„Höchste Eisenbahn“ beim Klimaschutz

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Welche physikalischen Hintergründe stecken hinter dem Klimawandel? Wodurch wird das Klima beeinflusst und gibt es den Klimawandel? Dies alles waren Fragen beim Abend der Grünen Dienstagsgesellschaft in Hadamar. Zu Gast war Prof. Dr. Stefanie Meilinger von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, welche über die Physik des Klimawandels sprach. 

Das Fazit von Stefanie Meilinger an dem Abend war, dass es den Klimawandel gibt. Und auch wenn er von einigen natürlichen Parametern beeinflusst wird, so trägt der Mensch doch den größten Anteil daran, weil er einige Parameter in starkem Maße verändert hat. „Es ist dringend Klimaschutz notwendig, wenn wir überleben wollen“, so ihr Appell an die Anwesenden.

Das globale Klima zählt

Natürlich musste zu Beginn erstmal geklärt werden, was Klima eigentlich ist. Das Klima ist der mittlere Zustand der Atmosphäre und wird ausgedrückt über Mittelwerte, welche über einen bestimmten Zeitraum genommen werden. Diese Mittelwerte wurden gezogen über 30 Jahre, 100 Jahre oder 1000 Jahre. Für diese Mittelwerte wird häufig die Temperatur genommen, kann aber auch von den Niederschlägen oder der Luftfeuchtigkeit ermittelt werden. Das globale Klima ist der Mittelwert von allen Werten vom ganzen Globus gemittelt. Mikroklima beschränkt sich auf eine Region, eine Stadt oder einen Wald. Wichtig dabei ist, dass die Messungen homogen vorgenommen werden. Seit 150 Jahren gibt es Wetterbeobachtungen und seit 30 Jahren standardisierte Messgeräte. Zusätzlich zur Betrachtung des Klimas werden auch historische Beobachtungen ausgewertet über Blüte, Ernten oder Vogelzüge. Weitere Informationen bis zu 400.000 Jahren liefern Eisbohrkerne.

Durch all diese Daten kann sehr genau ein Klimatrend aufgezeigt werden und dieser zeigt eine steigende Kurve. „Je nach Zeitraum haben die Kurven unterschiedliche Steigungen, aber alle Kurven zeigen auf Dauer eine Erwärmung“, so Meilinger. Dabei geht es nicht um einzelne Jahre, es gebe immer wieder Abweichungen, sogenannte Anomalien. „Was in einem einzelnen Jahr ist, sagt nichts über den Trend aus“, so die Wissenschaftlerin weiter. Seit 1976 sei der globale Durchschnittswert immer höher als der Jahrhundertdurchschnitt. Und seit 2005 gab es neun der zehn wärmsten Jahre. Meilinger verwies nochmal darauf, dass es hier um das globale Klima geht. Auf einzelne Regionen betrachtet ergeben sich auch mal andere Werte, aber global gibt es eine Erwärmung.

Erwärmung der Ozeane

Neben der globalen Klimaerwärmung kann auch eine Ozeanerwärmung festgestellt werden. In den letzten 100 Jahren hat sich das Oberflächenwasser um rund 1 Grad erwärmt. Auch in den tieferen Schichten findet eine Erwärmung statt. Die Erwärmung der Ozeane ist wichtig, dass CO2 im Wasser gelöst hat. Bei einer bestimmten Temperatur kann das CO2 nicht mehr im Wasser verbleiben und wird an die Atmosphäre abgegeben. „Es besteht die Angst, dass die Ozeane diesen kritischen Wert erreichen“, so Meilinger. Zudem ist ein Teil des Anstieges der Ozeane auf die Erwärmung zurückzuführen, da sich warme Körper stärker ausdehnen. Auch hier muss sie wieder die Einschränkung machen, dass es regionale Unterschiede geben kann. So ist die Erwärmung auf der Südhalbkugel stärker als auf der Nordhalbkugel.

Eine weitere Zunahme des Wassers ist durch das Schmelzen der Gletscher zu begründen. So sind von 2002 bis 2011 rund sechsmal soviel Grönlandeis und fünfmal soviel antarktisches Eis geschmolzen wie in den zehn Jahren zuvor. Leider haben die Alpengletscher seit 1850 zwei Drittel ihres Volumens verloren. Dies führt zu Problemen in der Wasserversorgung, da die Gletscher viele Flüsse einspeisen. Dies zeigte sich bereits problematisch im letzten Jahr, als aufgrund der Dürre der Rhein nicht mehr befahren werden konnte und es Engpässe in der Benzinversorgung gab.

