Erdfälle in Schupbach – wer haftet, wenn etwas passiert?

Während ein Landwirt immer wieder Erdfälle auf seinem Land in Schupbach registriert, sind dem Land Hessen keine Erdfälle in dem Bereich bekannt. Bei einem Ortstermin erörterte die Bürgerinitiative Hengen zusammen mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Tobias Eckert die Thematik.

Warum kommt es immer wieder zu Erdfällen auf dem Land vom Ortslandwirt Andreas Müller? Eine Erklärung für die BI Hengen ist der Altbergbau. Die Gemarkung habe mit die höchste Dichte an alten Schächten. Durch das Regierungspräsidium Gießen seien 84 Schächte erfasst. Doch die BI glaubt, dass es noch mehr sind. Darauf weisen Erzählungen der älteren Bevölkerung hin. Und wenn es jetzt zu Erdfällen kommt, wenn der Landwirt die Fläche oberflächlich bearbeitet, was passiert dann erst, wenn 400 Meter weiter der geplante Kalksteinbruch realisiert wird und es zu mehreren Sprengungen die Woche kommt? Zumal unter dem Feld eine Gaspipeline verlegt ist. Welche Gefahren stecken dann dahinter?

Dies bewegt die Bürgerinitiative, die aus diesem Grunde ein neutrales Gutachten durch das RP Gießen einfordern. Hinzu kommt, dass sie mit den diesjährigen Erdfällen den offiziellen Weg der Meldung gegangen sind und nun mehr Fragen haben als vorher. Da geht es zum einen um die Frage, wer dafür haftet, wenn etwas passiert. Zum anderen geht es um die Frage, wie sich innerhalb von zwei Monaten die Meinung des RP ändern konnte zur Beurteilung der Gefahr dieser Erdfälle. Doch was ist passiert?

Regelmäßige Erdfälle

Der Ortslandwirt Andreas Müller kennt Erdfälle auf seinem Acker. Seit 1953/54 ist die Fläche im Familien-Eigentum und wird bewirtschaftet. 1976 kam eine erste Erdgas-Pipeline mit 60 Zentimeter Durchmesser. 2007 wurde parallel eine Leitung mit einem Meter Durchmesser verlegt. Anhand gelber Pfosten ist der Verlauf der Leitung zu erkennen. Bereits 1976, nach der ersten Verlegung, gab es Absackungen, wie es sein Großvater und Vater berichteten. Im Laufe der nächsten Jahre kam es immer wieder zu Absackungen und diese wurden dann wieder verfüllt. Im letzten Jahr habe er einen größeren Bereich aufgegraben. Dieser war sehr weich. Das Problem beseitigten sie mit einer Verfüllung. „Ich habe damals noch keinen Gedanken an Altbergbau verschwendet“, erinnert sich Müller, „aber man kommt irgendwann ins Grübeln.“ Durch die Aktivitäten der Bürgerinitiative sei ihm aber bewusst geworden, dass es da einen Zusammenhang geben könnte.

Nun habe er in diesem Jahr wieder Löcher im Boden, die oberflächlich betrachtet nicht sehr groß wirken. Doch beim Aufbuddeln ist zu sehen, wie groß diese Löcher eigentlich sind. Am 14. Februar meldete er den ersten Erdfall an die Gemeinde Beselich, welche die Meldung an das RP weitergab. Im März stufte das RP den Erdfall als hohes Gefahrenpotential ein aufgrund der Nähe zur Gaspipeline sowie einem bekannten Altbergbaufeld.

BI Hengen Altbergbau
Ortslandwirt Andreas Müller (v.li) zeigt Tobias Eckert und Michael Jahn den Erdfall im Feld

Wer ist Rechtsnachfolger?

Die Suche nach einem Rechtsnachfolger erwies sich als schwierig durch Konzernumstrukturierungen. Inzwischen sei wohl ein Rechtsnachfolger bekannt, aber der wird dem Eigentümer gegenüber geheim gehalten. Das RP verweist inzwischen wieder an die Gemeinde, da diese für das Thema Gefahrenabwehr zuständig ist. „Das RP hat gesucht, gemacht und war bemüht, aber ist scheinbar nicht weitergekommen“, so Müller. Die Gemeinde ist sich einer Gefahr wohl auch nicht bewusst, denn in der letzten Gemeindevertretersitzung hieß es, mit „einem Karren Schutt ins Loch reingefahren“ sei das Thema erledigt, berichtet Oliver Christ von der BI Hengen. Am 18. Mai kam es zu einem zweiten Erdfall und es fand wieder eine Meldung an das RP statt. Dieses Mal hieß es vom RP, es halte den Altbergbau als Ursache für den Erdfall für unwahrscheinlich. Der Bürgerinitiative erschließt sich jedoch nicht, wie es plötzlich zu der Änderung der Meinung kommen konnte.

