FDP sieht Gefahren durch den Wolf

Das Thema Wolf interessiert nicht nur die CDU im Landkreis Limburg-Weilburg. Auch die FDP möchte genauer wissen, wie Hessen auf die dynamische Ausbreitung des Wolfes reagieren möchte. 

Ende Juni beschäftigte sich die CDU Limburg-Weilburg ausführlicher mit dem Thema Wolf und lud zu einem Informationsabend ein. Bereits zuvor gab es eine gemeinsame Anfrage mit der SPD an die Kreisverwaltung, ob diese auf das Thema vorbereitet sei. Nun stellte die heimische FDP-Landtagsabgeordnete Marion Schardt-Sauer einige Fragen an die hessische Landesregierung. Sie möchte mit ihren Fragen dazu beitragen, die vorhandene Verunsicherung abzumildern, Klarheit in die aktuelle Lage zu bringen und Lösungen für wichtige, teilweise existenzielle Themen herbeizuführen.

Konflikte durch den Wolf

Der Wolf breitet sich in Deutschland aus und auch in Hessen nehmen die Sichtungen zu. Damit steigt die Sorge um entstehende Konflikte, die mit dem Raubtier einhergehen. Dies sind zum einen die Sorgen der Weidetierhalter um ihr Vieh. Auch die Hobby-Pferdehalter machen sich Gedanken. Zudem sieht Schardt-Sauer einen großen Konflikt mit Waldkindergärten. In Schleswig-Holstein fanden präventive Schließungen von Waldkindergärten statt, weil sich Wölfe ansiedelten. Schardt-Sauer sieht einen dringenden Handlungsbedarf. So kam es allein im Jahr 2020 laut dem Deutschen Bauernverband (DBV) zu rund 4.000 getöteten oder verwundeten Nutztieren.

Aus gutem Grund sind daher auch in Kreis Limburg-Weilburg nicht nur die Weidetierhalter, sondern in gleichem Maße auch die Hobby-Tierhalter, allen voran die Pferdehalter zunehmend in Sorge. Sie machen sich Gedanken, wie sie dieser exponentiell wachsenden Gefahr begegnen sollen. „Und nicht zuletzt kann ich auch die Befürchtungen vieler Eltern verstehen, die ihre Kinder in einen der zwischenzeitlich nicht mehr so seltenen Waldkindergärten betreuen lassen“, unterstreicht Schardt-Sauer. „Gerade hier stellt sich die Frage,  wie man die Waldkindergärten besser schützen kann und Gefahren vermeidet.

Daher ist es für die Politikerin nicht damit getan, nur ein Wolfsmonitoring aufzubauen. Dieses würde keine Einzeltiere erfassen, sondern nur Rudel. Und auch in der Rissprobenbegutachtung sieht sie ein Problem, da dieses nicht effizient und effektiv funktioniert. Daher wollte sie von der Landesregierung wissen, ob diese weitere Maßnahmen beabsichtigt, um einen Überblick über Wölfe in Hessen zu erhalten. Zudem fragte sie nach, wie Waldkindergärten informiert werden und ob dieses Personal eine besondere Schulung erhält. Und sie wollte wissen, wann die Landesregierung einen “günstigen Erhaltungszustand” beim Wolf erreicht sieht. Das ist der Zustand einer Population mit ausreichender Individuen Größe in einem geeigneten Lebensraum, welche ein langfristiges Überleben sichern. Ist dieser Erhaltungszustand erreicht, wäre eine Änderung des absoluten Schutzstatus des Wolfes möglich.

Besorgniserregende Lage

Für Marion Schardt-Sauer ist die Situation durchaus besorgniserregend. „In ganz Deutschland und insbesondere auch in Hessen steigt die Zahl von Wolfs-Nachweisen und Sichtungen. Allein in den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Wolfsübergriffe vervielfacht. Im Jahr 2020 waren es schon fast 1.000“, so Marion Schardt-Sauer. Und so, wie das Wolfsmonitoring derzeit laufe, ist es fast unmöglich, eine valide Gesamtzahl der hier lebenden Wölfe darzustellen. Dies ist aber eine unabdingbare Voraussetzung für alle weiteren Überlegungen, stellt sie fest. Daher sei es eine entscheidende Frage, wie man das Wolfsmonitoring anpassen könne. Dies gelte insbesondere mit Blick auf den Umgang mit Proben bei Rissverdachtsfällen. Es muss gewährleistet sein, dass diese innerhalb kürzester Zeit nach dem Riss erfolgen. Nur dann können möglichst viele Wolfsrisse auch als solche identifiziert werden.

„Man könnte sich ja auf allen Ebenen ein Beispiel an Frankreich nehmen. Dort habe man im Vergleich zu Deutschland schon seit längerem erkannt, dass ein effektiver Herdenschutz ohne angemessene Bejagung nicht möglich ist.“  rät die FDP Politikerin.

„Kurz gesagt: die Problemfelder werden komplexer und herausfordernder. Die Landesregierung muss schnelle, verbindliche und vor allem zielführende Antworten geben.” Mit ihrer Anfrage möchte sie erreichen, dass Grüne und CDU die Bedenken der Landwirte, Hobby-Tierhalter und nicht zuletzt der Eltern ernst nehmen und angemessen reagieren. Neben dem Wolfsmanagement muss die Landesregierung auch sicherstellen, dass eine Einbindung sowie Information wirklich aller Interessengruppen erfolgt. Angesichts der erschreckend schnell wachsenden Wolfspopulation muss auch der Kreis Limburg-Weilburg nach regionalen, lokalen Lösungen suchen. Hier erwartet die FDP mehr als die Durchführungen von Gesprächsrunden. „Die Zeit des Redens ist vorbei – es braucht jetzt zeitnah effektive und effiziente Lösungen für alle Interessengruppen“, fordert die heimische Politikerin.

 

 

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

One thought on “FDP sieht Gefahren durch den Wolf

  • 11. Juli 2022 um 15:42
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    Ein wichtiges Thema für Frau Schardt-Sauer. Jedes Jahr gibt es 5 bis 6 Tote Menschen allein in Hessen durch Hundebisse, bisher nicht einen Wolfsbiss in ganz Deutschland. So macht man ein Thema, was keines ist. Die Abgeordnete sollte sich mehr um Hunde sorgen.

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