Grüne fordern mehr Naturwald in Hadamar

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Naturwälder, welche aus der wirtschaftlichen Nutzung herausgenommen werden, sind wichtig für den Natur- sowie Klimaschutz. Daher fordert der Ortsverband Bündnis 90/ Die Grünen Hadamar/ Dornburg, dass die Stadt Hadamar nicht genutzte Waldflächen dauerhaft aus der Holzwirtschaft herausnimmt.

Bei einem Waldspaziergang mit Bernd Scholz von Bündnis 90/ Die Grünen Hadamar/Dornburg zeigt er die Schönheiten des Waldes auf, gibt Einblicke in seine Funktionen und erläutert die Forderungen der Grünen an die Verwaltung.

Fünf Prozent Naturwald in Deutschland

Mit ihren Forderungen stehen die Grünen nicht allein da. Bereits 2007 formulierte die Bundesregierung das Ziel, dass bis 2020 fünf Prozent der Wälder in Deutschland aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen werden sollen (Quelle NABU).  Bisher ist dies nur mit 3,7 Prozent geschehen. In Hessen wurden bisher zehn Prozent aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen. Laut Bernd Scholz besitzt die Stadt 650 Hektar Hektar Wald. Seinem Wissen findet bereits jetzt auf 8,5 Prozent keine Bewirtschaftung aufgrund der Lage und Zugänglichkeit statt. Aber formal sind diese Flächen noch nicht aus der Bewirtschaftung dauerhaft raus genommen.

Nach Meinung von Scholz sollte es kein Problem sein, 55 Hektar als Naturwald zu deklarieren, zumal die Stadt wertvolles Geld verschenkt. Denn mit dem „Wildnisfonds“ stellt die Bundesregierung jährlich zehn Millionen Euro zur Verfügung, damit potentielle Gebiete gesicherte sowie bestehende Gebiete ergänzt oder zusammengelegt werden können (Quelle Bundesministerium für Umwelt). Laut Scholz ist dies eine gute Chance für eine interkommunale Zusammenarbeit, um mit den angrenzenden Kommunen eine möglichst große, zusammenhängende Waldfläche zu schaffen. Neben der Förderung einer solchen Fläche erhielte die Stadt dadurch auch Ökopunkte.

Steady

Wie wichtig ist Hadamar der Naturschutz?

Bernd Scholz ist schon eine Weile an dem Thema dran, denn er sieht darin ein wichtiges Thema für die Zukunft. Zum einen spielt der Wald eine große Rolle im Wasserhaushalt und seine Bedeutung nimmt daher zu mit Zunahme der Dürre in den letzten Jahren. Zudem speichern ältere, gestandene Bäume mehr Kohlendioxid als junge Bäume. Und in einem sich selbst überlassenen Wald gibt es eine viel höhere Artenvielfalt als in kontrollierten, bewirtschafteten Monokulturen.

Seit November 2019 trat er auch mehrmals an die Verwaltung heran, um zu erfahren, ob es bereits ausgewiesene Flächen mit Naturwald in Hadamar gibt. Auch im persönlichen Gespräch mit dem Bürgermeister Michael Ruoff thematisierte er dieses Anliegen. Doch bisher hat sich wenig getan und eine ausführliche Antwort zu seinen Anfragen habe er bis heute auch nicht erhalten. „Insektenhotels in der Stadt und Stadtradeln sind schön, aber wir sollten uns den wirklichen Dingen widmen“, so Scholz. Und er fragt sich, ob der Umgang mit seinen Anfragen ein Zeichen dafür ist, dass die Stadt in Sachen Naturschutz doch nicht so gut aufgestellt ist.

Gut durchmischte Wälder der Zukunft

Er hält ein flammendes Plädoyer für gut durchmischte Laub- und Nadelwälder, für liegengelassenes Totholz und für Chaos im Wald. „Wir wollen es immer hübsch und ordentlich haben“, so der Grünen-Kommunalpolitiker, „aber wir sollten die Natur einfach mal machen lassen.“ Wohin die Monokulturen geführt haben, ist überall zu sehen. In der Dürre vermehrten sich die Schädlinge rasant und der Käferbefall verursachte massive Schäden. Durch die Abholzungen entstehen riesige Löcher in den Wäldern und diese Lücken schaden dem bestehendem Ökosystem.

„Wenn ein Naturwald nicht überlebt, dann überlebt gar kein Wald“, so seine Meinung. Und er würde sogar noch ein Stück weiter gehen und neben dem bestehenden Wald neue Flächen schaffen. „Die Waldflächen müssen verdoppelt werden.“ In Deutschland gibt es 12 Millionen Hektar Wald. Die Landwirtschaft bewirtschaftet 16,5 Millionen Hektar. „Zu 80 Prozent werden auf den landwirtschaftlichen Flächen Futtermittel oder Pflanzen für Biogas und Biokraftstoff angebaut. Es wird also etwas produziert, um etwas anderes zu erzeugen“, so Scholz. Und er stellt sich die Frage, ob sich das die Menschen auch in Zukunft überhaupt noch leisten können. Es sollten Überlegungen angestellt werden, die Flächen anders zu nutzen.

Waldpädagogisches Zentrum

Wobei er schon ein Umdenken erkennen kann. Er geht davon aus, dass die Holzwirtschaft eine immer geringere Rolle spielen wird, da es sich wirtschaftlich einfach nicht mehr rentiert. „Dann können wir den Wald in Ruhe lassen.“ Und für die Zukunft könnte sich Bernd Scholz vorstellen, ein waldpädagogisches Zentrum aufzubauen, um das Wissen um den Wald vor allem auch an die Kinder weiterzugeben. Ein Waldkindergarten für Hadamar wäre eine sinnvolle Einrichtung. Nicht nur für Schulkinder, sondern auch für den Tourismus wäre ein Waldlehrpfad eine interessante Einrichtung. Eine Art Klassenzimmer im Wald, das wäre ein Traum von Scholz.

Im August 2019 stellten Ministerpräsident Volker Bouffier und Umweltministerin Priska Hinz einen 12-Punkte Plan zum Erhalt der hessischen Wälder im Klimawandel vor. Hessen ist mit 42 Prozent der Landesfläche das waldreichste Bundesland und möchte diesen Schatz schützen. Rund 100 Millionen neue Bäume sind notwendig, um die Schäden zu beseitigen und die entstanden Lücken wieder aufzuforsten. Dies möchte die Hessische Landesregierung mit über 200 Millionen Euro bis 2023 unterstützen (Quelle Hessische Landesregierung).

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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