Erste-Hilfe-Kurs: „Es geht um Leben“

Im Dezember veröffentlichte eine Pressemitteilung, dass Autofahrer regelmäßig einen Erste-Hilfe-Kurs machen sollten. Dabei fiel mir auf, dass meiner auch schon einige Jahre her ist. Ich meinte, dies sei ein guter Vorsatz fürs neue Jahr, eine Leserin schloss sich diesem Vorsatz an und Anfang Juli waren wir beim DRK Kreisverband Limburg zu unserem Erste-Hilfe-Kurs.

Der Präventionsbeauftragte des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) und Regionsvorsitzende Lahn-Dill des Auto-Clubs Europa warb zusammen mit den Hilfsorganisationen im Dezember für eine Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse. Der Kurs umfasst neun Unterrichtseinheiten und die Kosten betragen 48 Euro. Unser Kurs fand an einem Samstag von 8 bis 16 Uhr statt. Helmut Stern leitete diesen – an dieser Stelle vielen Dank für den vergnüglichen Kurs. Wir waren insgesamt 17 Teilnehmer. Wir beide sind uns einig, diesmal lassen wir nicht mehr so viele Jahre vergehen, bis wir den Kurs wiederholen.

Nicht für andere, für Euch

Jeder, der seinen Führerschein macht, muss einen Erste-Hilfe-Kurs machen. Je nach Berufsgenossenschaft ist dies auch im späteren Berufsleben nochmal enthalten. Doch Helmut Stern machte direkt zu Beginn klar: „Ihr macht das hier nicht für den Führerschein oder für den Chef. Ihr macht es für euer Leben.“ Denn den einzigen Fehler, denn wir bei der ersten Hilfe machen können, ist wegzuschauen und nichts zu tun. Ansonsten gilt, auf den Eigenschutz zu achten, eine Unfallstelle abzusichern, Basismaßnahmen vorzunehmen und den Notruf abzusetzen. Und was immer wieder wichtig ist- Ruhe bewahren! Denn wenn wir Ruhe bewahren, strahlen wir diese auch aus.

Es gab viel Wissenswertes an die Hand. Überprüft ihr regelmäßig euren Verbandskasten im Auto? Dieser kann nämlich ablaufen. Und seit diesem Jahr müssen im Verbandskasten zwei FFP2-Masken sowie zwei Feuchttücher enthalten sein. Oder habt ihr Warnwesten im Auto griffparat? Eine ist in Deutschland vorgeschrieben, aber wie Helmut Stern sagt: „Eine ist keine.“ Die Urlaubszeit steht bevor, daher ein wichtiger Tipp: Erkundigt euch vorher, wie die Regelungen im Ausland sind. In Deutschland ist eine Warnweste ausreichend, in anderen Ländern braucht ihr pro Sitz eine Warnweste. Manche Länder schreiben sogar die Farbe der Warnwesten vor. Weiterhin ist in Deutschland ein Warndreieck vorgesehen, in Spanien jedoch zwei.

Hinweisschild auf Wald- und Feldwegen

Rettungsgasse ist nicht so schwer

Auch wenn das Thema ernst war, schaffte Helmut Stern es, dieses anschaulich und locker zu vermitteln. Auch ließ er kleine Anekdoten mit einfließen, die Einblicke in die Realität gaben. Und wir konnten jede Frage fragen, erhielten auf alles eine Antwort. Er könne nicht verstehen, wo das Problem sei, eine Rettungsgasse zu bilden. Diese werden inzwischen alle gefilmt und Verstöße zur Anzeige gebracht. Er gab zwei Gedanken mit auf den Weg. Zum einen möchte jeder schnell geholfen bekommen, wenn ihm selbst etwas passiert. Zum anderen dauert es umso länger, wenn die Rettungskräfte nicht zum Einsatzort kommen. „Dies sollten sich die Verkehrsteilnehmer auch mal bewusst machen“, so Stern, „solange wir nicht aufgeräumt haben, geht es nicht weiter.“

Natürlich gab es nicht nur die trockene Theorie. Wir durften auch selbst ran. Üben der stabilen Seitenlage, seit langem Mal wieder Herz-Wiederbelebungsmaßnahmen mit Mund-zu-Mund Beatmung bei „Johann“, der Puppe, Fahrradhelm abnehmen und Verbände anlegen.

Praktische Übungen

Auch wenn es immer mal wieder heißt, es reiche, wenn Herzdruckmassage ausgeführt werde und Beatmung nicht so wichtig sei. Davon riet er dringend ab. „Bitte, bitte macht das nicht“, so Stern, „Die Gefahr eines Sauerstoffmangels ist zu groß.“ Wir haben in Deutschland nicht die amerikanischen Verhältnisse, wo innerhalb von fünf Minuten Hilfe da ist. Die Hilfsfrist im Landkreis beträgt zehn Minuten. Und auch die Bundesärztekommission hat dies für die Ausbildung nicht rausgenommen, es gehört weiterhin zu den Unterrichtseinheiten.
Und dann durften wir selbst ran. Auch wenn uns der Ausbilder versicherte, dass wir in einer realen Situation so voller Adrenalin sind und die Wiederbelebungsmaßnahmen eine Weile durchhalten können, so merkte ich es hier in der Übungssituation doch recht schnell in den Oberschenkeln und den Händen. Doch wenn es ums Leben geht, kämen wir nicht dazu, darüber nachzudenken. Auch nahm er die Angst, dass Helfer gerichtlich belangt werden, wenn etwas schief geht. Solange niemand mutwillig handelt, steht der Gesetzgeber hinter dem Ersthelfer.

Helmut Stern zeigt, wie das Dreieckstuch gefaltet wird

Sicher habt ihr schon gehört, dass man bei der Herzdruckmassage „Staying alive“ mitsummen kann, dann hat man den richtigen Rhythmus drauf. Doch wie lange müsst ihr dies machen? Wann dürft ihr aufhören? Darf ich jemanden ein Medikament geben? Wie verhalte ich mich bei Verbrennungen? Wie verhalte ich mich bei einem abgetrennten Fingerglied oder wie bei einem Fremdkörper im Auge? Oder wie bediene ich einen AED-Defibrillator? Warum ist das eine Verbandsmaterial in Papier und das andere in Plastik eingepackt? Ihr könnt diese Fragen nicht alle beantworten? Dann bucht euch einen Termin beim nächsten freien Erste-Hilfe-Kurs.

Helmut Stern empfiehlt, den Kurs alle zwei Jahre zu machen. Die Inhalte bleiben dabei die gleichen, mit eventuell leichten Abwandlungen nach dem aktuell gültigen Maßnahmen. Und auch wenn die Theorie dann noch etwas sitzt, so vertieft sich mit jedem Kurs die praktische Anwendung. Und dies kommt euch am Ende zu gute, wenn es mal ernst wird und ihr Erste Hilfe leisten müsst.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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