Gründung eines Grünen-Ortsverband Hadamar/Dornburg: „Es geht um die Bürger“

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Am 23.Mai gründet sich in Hadamar ein Bündnis 90/ Die Grünen Ortsverband Hadamar-Dornburg. Bereits nach der Wahl nahm die „Grüne Dienstagsgesellschaft“ ihre Arbeit auf und informiert immer am ersten Dienstag im Monat über interessante Themen. 

Bei den Landtagswahlen im letzten Jahr wählten 14,4 Prozent der Hadamarer Bürger grün. Dies war Grund für einige Engagierte, sich auf den Weg zu einem Grünen-Ortsverband Hadamar-Dornburg zu machen. Unter diesen engagierten Bürgern befinden sich Sabine Hirler und Christoph Speier, die das ganze organisieren.

Umgang mit unseren Ressourcen erschreckend

Bereits in den 80er Jahren gab es in Hadamar einen grünen Ortsverband. Die damalige Kommunalwahl war für den Grünen Ortsverband aufgrund von Formalien geplatzt und der Ortsverband ging danach auseinander. Nun gibt es einige Mitstreiter, die einen neuen Ortsverband gründen möchten. Dafür bedarf es drei Mitgliedern, derzeit sind es elf Mitstreiter. Sabine Hirler engagierte sich bereits als Studentin für die grüne Politik. Als sie in China im Urlaub war, war sie negativ davon beeindruckt, wie mit den Ressourcen der Erde umgegangen wird. „Wir müssen etwas dagegen tun“, so ihre Meinung, weshalb sie sich auch jetzt wieder engagiert.

Die Grüne Dienstagsgesellschaft war bisher nicht untätig, auch wenn sie noch kein Ortsverband sind. Sie fragten die Bäckereien in Hadamar ab, ob die Kaffee-to-go in Wegwerfbechern angeboten werden oder in Mehrwegsystemen. Nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe werden stündlich rund 320 000 Einwegbecher in Deutschland verbraucht und weggeworfen. Im Jahr sind das etwa 2,8 Milliarden Becher. Und die Grüne Dienstagsgesellschaft wollte wissen, wie die Großbäckereien damit umgehen. Daraus ergaben sich Gespräche mit der Bäckerei Huth. sowie viele Gespräche. „Wenn sich zwei Bäckereien finden, die uns unterstützen, haben wir die Chance, einen Mehrwertbecher aus abbaubaren Plastik einzuführen“, so Speier.

Politik ist gefragt

Mit ihren monatlichen Treffen werfen sie einen intensiven Blick auf verschiedene Fragenstellungen. Bei einer klimapolitischen Wanderung wollen sie sich mit dem Thema nachhaltige Wiederaufforstung betrachten. Auch wenn es diese Initiativen vor Ort gibt, ist den beiden klar, dass manche Dinge von der Politik reglementiert werden müssen, damit sich etwas ändert. „Es muss von der Politik in die richtigen Bahnen gelenkt werden“, so Speier. Und so haben sie auch Ideen, was die Kommunalpolitik angehen kann.

Durch ein verbindliches Baumkataster soll der Waldbestand sowie Einzelbäume erhalten und gesichert werden. Die biologische Landwirtschaft soll unterstützt werden. Den Vorschlag der Jungen Union, das Anrufsammeltaxi aus Limburg um Hadamar und Elz zu erweitern, unterstützen sie und fordern eine sofortige Umsetzung. Die Hessische Landesbahn muss stärker kontrolliert werden, damit Bürger nicht mehr vergeblich an den Bahngleisen auf ihren Zug warten. Speier könnte sich auch vorstellen, die Wasserwirtschaft am Elbbach intensiver auszubauen.

Förderung der Gemeinschaft

Aber auch die Gemeinschaft muss gefördert werden. Es gibt viele Kulturen in Hadamar und der rassistische Ton gegen andere Kulturen wie die Wanderarbeiter gefällt den beiden nicht. Daher würden sie auch gerne sichere und mehr inklusive Aufenthaltsorte für Wanderarbeiter aus Osteuropa zu entwickeln und den humanitären Umgang mit geflüchteten Familien und Asylbewerbern gewährleisten. Eine Idee ist auch die Ansiedlung eines dezentralen Hochschulstandortes.
Auch sollte noch stärker die Geschichte von Hadamar in den Fokus rücken und weniger die Romantisierung als „Fürtsenstadt“. Die Verlegung von Stolpersteinen, das Denkmal der Grauen Busse sowie die Erweiterung der Gedenkstätte seien gute Ansätze.

Suche nach jungen Verwaltungsjurist

Den beiden ist bewusst, dass in ihren Ideen auch viel Idealismus steckt. „Wir wollen im Kleinen anfangen“, so Sabine Hirler. Sie spüren in die hohe Frustration in der Gesellschaft und wollen etwas dagegen unternehmen. Sie möchten Hadamar zu einem Ort entwickeln, an dem auch junge Menschen eine Perspektive für die Zukunft haben. Dies könnte die Schaffung eines Jugendclubs sein und später die Aufwertung des Handwerks, damit junge Menschen ihre Ausbildung in der Region machen.  Und mit der Bindung der Menschen an die Heimat könnten sie auch zur Wahl motiviert werden.

2021 möchten sich die Grünen in Hadamar an der Kommunalwahl beteiligen. Sie sind auf der Suche nach einem jungen Verwaltungsjuristen oder einer Verwaltungsjuristin, welche bereit wäre, 2021 und 2026 als Bürgermeister*in zu kandidieren. Aber beide sind sich auch einig, dass es ihnen nicht ums Parteibuch geht, sondern um den Bürger. Wer Interesse an der Grünen Dienstagsgesellschaft hat, kann sie bei den nachfolgenden Terminen besuchen und sich am Gespräch beteiligen.

Weitere Termine

23. Mai, Scheunencafé Faulbach Gründung Ortsverband

Immer am ersten Dienstag im Monat trifft sich die Dienstagsgesellschaft in Hadamar, 19.30 Uhr im Rathaus Café am Untermarkt 7.

7. Mai: „Ist eine ökologische Agrarwende noch möglich?“ – zur Lage der Bio-Landwirtschaft im Nassauer Land und Westerwald: solidarische Landwirtschaft vor Ort und genügend Impulse aus der hessischen Regierung?

4. Juni: „Juddebubbe, Schlappekicker und Himmelstürmer, was hat die Geschichte der Eintracht Frankfurt mit uns zu tun?

2. Juli: „Reicht der Natur und Klimaschutz in Stadt und Gemeinden des Unterwesterwaldes?“ Zum Zustand von Wald, Wasser und Landschaft rund um Hadamar

3. September: „Öffentliches Geld, woher kommen und wohin gehen eigentlich die Steuern, die der Stadt Hadamar zufließen?“ Einführung in die kommunalen Finanzen, bisherigen Schwerpunkte des städtischen Haushaltes und mögliche Spielräume lokaler Politik



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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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