Herausforderung für das Ehrenamt im DRK

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Die Tage berichtete ich davon, wie sich der Rettungsdienst des DRK Kreisverbandes auf eine mögliche Krise vorbereitet und mit welchen Herausforderungen er zu kämpfen hat. Doch auch die rund 350 ehrenamtlichen Mitglieder des DRK Limburg befinden sich in Einsatzbereitschaft und kämpfen mit verschiedenen Dingen.

Drei große Probleme beschäftigen derzeit Kai Brunner, stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter beim DRK Kreisverband Limburg. Es fehlt die Klarheit, wann und wie die ehrenamtlichen Katastrophenhelfer zum Einsatz kommen, damit sie sich darauf vorbereiten können. Zudem fehlt es insgesamt an Helfern und Freiwilligen an der Basis. Diese dann mit adäquater Schutzkleidung auszustatten, ist ebenfalls ein Problem. Bei all dem würde sich Brunner wünschen, wenn die Gesellschaft stärker das ehrenamtliche Engagement sehen würde, welches bereitsteht, wenn es darauf ankommt.

Vielfältige Einsatzbereiche

Dabei warten diese nicht nur jetzt auf ihren Einsatz. Sie stehen bereit, trainieren und üben, um sich auf den Notfall vorzubereiten. Über Erste-Hilfe-Kurse sind es die Ehrenamtler, welche die Mittel für die Erstversorgung in die Breite der Gesellschaft bringen. Es sind Ehrenamtler, welche das „Essen auf Rädern“ organisieren und die als „Helfer vor Ort“ die ersten bei einem Notfall sind, wenn es um Leben und Tod geht und den Rettungsdienst unterstützen. Und es sind Ehrenamtler, die bei der Blutspende die Infrastruktur vor Ort stellen und mit unterstützen. Es sind Ehrenamtler die bei einem Großunfall auf der Autobahn unterstützend tätig sind und die Versorgung oder den Transport von Verletzten übernehmen. Es sind Ehrenamtler, die mit der Rettungshundestaffel unterwegs sind, um vermisste Personen zu suchen. „Bereits ohne die jetzige Herausforderung, von denen hier nur ein paar genannt sind, gibt es bei mir keinen Tag ohne DRK“, fasst Kai Brunner zusammen.

Anpassung durch den Coronavirus

Und es sind alle diese Strukturen, die trotz der derzeitigen Situation überdacht und angepasst werden mussten zum besten Schutz der Aktiven. Beim „Essen auf Rädern“ sind unter anderem viele Fahrer selbst in der Risikogruppe eingestuft und Abstand zu den belieferten Menschen ist nicht immer möglich. „Also haben wir einen Aufruf gestartet, so dass jetzt jüngere DRKler und Nicht-DRKler die Fahrten übernehmen und unsere älteren Helfer geschützt sind“, so Brunner.

Auch wurde abgewogen, ob ein laufender Sanitätskurs weiter durchgeführt werden kann. Da am Ende des Kurses jedoch 20 weitere Sanitäter zur Verfügung stehen, hat man sich dazu entschlossen, diesen unter erhöhten Hygienemaßnahmen zu Ende zu bringen. Auch andere wichtige freiwillige Dienste finden trotz erhöhtem Risiko weiterhin statt. Das führt dazu, dass der Bedarf an Schutzkleidung gestiegen ist. „Wir nehmen selbst Geld aus unserem ehrenamtlichen Budget in die Hand, um den Helfern einen adäquaten Basisschutz zu gewährleisten. Aber wir brauchen Unterstützung und der Kreis und das Land müssen einen Anteil tragen“, so Brunner.