Für den SPD-Landtagsabgeordneten Tobias Eckert ist dies nicht nur ein spezifisches Schupbacher Thema. Die gesamte Oberlahn-Region war Bergbauregion und es steht die Frage im Raum, wie damit zukünftig umgehen. Daher findet er es gut, dass mit den Meldungen an das RP und dem Dranbleiben am Thema eine Sensibilisierung stattfinden. Dies ist wichtig für die Beantwortung zukünftiger Fragestellungen. Dabei geht es auch darum, ob die bestehenden Prozesse funktionieren oder ob diese nachgebessert werden müssen. Neben dem Aufmerksam machen durch örtliche Gruppen hat er die Möglichkeit, durch kleine Anfragen an die Landesregierung dieses Thema immer wieder anzugehen und somit aufzuzeigen, dass es überhaupt ein Thema ist.

Fonds für die Zukunft

Auf eine Anfrage erhielt er die Antwort, dass es seit 1974 nur 147 registrierte Fälle von Absenkungen gegeben habe. „Ohne Fälle gibt es kein Problem“, so Eckert. Daher sei es wichtig, diese zu melden, damit die Verwaltungsstrukturen darauf reagieren können. Nur durch das Bekanntwerden dieser Fälle könnte man schauen, wie die Entwicklung sei und was dies für ein Gebiet bedeutet. Und es ist eine Möglichkeit zu schauen, ob die rechtlichen Rahmenbedingungen in Hessen ausreichen. Was geschieht denn, wenn wirklich etwas passiert? Wer wird dafür haftbar gemacht und kommt für die Schäden auf? Alles Fragen, die abschließend noch nicht geklärt seien.

Daher war dies auch Thema auf der Unterbezirkskonferenz der SPD Limburg-Weilburg. Michael Jahn, SPD-Ortsverein Beselich, brachte den Antrag zum Aufbau eines zentralen Risikomanagements für den Altbergbau in Hessen ein. Dieser soll in das Wahlprogramm der SPD für die nächste hessische Landtagswahl aufgenommen werden. Ziel des Antrages sei es, Tagesbruchereignisse mit Personen- und Sachschäden zu vermeiden und für die Menschen Sicherheit vor den Gefahren aus verlassenen Bergbaustollen zu gewährleisten. Zudem soll das Haftungsrisiko von Grundstückseigentümern für Altbergbauschäden durch die Einrichtung eines Fonds im Land Hessen ausgeschlossen werden. Der Antrag wurde einstimmig angenommen, da Altbergbau nicht nur in Beselich ein Thema ist, sondern im gesamten Landkreis alte und zum Teil noch unbekannte Stollen existieren.

Neutrales Gutachten gefordert

Oliver Christ und Ernst Jäger von der BI informierten zudem darüber, dass die BI ein geophysikalisches Gutachten in Auftrag gegeben hat. „Die Ergebnisse zeigen im Bereich der Pipeline einen zerklüfteten Untergrund, der die Vergangenheit des oberflächennahen Altbergbaus im Bereich der Erdgaspipeline nachweist“, so die Erkenntnisse des Gutachtens. Die Bürgerinitiative fordert vom RP, ein neutrales Gutachten zu erstellen, um den Untergrund rund um Schupbach in allen bekannten Bergbaufeldern untersucht. Ein neutrales Gutachten ist der BI wichtig, da alle Beteiligten an dem Verfahren eigene Interessen haben und diese sollen das Gutachten nicht beeinflussen. Ziel ist es, eine Gefährdung der Bevölkerung auszuschließen. Zudem wünschen sie sich eine klare Kommunikation mit allen Beteiligten und eine Aussage, welche Schritte zur Gefahrenabwehr vom wem veranlasst werden.

Mitte Mai habe ich bereits über die Bürgerinitiative geschrieben, welche neutrale Gutachten fordern und sich wünschen, dass die einzelnen Themen mit ihren Wechselbeziehungen betrachtet werden. Den Artikel findet ihr hier.

Auf den Plänen sind mögliche Schächte des Altbergbaus eingezeichnet

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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