In häufigen Nutzung Mehrwegsystem überlegen

Das Thema Mehrwegbecher in der Gastronomie und Bäckereien wird derzeit sehr kontrovers diskutiert. Von dem Mehrwegsystem Recup wollte ich wissen, wie es mit der Ökobilanz dieser Mehrwegbecher aussieht. Eine Studie aus dem Umwelt Bundesamt liefert ebenfalls gute Daten. 

Um ein Mehrwegsystem mit Erfolg einzuführen, müssen alle an einem Strang ziehen. Doch die Meinungen gehen sehr auseinander und es ist fraglich, ob eine Einigung möglich sein wird.

Mehrweg-Rechner für Kostenkalkulation

Auf der Internetseite zeigt das Unternehmen Recup auf, dass 12 verkaufte Getränke im Recup-Becher ausreichend sind, um Kosten zu sparen im Vergleich zum Einwegbecher. Jedoch wird kritisiert, dass Kosten wie für das Spülen nicht reingerechnet sind. Dem stimmt das Unternehmen zu. Laut Pressestelle kostet das System je nach Laufzeit weniger als ein Euro am Tag. „Die Becher werden bei uns geliehen, zum gleichen Pfandbetrag, für den sie dann auch an die Kundschaft weitergegeben werden. Das bedeutet hier entstehen keine weiteren Kosten für die Mehrwegalternative“, so die Pressestelle. Je mehr Kaffee und Getränke to-go ausgegeben werden, desto günstiger werde es für den Bäcker. Mit dem Mehrweg-Rechner könnte jeder Bäcker oder Gastronom seinen Verbrauch und seine Kosten kalkulieren.

Aber es sei nicht nur die Kostenseite zu betrachten, wenn über die Einführung eines Mehrwegsystem diskutiert wird. „In erster Linie sind wir eine nachhaltige Alternative zu Einweg. Diese geht im Besten Falle mit einer Kostenersparnis einher (wie das bei vielen unserer Partner:inner der Fall ist), welche aber nicht immer garantiert werden kann“, so die Pressestelle. Liegt die Systemgebühr etwas über der Gebühr der Einwegbecher, dann sei das System in finanzieller Sicht minimal rentabel. Doch meistens würden die Einwegkosten das doppelte und mehr betragen und dann rechne sich das System auf alle Fälle.

Mehrwegpflicht ab 2023

Zu der Ökobilanz zählt nicht nur der Weg im Pfandsystem, sondern auch die Herstellung und das Recyceln. Recup sammelt kaputte Becher und gibt diese an den Hersteller im Allgäu zurück, der sich um das Recycling kümmert. Aus dem Recyclat stellt er neue Dinge her. Eine eigene Ökobilanz kann das Unternehmen nicht nachweisen, arbeitet jedoch daran. Die Pressestelle weist darauf hin, dass auch gut abbaubare Einwegbecher einen enormen Ressourcenverbrauch mit sich bringen.

„Sie sind und bleiben ein Wegwerfprodukt und langen in den seltensten Fällen in einen Müll, wo es auf ihre Abbaubarkeit ankommt. Denn meist ist es in den Kompostieranlagen so, dass auch abbaubare Einwegprodukte leider viel zu lange brauchen und daher nur in der Theorie abbaubar sind. In der Realität müssen sie dann oft trotzdem verbrannt werden“, so die Pressestelle weiter. Zudem weist sie darauf hin, dass die kürzlich beschlossene Mehrwegpflicht für die Gastronomie auch viele (nicht alle) Bäcker ab 2023 verpflichtet, ihrer Kundschaft eine Mehrwegalternative anzubieten.

