Gewerbegebiete klimafreundlich und fit für die Zukunft gestalten

Bei Gewerbegebieten handelt es sich häufig um große, versiegelte Areale. Diese bilden in heißen Sommern Hitzeinseln. Dies mindert die Aufenthalts- und Arbeitsqualität. Doch bereits mit kleinen Maßnahmen könnte die Qualität in diesen Quartieren gehoben werden.

Gestern fand das 20.Regionalforum der Klima-Kommunen Mittelhessen in Löhnberg statt. Neben dem Vernetzen und Austauschen zwischen den Kommunen und Landkreisen gab es einen Impulsvortrag zum Thema „Gewerbegebiete – Klimaangepasst und fit für die Zukunft“ von Dr. Anna-Christina Sander vom Fachzentrum Klimawandel  und -anpassung im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG).

Energie im Fokus

Bevor es in den Fachvortrag ging, begrüßte der Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer die Anwesenden. Der Landkreis Limburg-Weilburg habe sich selbst auf den Weg gemacht, bis 2030 klimaneutral zu werden und werde dies auch schaffen. „Klima und Nachhaltigkeit sind die wichtigen und wesentlichen Themen für die Zukunft unserer Erde“, so Sauer. Lange seien diese hinter anderen Themen wie die Corona-Pandemie nicht im Fokus gewesen. Doch mit dem Krieg in der Ukraine ist die Energiefrage aktuell wieder ganz weit vorne. Nicht nur der Landkreis bemüht sich, sondern auch alle Kommunen seien gefordert. „Wir können es nur gemeinsam schaffen“, so Sauer.

Nach der Begrüßung ging es ins Thema rein. Jeder kennt diese Gewerbegebiete – große Hallen, versiegelte Außenflächen für die Fahrzeuge, wenig grün kaum Tiere. Neben dem schnelleren Aufheizen im Sommer, was wiederum zu Schäden an der Bausubstanz führt sowie wenigen Möglichkeiten des Wassersickerns bei Starkregen kommt nun noch der Energieaspekt hinzu. Die alten Gebäude sind häufig energetisch schlecht aufgestellt. Inzwischen kommt es zu einer veränderten Wahrnehmung aufgrund der aktuellen Lage und der Energiepreisdiskussion, dass auch Gewerbeflächen mehr und mehr in den Fokus rücken, so die Fachfrau. Zusammenfassend bieten solche hochversiegelten Bereiche schlechte Arbeitsbedingungen, erhöhte Kosten durch Klimatisierung, finanzielle Verluste durch Schäden. Ein klimaangepasster Umbau sei daher die Chance, die Arbeits- und Aufenthaltsqualität zu verbessern und Energie einzusparen. Zudem hätte dies positive Auswirkungen auf die angrenzenden Quartiere.

Vielfältige Maßnahmen

Die baulichen Maßnahmen seien dabei sehr vielfältig und Dr. Sander ging es dabei nicht immer nur um den großen Wurf. Bereits kleine Maßnahmen könnten zu einer Verbesserung führen. Wichtig dabei sei es, die Menschen vor Ort zu sensibilisieren und mitzunehmen. An einigen Beispielen zeigte sie auf, was alles möglich ist. So könnten Leichtbauhallen mittels Rankhilfen recht leicht mit einer Fassadenbegrünung versehen werden. Diese habe neben einer Dämmwirkung auch Auswirkungen auf die Biodiversität vor Ort, denn sie bietet Lebensraum für Tiere an. Die großen, versiegelten Flächen könnten aufgebrochen werden und mit mehr Grün verschönert werden. Bäume dienen zur Verschattung. Auch Dachbegrünungen oder eine Kombination aus Dachbegrünung und PV-Anlage empfehle sich mehr und mehr auf den großen Flächen der Hallen. Eine Entsiegelung sorgt dafür, dass Niederschlag versickern kann. Wenn Feuchtigkeit verdunstet, wirkt dies eine starken Aufheizung entgegen. Je mehr Grün vorhanden ist, umso größer ist der Kühlungseffekt. Und gleichzeitig erhöht sich die Aufenthaltsqualität. „Schon kleine Maßnahmen haben eine Auswirkung“, so Sander.

Welche Möglichkeiten haben die Kommunen bei diesem Prozess? Sie könnten finanzielle Anreize schaffen für Unternehmen, die ihre gewerblichen Ansiedlungen mit Klimaanpassungsmaßnahmen realisieren. In den Bebauungsplänen können bereits Vorgaben gemacht werden. Die Kommunen können bewusst Flächen in Gewerbegebieten freilassen und als Vorbildfunktion selbst gestalten. Und sie können die Vernetzung von Gewerbetreibenden unterstützen.
In der Diskussion gab es Kritik aus der Versammlung. Die Festsetzungen in den Bebauungsplänen existieren bereits seit vielen Jahren. Doch wenn es nicht kontrolliert werden, dann bringen diese Festsetzungen auch nichts. Das Augenmerk müsste viel mehr auf der Umsetzung liegen. Und es kam die Kritik, dass viele Kommunen wollen, aber die Prozesse um die Förderantrage viel zu lange dauern, um die Investoren bei Stange zu halten und zügig etwas umzusetzen. Wie ein „grünes“ Gewerbegebiet aussehen kann, zeigt sich in Limburg-Offheim. Viel grün, Insektenhotels und qualitativ hochwertige Aufenthaltsbereiche lassen sich da entdecken, wenn man durch die Straßen läuft.

Mehr zum Thema gibt es auch als Pdf beim HLNUG

Aktuelles im Bereich Klimaschutz und Klimaanpassung

Das Regionalforum diente auch dazu, einen Überblick über aktuelle Maßnahmen zu geben. Inzwischen gibt es in Hessen 371 Klima-Kommunen und alle 21 Landkreise sind mit an Bord. Aufgrund von Corona gab es in den letzten beiden Jahren eine 100prozentige Förderung von Projekten, was eventuell den hohen Zuspruch erklärt. Ab 2023 werden die Förderungen wieder zurückgefahren. Für Klima-Kommunen gibt es dann eine 90prozentige Förderung und Nicht-Klima-Kommunen erhalten 70 Prozent ihrer Projekte gefördert.

Es gibt eine große Nachfrage nach den Fördermitteln, wobei wichtig ist, dass die Projekte nachhaltig und wirksam sind. So profitieren Kommunen von der Förderung bei der energetischen Sanierung von Kläranlagen, Lastenrädern in der kommunalen Verwaltung oder beim Aufbau eines Verleihservices, bei Starkregenanalysen, bei der Gestaltung eines Klimalehrpfades oder bei Beschattungssystemen an kommunalen Gebäuden.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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