Hauser Wald soll Naturschutzgebiet werden

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Gestern im Nachrichtenüberblick habe ich mich ein wenig missverständlich ausgedrückt. Ich schrieb, dass die Windkraftanlagen im Hauser Wald kommen werden. Diese Aussage ist nicht so ganz richtig. Die Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen. 

2011 beschlossen die Gemeindevertreter von Waldbrunn, dass im Hauser Wald auf Waldbrunner Gemarkung Windenergieanlagen errichtet werden sollen. 2016 gründete sich die IG Gegenwind, um gegen die Pläne zu demonstrieren. Sie wehren sich mit allen Rechtsmitteln, haben durch eigene Fachleute das betroffene Gebiet unter die Lupe genommen und sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass hier aus ökologischer und hydrogeologischer Sicht keine Windenergieanlagen errichtet werden dürfen.

Keine Zustimmungen zum Nachtrag des Nutzungsvertrages

Auch unter den Gemeindevertretern findet ein Umdenken statt. So stimmte die Gemeindevertretung am Dienstag mit zwei Stimmen Mehrheit gegen den 3. Nachtrag des Nutzungsvertrages mit der Firma Enertrag. Damit stimmten sie auch gegen ein Festschreiben des Vertrages für die nächsten drei Jahre. Somit ist der Vertrag auch jederzeit kündbar. Während ein Teil der Gemeindevertreter keine Bedenken gegen die Anlagen hat und gerne weiterhin von den Pachteinnahmen profitieren möchte, hat der andere Teil erhebliche Bedenken. Die Kommunalpolitiker, welche für die Windräder sind, argumentieren, dass bei einer Genehmigung die Windräder kommen werden, egal, ob Waldbrunn dies möchte oder nicht. Wenn die Windräder nicht auf Waldbrunner Gemarkung gebaut werden, dann eben auf Dornburger Gemarkung und Flächen von Hessenforst. Nur, dass dann Waldbrunn nicht mehr von den Pachteinnahmen partizipiert.

Die Entscheidung liegt jetzt beim RP Gießen. Dort liegen alle Unterlagen vor und dort muss entschieden werden, ob die Anlagen errichtet werden dürfen oder ob naturschutzrechtliche Belange dagegen sprechen. Diese Belange seien nicht klein, so die IG Gegenwind. So haben die Naturschutzinitiative e.V. (NI) und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) im April beim RP Gießen beantragt, dass der Hauser Wald bei Waldbrunn und Dornburg als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden soll.

Hauser Wald als Naturschutzgebiet

Mit einer Ausweisung als Naturschutzgebiet würde auch eine sofortige Sicherstellung einhergehen. Dies würde bedeuten, dass der geplante Windpark nicht genehmigungsfähig wäre.
Dr. Rittweger vom Büro für Landschafts- und Paläoökologie aus Waldbrunn hat für den Antrag ein umfangreiches Gutachten zur Wertigkeit des Hauser Waldes erstellt, das zusammen mit den weiteren Untersuchungen lokal aktiver Naturschützer aus NI und HGON zu Vögeln, Fledermäusen und Schmetterlingen die Grundlage des NSG-Antrags ist. Während seiner Arbeit an dem Gutachten musste er feststellen, dass es so gut wie keine naturschutzfachlichen Grundlagendaten zu dem Gebiet gab. Die bislang vorgelegten Antragsgutachten der Fa. Enertrag auf Errichtung von Windenergieanlagen stellten seiner Meinung nach zudem fälschlicherweise die hier vorhandenen Naturschätze im Sinne des beantragten Vorhabens als nicht relevant dar.

Hoher naturschutzfachlicher Wert des Hauser Waldes

Des außergwöhnliche Wert des Waldes würde in einem zusammenhängenden Quellsystem bestehen, welches als dichtes Netz das Waldgebiet durchzieht. Es verdankt seine Existenz stauenden lehmigen Bodenschichten aus einer Zeit intensiver Bodenverwitterung des Tertiärs, in dem hier ein tropisches Klima herrschte. Wo hier Gewässer zutage treten, finden sich gleichzeitig auch Indikatororganismen der Quellen, wie Dunkers Quellschnecke, Quellerbsenmuschel oder Höhlenflohkrebs. Im Zusammenhang mit diesen Quellaustritten existieren weitere nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützte Nassbiotope wie Quellwälder, Feuchtstauden- und Röhrichtgesellschaften oder Nasswiesenbrachen. Eingebettet ist alles in einen naturnahen Buchenwald, der ebenfalls die Kriterien eines nach EU-Recht schutzbedeutsamen Waldlebensraumtyps erfüllt.

In dieser besonderen Umgebung würden auch besondere schutzbedeutsame Tiere leben. Der Schwarzstorch würde dort brüten, Rotmilan, Mäusebussard und bis zu 14 Fledermausarten wurden beobachtet. Hinzu komme ein für naturnahe Wälder zu erwartendes umfangreiches Spektrum an Vogel-, Fledermaus- und Insektenarten. Auch die nach EU-Recht streng geschützte Haselmaus und die europäische Wildkatze würden im Wald in guten Beständen vorkommen. Die hier geplanten Windkraftanlagen würden diesen einmaligen Naturschatz zerstören. Dr. Rittweger stellte klar, dass die großen Fundamente, der Ausbau des Waldwegesystems und die Gefahr an Kontaminationen mit dem Quellschutz nicht zu vereinbaren seien.

Geplanter Windpark Westerwald II nicht genehmigungsfähig

Dass bei dieser mittlerweile bekannten Sachlage überhaupt weiter an dem Windpark geplant wird, findet Dipl.-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI, völlig unverständlich. „Die hier vorkommenden Arten stehen laut Bundesnaturschutzrecht einer Windkraft-Planung klar entgegen“ so Vollmer. Die NI geht deshalb davon aus, dass auch ohne die jetzt betriebene Anstrengung zur Ausweisung als NSG der Windpark nicht genehmigungsfähig ist. Auch Konstantin Müller, Dipl.-Biologe und Vorstandsmitglied der NI sowie Hubert Jung, Länder- und Fachbeirat der NI Mittelhessen bestätigten bei dem Termin, dass die NI eine Genehmigung nicht klaglos hinnehmen würde.  Zur vollständigen Pressemitteilung

Prüfung obliegt Regierungspräsidium

Die Prüfung aller vorliegenden Fakten obliegt nun dem Regierungspräsidium. Auf Grundlage der vorliegenden Gutachten wird das RP Gießen eine Entscheidung treffen. Nicht zu bestreiten ist, dass die Stimmung zum Thema sehr aufgeheizt ist. In der Gemeindevertretersitzung wurde von Sabotage-Akten gesprochen. So sei die Haselmaus gezielt mit Ködern angelockt worden, obwohl sie vorher in dem Gebiet nicht heimisch gewesen sei. Auch seien Zuflüsse gestaut wurden, um eine größere Quelle vorzutäuschen, als wie tatsächlich vorhanden sei. Die Gemeindevertreter, welche sich für den Windpark aussprechen, wollen das Ergebnis vom RP abwarten, denn dort säßen Experten und werden die richtige Entscheidung treffen.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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