Schwankungen schon immer gegeben – wo ist der Unterschied?

Anhand der Untersuchungen der Eisbohrkerne konnte nachgewiesen werden, dass es in den letzten Jahren regelmäßige Schwankungen zwischen Warm- und Eiszeiten gab. Gerne wird dies als Argument herangeführt, dass es sich jetzt auch nur um eine natürliche Schwankung handelt. Derzeit befinden wir uns in einer Warmzeit und viele Klimwandelgegner argumentieren, dass darauf wieder eine Eiszeit folgen werde. Doch dies sei nicht so einfach, so Meilinger. Die Treibhausgase wie CO2 und Methan habe es schon immer in der Atmosphäre gegeben. Doch der jetzige Wert liegt ein Drittel über den historischen Maximalwerten. „Dies ist ein Alarmzeichen, denn es zeigt einen Anstieg der anthropogenen (d.h. vom Menschen verursacht, Anmerkg der Red) Treibhausgase. Dieser Anstieg setzte mit der Industrialisierung ein und den gab es vorher nicht. „Wir haben ein Level erreicht, welches wir vorher noch nie gehabt haben“, so die Wissenschaftlerin weiter.

Problem der Treibhausgase

Warum stellen die Treibhausgase ein Problem dar? Weil sie für die Erwärmung verantwortlich sind. Wenn die Sonnenenergie auf die Erde trifft, wird ein Teil absorbiert, ein Teil reflektiert. Durch die Sonneneinstrahlung wärmt sich die Erde auf und gibt wiederum Infrarotstrahlung, also Wärmestrahlung ab. Ein Teil gelangt in den Weltraum, ein Teil wird von den Wolken zurückgespiegelt und ein großer Teil wird von den Treibhausgasen absorbiert. Diese Infrarotstrahlung wird beim Aufeinandertreffen mit den Gasmolekülen in Schwingungen versetzt und erzeugt wiederum Wärme. Je mehr Gase vorhanden sind, um so mehr Strahlung wird von den Molekülen abgefangen und in Schwingungen umgewandelt. Diese Wärme verbleibt in der Atmosphäre. Ohne die Treibhausgase wäre es auf der Erde um 33 Grad kälter, sie ermöglichen ein angenehmen Leben auf der Erde. „Aber wohin führen die hohen Konzentrationen hin“, stellte Meilinger die Frage in den Raum.

Durch alle die Datenmengen, die es gibt, ist es möglich, Berechnungen für die Zukunft zu erstellen sowie Prognosen zu äußern. Diese modelbasierten Klimaszenarien werden mit unterschiedlichen Werten gerechnet, so dass die Wissenschaft davon ausgeht, dass bei der gleichen Menge an CO2-Emissionen die Temperatur in den nächsten Jahren um 8 Grad ansteigt. Bei weniger Emissionen folgt noch immer ein Anstieg um 2 Grad und bei einer starken Reduktion an CO2 Emissionen könne das Level von heute beibehalten werden. Die Gaskonzentrationen aber auch die Temperaturen gab es vorher noch nie in der Menschheitsgeschichte. „Wir wissen nicht, was das für uns bedeutet“, so Meilinger. Aber für sie ist klar, dass es den Klimawandel gibt und das dringend Handeln geboten ist.

Diskussion über das Handeln

Doch was getan werden, um diesen Weg aufzuhalten und eventuell eine Umkehr zu schaffen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Für den einen beginnt der Beitrag bereits vor der Haustür mit Kleinigkeiten wie auf den ÖPNV umzusteigen, Müll zu vermeiden und bewusster zu leben. Für andere Diskussionsteilnehmer ist dieser Beitrag zu klein, um wirklich etwas zu bewirken. Am Ende läuft es auf drei Dinge hinaus – das eigene Handeln, die Entwicklung klimagerechter Technik sowie Regularien durch die Politik wie zum Beispiel eine vernünftige CO2-Bepreisung.

Auch wurde in der Runde bedauert, dass die Wissenschaft in der Bevölkerung keine große Rolle spielt. Manch einer würde sich wünschen, wieder zurück zu faktenbasierten Entscheidungen zu kommen und die Wissenschaft mit einzubeziehen.

Wer mehr zu dem Thema erfahren möchte, findet viele interessante Beiträge auf dem Bildungsserver.

Den vollständigen Vortrag von Prof. Meilinger finden sie hier unter Physik_des_Klimawandel.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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