlechtergerechtigkeit

Carmen von Fischke, Frauenbeauftragte der Stadt Limburg, hat einen Wunsch – Geschlechtergerechtigkeit. “Unser gemeinsames Ziel muss sein, Chancengleichheit und gleichwertige Anerkennung von Frauen und Männern in Beruf und Familie, in Gesellschaft, politisch, in der Wirtschaft und der Kultur”, so von Fischke, “Die ist im Artikel 3 des Grundgesetzes verankert, wir müssen es eigentlich nur so leben.”

In ihren Augen führt die Lohnungleichheit insbesondere für Frauen dazu, dass sie nicht nur monatlich weniger Geld verdienen als Männer, sondern das sich dieses auch unmittelbar negativ auf spätere Rentenzahlungen auswirken. Altersarmut ist weiblich. Auch heute ist das nach wie vor Realität. Dabei sind die Gründe für die Lohnlücken sehr vielschichtig. Frauen wählen oftmals andere Berufe als Männer. Sie arbeiten häufiger in sozialen Berufen, die schlechter bezahlt werden als technische Berufe. Deshalb ist es so wichtig, Mädchen und junge Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu interessieren, so die Frauenbeauftragte weiter.

“Meines Erachtens ist es genauso wichtig, dass Frauen und Männer sich solidarisieren, damit die Berufs- und Care Arbeit gerecht untereinander aufgeteilt wird”, so von Fischke weiter, “Zudem sollten technische Berufe für Frauen attraktiver und vereinbarer gestaltet werden.” Als Beispiel führt sie die Coronazeit an. Das Homeoffice habe einen größeren Stellenwert auch für Männer bekommen. Dies könne zukünftig auch für Frauen attraktiv sein, um in technischen Berufen Fuß zu fassen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu gestalten.

Leitfaden zur Stärkung der Frauen

Vor kurzem erschien die neue Ausgabe des „Leitfaden zur beruflichen Orientierung und Bildung für Frauen“ vom Landkreis Limburg-Weilburg. Damit gibt das Frauenbüro des Landkreises einen beruflichen Ratgeber für Frauen heraus.

„In einem umfassenden Überblick stellen Bildungsträger und Beratungsstellen ihre Seminare zur beruflichen Aus- und Weiterbildung vor und geben Hinweise zu beruflich relevanten Fragestellungen“, erläuterte Landrat Köberle. Der Landrat lobte den Leitfaden als ein gelungenes Nachschlagewerk, das zu mehr Transparenz bei der Fülle von angebotenen Seminaren, Umschulungs- und Ausbildungsangeboten führe. Viele Frauen nehmen sich zugunsten der Familie eine Auszeit vom Berufsleben. Sobald der Wunsch nach einer Rückkehr in eine Erwerbstätigkeit kommt, stellen sich viele Fragen: „Wer betreut die Kinder?“ „Wie viel habe ich in den vergangenen Jahren verpasst?“ „Welche Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung habe ich?“

„Um den Frauen Entscheidungen zu erleichtern und durchaus auch, um neue Perspektiven aufzuzeigen, haben wir diesen Leitfaden entwickelt. Wir aktualisieren ihn jedes Jahr“, so Landrat Michael Köberle weiter.
Die Bildungseinrichtungen aus dem Landkreis präsentieren sich für das Jahr 2022 mit 26 Kurs- und Seminarangeboten in den Bereichen Aus- und Weiterbildung sowie Umschulung. Der Leitfaden enthält wichtige Informationen über Weiterbildungsmöglichkeiten, Beratungsstellen, Existenzgründung, über Informationsveranstaltungen für Frauen und über Kinderbetreuungsmöglichkeiten im Landkreis.

Antworten auf viele Fragen

Darüber hinaus gibt es Informationen zu den Themen Mobbing sowie Burnout und über Minijobs. Die Erwerbstätigkeit gehört heute selbstverständlich zur Lebensplanung von Frauen dazu. Nach einer Familienphase streben viele Frauen in den Beruf zurück. Bei der Suche nach einem passenden Arbeitsplatz sind aber viele Fragen zu klären. „Eine Fülle von Angeboten und Tipps bietet der neue Leitfaden“, so die Leiterin des Frauenbüros, Ute Jungmann-Hauff.

Ute Jungmann-Hauff verspricht ein sehr interessantes Bildungsangebot in Form von Seminaren und Lehrgängen. Zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie informiert der Leitfaden über die Kinderbetreuungsmöglichkeiten im Landkreis. Auch die Bildungseinrichtungen, Beratungsstellen sowie Behörden und Institutionen begrüßen die neue Ausgabe des Leitfadens ausdrücklich, erläuterte die Leiterin des Frauenbüros. Für sie sei die Schrift ein brauchbares Informationshandbuch und ein gutes Vernetzungsinstrument. In einer Auflage von 1000 Exemplaren wird der Leitfaden in allen Rathäusern der Gemeinden und Städte, in den Servicebüros der Kreisverwaltung in Limburg und Weilburg sowie bei den Bildungsträgern kostenlos ausliegen.

Die Broschüre ist in den Rathäusern der Landkreis-Kommunen sowie in den Servicebüros der Kreishäuser in Limburg und Weilburg kostenlos erhältlich. Auf der Homepage der Kreisverwaltung kann digital zugegriffen werden. Den Leitfaden findet ihr auf der Homepage des Landkreises

Heute und morgen stehen im Zeichen der Frauen und mehr zum Thema findet ihr hier: Equal Pay Day und Frauentag- Den Frauen eine Stimme geben

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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