Hotel in Elz nur mit Investor möglich

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Die Gästezahlen in der Region geben es her und Platz wäre auch vorhanden für ein Hotel in Elz. Doch leider gibt es in Elz keine natürliche Nachfrage, so dass diese erst mit einer guten Vermarktung erzeugt werden muss. Was Elz braucht, ist ein Investor mit Herzblut, der an der Region hängt und in sie investieren möchte.

Dies war das Ergebnis in der Ortskernkommission am Dienstagabend, in welcher Elke Schade von der Beratungsgesellschaft GEM Reutlingen mit ihrer Machbarkeitsanalyse das Für und Wider einer Hotelansiedlung auf der Fläche des ehemaligen Hotel Schäfers aufzeigte. Das Thema der öffentlichen Sitzung stieß auf großes Interesse, denn über 20 Besucher lauschten dem Vortrag.

Investor gesucht

Eine Kernaussage der Hotelexpertin war: „Wenn sie keinen Investor haben, der da mit Herzblut dran geht, dann lassen sie es.“ In ihrer Analyse zeigte sie auf, dass sich ein solches Projekt nur lohnen würde ab 32 Zimmer aufwärts. Darunter rechnet sich ein solches Vorhaben nicht. Je nach Größe würde die Realisierung 6,9 Millionen Euro für 48 Zimmer oder 8,6 Millionen Euro für 64 Zimmer kosten, von denen der Investor rund 30 Prozent Eigenanteil investieren müsste.

Mit diesem Ergebnis beschloss die Kommission einstimmig, nun eine Interessenbekundung zu starten. Kurz und knapp formuliert die Gemeinde ihre Wünsche: „Die Gemeinde Elz beabsichtigt, an zentral gelegener Stelle eine Fläche von rund 2300 Quadratmetern, die bisher mit einem Hotel, zusätzlich mit einer Gaststätte und einer ehemaligen Drogerie mit Wohnhaus bebaut war, komplett einer neuen Nutzung zuzuführen.“ Folgende Zielsetzung ist der Gemeinde wichtig, auf die sich Investoren nun melden können.

  • Gewünscht wird die Kombination von Hotel mit eigenständiger Gastronomie, auch in Hinblick darauf, dass einige Gaststätten in Elz altersbedingt nicht mehr so lange bestehen werden.
  • Die Gemeinde kann sich vorstellen, dass auf der Fläche mehrere Gebäude errichtet werden mit einer gewerblichen Nutzung und Wohnen, die erforderlichen Stellplätze sollen in einer Tiefgarage geschaffen werden, auf der Oberfläche soll es lediglich einige Kurzzeitparkplätze zur Andienung des Hotels angeordnet werden
  • Im hinteren, von der B8 abgewandten Seite soll eine Platzgestaltung zur Steigerung der Aufenthaltsqualität mit viel Grün erfolgen, eine fußläufige Anbindung an die nördlich gelegene Bachgasse ist klar formulierter Wunsch für die zukünftige Entwicklung.

In der ehemaligen Drogerie befindet sich im Erdgeschoss auf 210 Quadratmetern derzeit eine Ergotherapie. Die Praxis möchte gerne am Standort bleiben. Auch eine Zahnarztpraxis ist daran interessiert, sich dort einzumieten.

Wenn sich darauf ein Investor meldet, könnte die Gemeinde in die weitere Planung einsteigen. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Für Dienstagabend stand erstmal die Frage im Raum, ob ein Hotel machbar wäre in der Gemeinde und unter welchen Bedingungen.

Steady

Chancen und Risiken des Standortes

Die Gemeinde Elz entwickelt sich laut Elke Schade sehr positiv. Sie begrüßte es, dass alle bestrebt sind, diese weiter voranzubringen. Mit der Lage zwischen dem Rhein-Main-Gebiet sowie Köln und dem Ruhrgebiet liegt Elz sehr verkehrsgünstig. Es gibt eine schnelle Anbindung an die nächsten Städte wie Limburg und Montabaur. Es besteht bereits ein gutes Radwegenetz, wobei die Expertin mehrmals darauf anwies, dass eine bessere Anbindung an den Lahntalradweg geschaffen werden sollte.
Die Nachfrage im Landkreis ist über die Jahre konstant und im Schnitt übernachten die Gäste 1,8 Tage hier. Zehn Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland. Insgesamt ist die Hotellerie und Gastronomiestruktur im Landkreis eher kleinteilig. Neben 72 größeren Betrieben sind 566 Betriebe als Kleingewerbe angemeldet.

Leider gibt es in Elz bisher keine natürliche Nachfrage. Da gehöre schon eine sehr gute Vermarktung und eine Besonderheit dazu, dass es die Gäste von den Hauptstrecken nach Elz zieht. Mit einem Allround-Hotel könnte die Gemeinde da nicht punkten. So könne sich die Expertin eine enge Verbindung zum Radtourismus vorstellen, welcher derzeit boomt. Ein Plus hierbei ist der Fahrradfachhandel im Ort.

Strikt abgeraten hat sie von einem Hotel mit Wellness-Charakter, denn der sei mit der Lage an der B8 absolut nicht zu erreichen. Auch war ihre Idee, sich nicht so auf die Gastronomie zu versteifen, sondern eher eine kleine Karte mit wenigen Gerichten anzubieten, als einen Restaurantbetrieb. Sie schlug zum Beispiel eine Kombination mit einer Bäckerei mit Bistrobetrieb vor. Nach ihren Erfahrungen würde sich was anderes nicht rechnen, auch wenn manche Kommissionsmitglieder der Meinung waren, dass eine gehobene Gastronomie die Gäste anziehen wird. Auch schlug sie vor, eine obere Etage für Dauermieter zu gestalten, welche berufliche immer einige Monate an einem Ort sein müssen und dann weiterziehen.

Diskussion in der Kommission

Die Vorstellung der Analyse erzeugte ganz unterschiedliche Reaktionen in der Kommission. Frank Tengler-Marx kann sich ein solches Vorhaben derzeit nicht vorstellen und tendiert eher in Richtung Pension. Auch Werner Wittayer (SPD) sieht nur schwer zu erfüllende Forderungen. Er stellte in Frage, ob sich ein Investor finden lässt. In Limburg würde die Hotellerie stagnieren und zudem stellt Limburg eine sehr scharfe Konkurrenz dar. Weiterhin gibt es auch in Limburg Pläne, weitere Übernachtungskapazitäten zu schaffen. „Es ist ein ungeheures Wagnis für die Gemeinde, in ein solches Projekt einzusteigen“, so Wittayer. Auch er sieht eher eine kleinere Lösung ähnlich einer Pension realisierbar als ein großes Hotel.

Michael Eidt (CDU) wies darauf hin, dass das ganze doch nicht gleich schon wieder zerredet werden muss. „Es ging heute um die Beantwortung der Frage, unter welchen Voraussetzungen ein Hotel machbar wäre. Das Ergebnis haben wir jetzt.“ Bastian Hofmann (CDU) fasste zusammen, dass es machbar ist. Die gleiche Antwort erhielt die Kommission bereits bei einer Sitzung mit Architekten, dass es machbar ist. „Es steht und fällt alles mit einem Investor.“

Die Kommission möchte die Analyse jetzt erstmal sacken lassen. Das Thema wird nur weiter vorangetrieben, wenn sich auf die Interessenbekundung ein Investor findet.

Ein weiteres Thema in der Kommission war ein möglicher Parkplatz in der Bachgasse, gegenüber vom Bürgerhaus: „Diskussion über 500.000 Euro für einen Parkplatz“


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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