Es ruckelt, knirscht und kracht – Meine Erfahrung als Mime bei einem Verkehrsunfall

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Manchmal sollte man mit seinen Wünschen vorsichtig sein, denn sie könnten sehr schnell in Erfüllung gehen. Diese Erfahrung machte ich am Samstag und gerne möchte ich euch daran teilhaben lassen.

Samstag morgen 8 Uhr war ich bei der Freiwilligen Feuerwehr Elz, wo der letzte Tag des Lehrgangs „Technische Hilfestellung – Unfallhilfe“ lief. Ich wollte darüber berichten, wie die Einsatzkräfte lernen, was bei einem Verkehrsunfall zu beachten ist. Wie wird das Auto gesichert, die Insassen stabilisiert und anschließend geborgen. Den Bericht und Fotos finden ihr unter „Gut ausgebildete Feuerwehr“. Ich äußerte den Wunsch, mal Mime sein zu dürfen und eine solche Rettungsaktion von innen aus dem Auto heraus erleben zu können. Dass mein Wunsch so schnell in Erfüllung geht, habe ich nicht gedacht, denn bereits am Nachmittag gegen 16 Uhr saß ich in einem Auto und wartet auf meine Rettung.

Szenario – Mit dem Auto gegen den Baum

Das Szenario war folgendes: Wir waren zu dritt im Auto unterwegs und sind gegen einen Baum gefahren. Eine Mitfahrerin wurde aus dem Fenster geschleudert. Meine Beifahrerin und ich hatten Schnittwunden. Damit die Einsatzkräfte, welche uns zur Hilfe kamen, sich dieses Szenario nicht nur vorstellen mussten, wurden uns die Wunden täuschend echt auf den Körper modelliert und durch Kunstblut sahen sie sehr real aus. Die Türen des Autos ließen sich nicht mehr öffnen. Alarmiert wurde der 2. Katastrophenschutzzug Limburg-Weilburg mit den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehren Elz und Niederzeuzheim sowie die Malteser.

Was passiert um einen herum?

Wir sahen die Einsatzkräfte ankommen, ein geschäftiges Wuseln begann, es ruckelte am Auto. Schnell waren auch am Fenster Einsatzkräfte, die nach unserem Befinden fragten, wissen wollten, was passiert sei. Ein wenig fehlte zu Beginn die Erklärung, was unternommen wird, denn ohne etwas zu sehen, spürten wir nur, dass sie am Auto dran waren. Dieses wurde gesichert, weil es schief im Graben hing. Die Sicherung war wichtig, damit es nicht wegrutschte. Ich saß in diesem Auto, hatte nicht viel Platz zum Bewegen und um einen herum knirscht und kracht es. Mit einer Decke wurden wir vor Splittern geschützt, als die Feuerwehrmänner die Türen mit der Hydraulik öffneten. Nur die Geräusche waren zu hören. Dies kann schon beängstigend sein, auch wenn ich wusste, dass es eine Übung ist. Hinter uns hat saß ein Feuerwehrmann, dem Zugang über den Kofferraum verschafft wurde, der uns erklärte, was passierte und uns dadurch beruhigte. Auch dies wird regelmäßig geübt. Den Einsatzkräften ist bewusst, dass die Insassen verängstigt sind, sie nicht unbedingt wissen, was da gerade passiert und dies zu noch mehr Angst führen kann. Daher gibt es immer einen, der bei den Insassen im Auto ist und mit ihnen spricht.

Nachdem die Feuerwehrleute die Seite aufgeschnitten haben, konnten die Malteser mich versorgen. Ich hatte noch nie eine Halskrause gehabt, so dass dies ein wehr komische Gefühl war. Und mit vereinten Kräften holten sie mich dann aus dem Auto und legten mich auf eine Trage. Da blieb mir nur der Blick in den Himmel, während gefühlt hunderte Menschen über mir hingen. Okay, ganz so viele waren es nicht, aber doch einige. Noch fest eingehüllt, bevor mein Part zu Ende war und ich einen Blick auf das Auto werfen konnte, indem ich bis vor wenigen Minuten noch drin saß.

Das Miteinander üben

Die Aufgaben zwischen Feuerwehr wie auch Rettungsdiensten sind klar verteilt. Dennoch sind solche gemeinsamen Übungen sehr wichtig. Es geht nicht nur darum, Hand in Hand zu arbeiten. Während die Feuerwehr um die Sicherung, Stabilisierung und Bergung bemüht ist, liegt die Versorgung der Patienten bei den Rettungsdiensten. Es lässt sich jedoch für alle Beteiligten leichter Agieren, wenn sie wissen, wie viel Zeit einzelne Schritte in Anspruch nehmen. Sie bekommen ein Gefühl dafür, was jeweils die anderen machen, warum sie es machen und wann ihr Einsatz kommt. Nur durch das Üben dieses Miteinanders ist auch im Ernstfall garantiert, dass alles reibungslos abläuft.

Mir kam die Zeit wahnsinnig lang im Auto vor. Um einen herum geschäftiges Treiben, aber ich wusste nicht wirklich, was mit mir passiert. Dabei ist man machtlos, weil man selbst nichts tun kann. Es war auf alle Fälle eine interessante Erfahrung. Zwischendurch dachte ich zwar: „Worauf hast du dich da wieder eingelassen?“ Aber es zeigte mir mal aus einem anderen Blickwinkel, wie effektiv Feuerwehr und Rettungsdienste zusammenarbeiten.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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