Aktivierung des DRK Krisenstabes

Doch es sind nicht nur die erhöhten Hygienevorschriften, was die DRKler beschäftigt. Am 13. März aktivierte der DRK Landesverband Hessen seinen Krisenstab und auch im Landkreis wurde parallel der ehrenamtliche DRK Krisenstab einberufen. Seitdem ist die DRK Kreisleitung sieben Tage die Woche rund um die Uhr ansprechbar. Dennoch handelt es sich um eine schwierige Vorphase, in der es noch keine gesetzlichen Grundlagen für den Katastrophenschutz gibt, der im Landkreis ehrenamtlich aufgestellt ist. Diese treten erst ein, wenn der Katastrophenfall ausgerufen wird. „Derzeit sind wir auf das Verständnis des Arbeitgebers angewiesen, dass der uns eine sehr flexibel Arbeitsgestaltung für unsere Aufgaben im Ehrenamt einräumt“, erläutert Brunner. Dennoch befinden sich alle Einheiten bereits jetzt in Alarmbereitschaft. Diese muss nicht nur im Landkreis bestehen, sondern sie können auch zu anderen Einsatzorten in Hessen gerufen werden. „Bayern hat alles richtig gemacht, denn mit dem Ausrufen des Katastrophenfalls wurde rechtliche Sicherheit für die Ehrenamtler geschaffen.“

Umdenken auf allen Ebenen

Auf allen Ebenen findet ein Umdenken statt. Durch das social distancing ist ein regelmäßiges Treffen nicht mehr möglich und dennoch muss sich regelmäßig miteinander beraten werden. Das Miteinander findet jetzt im digitalen Raum statt. Zum Glück habe der Kreisverband bereits vor drei Jahren in eine cloudbasierte Infrastruktur investiert, so dass die Informationsstrukturierung leichter umgesetzt werden konnte als völlig bei null anzufangen.

Eine weitere Herausforderung in der momentanen Situation ist es, darauf zu achten, die Helfer nur einmal zu verplanen. „Alle Katastrophenschutzhelfer dürfen derzeit nicht woanders eingesetzt werden, diese Verpflichtung haben wir gegenüber dem Land abgegeben“, so Brunner. Diese Ehrenamtler müssen jederzeit abrufbar sein. Zudem fand eine Abfrage statt, wer als Helfer zur Risikokategorie zählt. Im Rahmen dieser Pandemie kommen völlig neue Themen hoch, über die man sich früher nie so tiefgreifend Gedanken machen musste, jetzt ist vieles anders! Und obwohl die Helfer alle regelmäßig untersucht werden, sind die Voraussetzungen jetzt völlig andere. „Wir schauen ganz genau, wie und wer verfügbar ist und wo die Helfer eingesetzt werden könnten.“

Wünsche an die Gesellschaft

Abschließend sagt Kai Brunner aber auch, dass der Kreisverband in seinen ehrenamtlichen Strukturen sehr gut aufgestellt ist, weil auch die Ortsverbände die letzten Jahre viel in ihre Infrastrukturen investiert haben. „Das kommt am Ende der Bevölkerung des Landkreises zugute und diese kann sich auch in dieser Krise auf das Deutsche Rote Kreuz verlassen.“, so Brunner.

Zwei Wünsche hat er noch am Ende. Zum einen würde er sich wünschen, dass nach der Krise mehr Menschen das DRK verstärken. In der Bandbreite des gesamten Hilfeleistungssystems gebe es so viele Aufgaben, dass sich für jeden etwas findet. Und zum anderen hat er eine Bitte: „Liebe Gesellschaft, jeder trägt jetzt zum Schutz der anderen bei. Lasst uns gemeinsam nach dem Mission Statement des Roten Kreuzes ‘Das Leben von Menschen in Not und sozial Schwachen durch die Kraft der Menschlichkeit verbessern‘ und mit  Disziplin und Respekt gegenüber unseren Mitmenschen durch dieses Krisenzeit gehen, so dass wir bald wieder in den Normalmodus reinkommen.“

Lesenswert auch der Artikel „DRK Kreisverband bereitet sich auf die Krise vor“


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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