Glaubenstag bei der Kolpingfamilie – Zeit der Kontroversen weitgehend vorbei

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Zu ihrem Glaubenstag hat die Kolpingsfamilie Limburg Dr. Georg Poell, Bistum Limburg sowie Pfarrer Joachim Naurath, evangelisches Dekanat Runkel zu einem spannenden Dialog eingeladen. Sie sprachen über die Ökumene, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Beide bekräftigten zu Beginn, dass eine Zusammenarbeit zwischen katholischer und evangelischer Glaubensrichtung bereits in vielen Bereichen stattfindet. Die Besucher nahmen sie mit zu den verschiedenen Stationen des ökumenischen Dialogs. Ein Miteinander sei wichtig, denn in den vergangenen Jahrhunderten haben Menschen darunter gelitten und teilweise zieht sich dies bis in die Gegenwart.

Ökumenisches Miteinander seit 500 Jahren

Seit 500 Jahren mit der Reformation gibt es ein ökumenisches Miteinander. Nur war es in den ersten Jahren sehr dornenreich und von Missverständnissen sowie Zerwürfnissen geprägt, so Dr.Georg Poell. Wobei es damals nicht vordergründig um einen Unterschied im Glauben ging, sondern es viel mehr einen politischen Hintergrund hatte. Auch später hing der Glauben sehr oft mit der Politik zusammen und Adlige änderten ihren Glauben je nach Meinung, was gerade mehr Macht bringe. Meist entschieden dann auch die oberen Herren, was die Bauern und Leibeigenen glauben sollten.

Mit dem 2. Vatikanischen Konzil nach dem Zweiten Weltkrieg von 1962 bis 1965 veränderte sich das Miteinander. Es war nicht mehr von einem Gegeneinander geprägt, sondern wirklich von einem Miteinander. Das lege mit daran, dass sich die Fragestellungen verändert haben, mit denen sich beide Glaubensrichtungen auseinandersetzen. Zu Luthers Zeiten war eine dringende Frage: Wie finde ich einen gnädigen Gott? Wie kann ich als sündiger Mensch vor Gott gerechtfertigt werden? Das sei eine brennende Frage gewesen und war mit die größte Angst der Menschen, so Poell.

Akzeptanz des Anderen

Für beide Theologen ist ein Leuchtpunkt in der Ökumene die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999. Es ging nicht mehr darum, der anderen Glaubensrichtung zu sagen, sie denke falsch. Es ging viel mehr darum, Gemeinsamkeiten hervorzustreichen. Hinzugekommen sei die „Akzeptanz, dass den Religionen verschiedene Dinge wichtig sind“, so Poell, „wir ergänzen uns gegenseitig und bekennen gemeinsam.“

Es sei ganz leicht, aneinander vorbei zu reden, so Pfarrer Joachim Naurath. Doch die heutige Gesellschaft wartet mit Herausforderungen, denen man nur gemeinsam begegnen kann. Dazu zählen für ihn die Migration, die Flüchtlingskrise vor einigen Jahren, aber auch das Problem beider Kirchen, dass die Kirchgänger fern bleiben. „Die Zeit der Kontroversen ist weitgehend vorbei“, ist er sich sicher. Und indem beide Seiten etwas zu einem Thema beitragen, bleiben weniger Dinge unbehandelt. Eine große Stärke ist das Miteinander. „Gemeinsam sind wir näher an der Wahrheit dran“, so Naurath. Und Poell ergänzend: „Es tut auch mal gut, die Perspektive umzukehren.“

Vom Konflikt zur Gemeinschaft

Ein weiterer Meilenstein war das Reformationsjahr 2017, welches als Ökumene gefeiert wurde. Und es war auch ein Punkt, dass sich die evangelische Kirche selbstkritisch mit Luther umgegangen ist und sich mit den dunklen Seiten auseinandergesetzt hatte. So war Luther auch judenfeindlich und seine Rolle in den Bauerkriegen ist auch sehr kritisch zu sehen. Und für die Katholiken war es wichtig, Luther nicht nur als Revoluzzer und Spalter zu sehen, sondern als Zeuge der evangelischen Kirchwerdung. Zudem haben beide Kirchen eine Lithurgie gefunden und ihre Schuld an dem gesamten Prozess bekannt: „Wenn man gemeinsam in die Zukunft gehen möchte, muss man sich auch die Vergangenheit vergeben.“  Dabei geht es nicht darum, in allem einig zu sein. „Man kann sich auch in den Unterschieden und Gegensätzlichkeiten einig sein“, so Poell.

Kein gemeinsames Abendmahl

Ein großer Punkt, der den Unterschied zeigt, ist das Abendmahl. „Wir leiden darunter, dass wir das Abendmahl nicht gemeinsam feiern können“, so Poell. In der katholischen und evangelischen Kirche wird dies unterschiedlich gefeiert, auch in seiner Symbolik. Und da jeder in seiner Kirche großgeworden ist und darin verwurzelt ist, fällt es sehr schwer. In der katholischen Kirche werden aus Wein und Hostie nach der Wandlung Leib und Blut Jesu Christi. Dies muss aufgebraucht werden und darf nicht verschwendet werden. In der evangelischen Kirche ist Jesu Christi bei der Wandlung anwesend, aber Wein und Hostie sind Wein und Hostie. Was übrig ist, kommt zurück in den Schrank oder wird weggeschüttelt. Und dies empfinden die Katholiken als achtlos. Hinter diesen Ritualen stehen verschiedene Entwicklungen und bei diesem Sakrament besteht auch die größte Differenz. Und diese verschiedene Auslegung habe in der Vergangenheit auch zu den größten Verwürfnissen geführt.
Pfarrer Joachim Naurath wünscht sich mehr Neugierde bei den Menschen. Sie sollen sich mit den verschiedenen Themen auseinandersetzen und eine eigene Position finden. Religion ist nie nur Theologie, so Poell, sondern auch Tradition verbunden mit der eigenen Lebenswirklichkeit. Es sind die vielen Traditionen, die den Gläubigen liebgeworden sind und in denen sie leben.

Es war ein sehr interessanter Austausch zwischen den beiden mit vielen verschiedenen Aspekten, aber auch geprägt von einem großen Respekt miteinander.


 

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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