Forderung nach Ausbildungsmöglichkeiten für die Feuerwehren

Die Diskussionen um die Feuerwehren reißen nicht ab und waren am Donnerstag Thema im Hessischen Landtag. Der heimische Landtagsabgeordnete Tobias Eckert (SPD) forderte ganz klar, dass die Einsatzkräfte schnellstmöglich, am besten über Sonderimpftage, ihre Corona-Impfung erhalten. Weiterhin müssen Aus- und Weiterbildungen wieder aufgenommen werden. Die Antwort von Innenminister Peter Beuth (CDU) lässt auf wenig Änderungen hoffen.

Anfang April äußerten sich Kreisbrandinspektor Georg Hauch und weitere Feuerwehraktive aus dem Landkreis in der Nassauischen Neuen Presse dahingehend, dass es an der Zeit ist, dass wieder Aus- und Fortbildungen möglich werden. Die Feuerwehrleute seien aus der Übung. Kreisweite Ausbildungen sind an den Inzidenzwert von unter 35 gebunden. Ausbildungen in den Kommunen seien möglich, doch der Kreisbrandinspektor forderte Verordnungen von der Landesregierung, damit die Bürgermeister Lockerungen erlauben können.
Anfang April wandte sich der Landesfeuerwehrband zudem an die Landesregierung, da die Einsatzkräfte ohne Schutz unterwegs seien und bitte doch endlich ihre Impfung erhalten sollen. Dies wurde Mitte April nochmal mit einem offenen Brief bekräftigt und auch die Bürgermeister:innen aus dem Landkreis sowie heimische Politiker unterstützten diesen Aufruf.

Am heutige Donnerstagabend gab die Kreisverwaltung bekannt, dass sie die Einsatzkräfte ab sofort impfen wird.

Forderung nach Aufnahme der Ausbildungen

Am Donnerstag war dies Thema im Landtag. Tobias Eckert stieß die Debatte an. Die derzeitige Haltung der Landesregierung hält er für unverantwortlich. Die Einsatzkräfte verdienen Wertschätzung. Nicht durch Sonntagsreden, sondern dass man ihre Belange ernst nehme. Wie soll das hohe Niveau im Einsatz und die Schulung des Nachwuchses aufrechterhalten werden, wenn keine Aus- und Weiterbildungen stattfinden? Die Pandemie ist eine Herausforderung, doch die Wehren haben Lösungen erarbeitet. Denn die Ausbildung ist erforderlich, damit die Einsatzkräfte auch weiterhin adäquat im Einsatz agieren können. Dies diene ihrer und der Sicherheit der Bürger. Lösungsvorschläge von den Wehren würden auf dem Tisch liegen, doch der Innenminister reagiere nicht darauf. „Sie lassen die Einsatzkräfte in echte Probleme laufen“, so Eckert. Es sei auch eine Frage des Respekts vor diesem wichtigen Ehrenamt.

Innenminister Peter Beuth (CDU) ist in seiner Antwort der Meinung, dass diese Debatte weder den Feuerwehren noch dem Ehrenamt einen guten Dienst erweist. Er sei mit dem Präsidium des Landesfeuerwehrverbandes sowie den Kreisbrandinspektoren im regelmäßigen Austausch und diese würden sicher die Meinung der SPD nicht mittragen. Die Pandemie belastet alle, eben auch die Feuerwehr, so seine Meinung. Die Feuerwehren müssen sich mit den Einschränkungen auseinandersetzen und würden dabei vom Land Hesse jede Unterstützung erhalten.

Ausbildung für Berufsfeuerwehr sicherstellen

Die Standortausbildung ist nicht verboten, sondern ausdrücklich erlaubt und erwünscht, so Beuth weiter. Nur manche Bürgermeister vor Ort würden diese verbieten. Die Kreisausbildungen sind an eine Inzidenz von 35 gebunden. Daran hält er auch fest. Denn wenn aus dem ganzen Kreis die Einsatzkräfte zur Ausbildung zusammenkommen und es kommt zu einer Infektionskette, dann wird diese im ganzen Kreis verbreitet. „Dann hat man der Sache keinen Dienst erwiesen, dass muss man dann halt mal begreifen“, reagierte er aufgebracht.

Auch am faktischen Ausbildungsstopp an der Landesfeuerwehrschule für ehrenamtliche Kräfte wird sich laut Beuth nichts ändern. „Natürlich gibt es an der Landesfeuerwehrschule einen Unterschied in der Ausbildung von Berufsfeuerwehrleuten und ehrenamtlichen Leuten“, so der Innenminister. Das habe etwas mit der Feuerwehrlaufbahnverordnung und Dienstrecht zu tun. Für die Berufsfeuerwehr muss der Betrieb aufrecht erhalten bleiben, damit sie ihre Ausbildung durchführen können und die dienstlichen Voraussetzungen für ihre Arbeit haben. Ohne Ausbildung der Ehrenamtlichen an der Landesfeuerwehrschule könnten Hygiene und Abstandsregeln eingehalten werden und die Kräfte der Berufsfeuerwehren können ihre Ausbildung sicher durchführen.

Dies sieht nicht danach aus, als ob die Landesregierung den Freiwilligen Feuerwehren den Rücken stärkt.

Alle Videos zur Debatte findet ihr bei der Hessenschau „Videos aus dem Landtag“  

Kommentar – Freiwillige Einsatzkräfte Feuerwehr zweiter Klasse?

Die Aussage von Innenminister Beuth, dass eine sichere Ausbildung für die Berufsfeuerwehr gewähreistet werden muss, könnte verstanden werden, wenn es auch in der Fläche, vor allem in der ländlichen Region, Berufsfeuerwehren geben wird. Doch dies ist im Landkreis Limburg-Weilburg nicht der Fall. Insgesamt gibt es sieben Berufswehren in Hessen sowie mit Sonderstatus in fünf weiteren Städten. Neben den Berufsfeuerwehren gibt es 51 Werk- und Betriebsfeuerwehren sowie mehr als 2.600 Freiwilligen Feuerwehren in den Städten und Gemeinden (Quelle Feuerwehr Hessen)

Rund 71.000 zumeist ehrenamtlich Aktive gibt es in ganz Hessen. Vor allem im ländlichen Regionen sind es ehrenamtliche Kräfte, die zum Einsatz eilen. Bei Bränden von der Mülltonne bis hin zu einem Unternehmen sind sie an vorderster Front. Sie stehen bei Hilfeleistungen zur Verfügung. Hat es auf der Autobahn einen Unfall gegeben, sind sie da und retten die Menschen aus den Fahrzeugen, löschen LKWs oder kümmern sich um Ölspuren. Und dies ist nur ein kleiner Teil ihrer Aufgaben. 24 Stunden sind sie im Einsatz und nicht nur abends und am Wochenende nach der Arbeit. Wenn sie gebraucht werden, sind sie da.

Ihnen dann die Ausbildung zu verwehren und darauf hinzuweisen, dass ohne ihre Anwesenheit eine sichere Ausbildung der Berufswehren möglich ist, klingt respektlos und dann muss sich Innenminister Beuth auch fragen lassen, ob für ihn die ehrenamtlichen Einsatzkräfte nur zweite Klasse sind.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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