Heimische Wirtschaft will weniger investieren

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Pressemitteilung – Die gewerblichen Unternehmen der Region Limburg-Weilburg planen infolge der Corona-Krise mit reduziertem Investitionsbudget. Das zeigt die Konjunkturumfrage der IHK Limburg zum Herbst 2020.

Das Augenmerk sollte daher nicht nur auf die Bewältigung der Pandemie gelegt werden, sondern auch auf die Zeit danach, um die Grundlagen für einen Aufschwung jetzt zu verbessern.

Weiteres Rückfahren von Investitionen

Die schwierige wirtschaftliche Lage und unsichere Geschäftserwartungen wirken sich auch auf die Investitionsabsichten der heimischen Unternehmen aus. Bereits im vergangenen Jahr wollten die Betriebe insgesamt weniger in den kommenden zwölf Monaten investieren. Aufgrund der Corona-Krise fährt die gewerbliche Wirtschaft der Region ihre Investitionen nun noch weiter zurück.

Wie schon bei der Konjunkturumfrage im Frühjahr 2020 ist die Investitionsneigung der Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. Aktuell wollen nur noch 13 Prozent der Betriebe mehr investieren, 39 Prozent jedoch weniger, 48 Prozent etwa gleich viel. Der Saldo beträgt damit minus 26 Prozentpunkte. Im Frühjahr lag die Differenz aus positiven und negativen Einschätzungen unter dem Eindruck des ersten Lockdowns sogar bei einem Minus von 43 Prozentpunkten. Der Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegt bei plus 3 Punkten.

Unterschiedliche Investitionen

Die Investitionspläne wurden in den meisten Branchen kräftig gekürzt: besonders deutlich im Verkehrsbereich (Saldo minus 55 Prozentpunkte), bei den personenbezogenen Dienstleistern (minus 47 Prozentpunkte), bei den Investitionsgüterherstellern (minus 39 Prozentpunkte) und im Gastgewerbe (minus 38 Prozentpunkte). Weniger reduziert wird im Baubereich (Saldo minus 19 Prozentpunkte) und im Einzelhandel (Saldo minus 20 Prozentpunkte. Der Großhandel und die Verbrauchsgüterproduzenten halten ihre Investitionen per Saldo konstant.

Auch wenn die Investitionsabsichten abgenommen haben, wird dennoch weiter investiert. Der Großteil der weiterhin geplanten Investitionen der regionalen Unternehmen fließt in den Ersatz von Maschinen und Anlagen sowie den Bestand von Gebäuden. 64 Prozent der Betriebe geben aktuell Ersatzbedarf als ein Hauptmotiv für ihre geplanten Investitionen an (Mehrfachantworten bei den Motiven waren möglich). Eine Kapazitätserweiterung spielt nur noch bei 17 Prozent der Investitionen eine Rolle. In früheren Umfragen diente fast jede dritte Investition der Kapazitätsausweitung. Treiber für geplante Investitionen sind auch Rationalisierungsbestrebungen (30 Prozent), Produktinnovation (26 Prozent) oder Umweltschutz (16 Prozent; deutlich mehr als in früheren Umfragen).

Angesichts der aktuellen Situation fordern die IHKs in Deutschland neben den Hilfen für die besonders betroffenen Branchen bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören staatliche Investitionen in Digitalisierung, Innovationen, Forschung, Glasfaser- und Mobilfunkausbau, Klimaschutz und eine bessere Verkehrsinfrastruktur. Durch einen Abbau bürokratischer Hürden sollten Planungs- und Genehmigungsverfahren wesentlich beschleunigt werden. Eine Unternehmenssteuerreform mit verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten würde das Investitionsverhalten der Unternehmen ebenfalls fördern. Die Politik sollte ihr Augenmerk nicht nur auf die Bewältigung der Pandemie legen, sondern auch auf die Zeit danach und die Krise als Chance nutzen, die Grundlagen für einen Aufschwung jetzt zu verbessern.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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