Am Ende betont die Pressestelle nochmal, dass sich das Unternehmen der aktuellen Lage bewusst ist und weiß, was es finanziell für die Anbietenden von to-go bedeutet. „Unsere Aufgabe ist es ein System anzubieten, was einfach, verständlich und möglichst kostenneutral ist, sowohl für Anbietenden als auch die Kunden. Allerding müsse es sich auch für die Umwelt rechnen. Die kontroversen Diskussionen führen dazu, dass die Fürsprecher für das System zweifeln und ihren Einsatz für die Einführung des Systems zurückfahren. Enttäuschung schwingt mit im Gespräch mit ihnen. Die Prozesse in der Politik ziehen sich. Vor September geht es da nicht weiter.

Vergleich Einweg- und Mehrwegbecher

Aber egal, von welcher Seite aus es betrachtet wird – von der finanziellen oder der nachhaltigen – von alleine kann sich so ein System nicht etablieren. Dies fand das Umwelt-Bundesamt Ende 2018 in der Studie zur „Untersuchung der ökologischen Bedeutung von Einweggetränkebechern im Außer-Haus-Verzehr und mögliche Maßnahmen zur Verringerung des Verbrauchs“ heraus.
Diese Studie beschäftigt sich mit Entsorgung der Einwegbecher sowie mit der Ökobilanz verschiedener Systeme. Sie zeigt auf, dass bei den Einwegbechern bereits die Wahl für oder gegen einen Deckel eine große Auswirkung auf die gesamte Ökobilanz hat. Ein Papierbecher mit Deckel verliert seine ganzen Vorteile.

Unter Einbeziehung aller Daten entsteht eine weite Range. Die Umweltlasten aller Einwegheißgetränkebecher entsprechen den Umweltlasten von 2.000 bis 7.200 Deutschen. 2018 war eine Schlussfolgerung der Studie, dass der Polystyrolbecher die vorteilhafteste Ökobilanz hatte. Auch die Produktionsstätte der Becher spielt eine Rolle. Je weiter der Herstellungsort vom Zielmarkt entfernt ist, um so schlechter fällt die Ökobilanz aus. Die Entsorgungswege haben hingegen bei den Einwegbechern jedoch nur einen geringen Einfluss auf die Ökobilanz.

Gute Bilanz bei vielen Umläufen

Bei den Mehrwegbechern kommen weitere Schritte hinzu, die mit in die Ökobilanz hineinfließen. So spielt die Energiebereitstellung für den Reinigungsprozess der Mehrwegbecher eine große Rolle. Bei einer Umlaufzeit von rund 25 haben Herstellung und Entsorgung nur noch einen geringen Einfluss auf die Ökobilanz der Mehrwegbecher. Bei einem Umlauf über 50 fallen diese Parameter von der Gewichtigkeit ganz weg.

Werden die Gesamtheit aller Einwegbecher durch Mehrwegbecher ersetzt, dann ist der Mehrwegbecher etwas im Vorteil, was die Gesamtbilanz betrifft im Vergleich zu den Einwegbechern. Unterstützt werden kann dies, wenn der Mehrwegbecher viele Umläufe durchläuft, ohne Deckel abgegeben wird und die Spülung mit Grünstrom erfolgt. Jedoch sei festgehalten, dass Mehrwegbecher mit geringem Umlauf wenig positive Auswirkungen haben. Jedoch zeigte sich in der Studie auch, dass auch die Einwegbecher noch Potential haben. Nämlich dann, wenn eine Aufklärung über die richtige Entsorgung stattfindet und die Becher nicht nur in der Verbrennung landen, sondern im Recycling.

Stärkste Einfluss durch Gastronomen und Bäcker selbst

Am Ende sind es die Gastronomen und Verkäufer, die dafür sorgen, welches System angenommen wird. Den größten Einfluss für oder gegen das Mehrwegsystem haben diese mit ihren Empfehlungen. Auch Werbung für das System verschafft Aufmerksamkeit. Ein gutes Echo gibt es auch, wenn ein Standort wie eine Kommune ein solches System gebündelt einführt. Ein gemeinsames Werben generiert ganz andere Aufmerksamkeit, als wenn jeder Unternehmer für sich allein werben muss.

Zurück auf Limburg kommend, zeigt sich das Problem. Die verschiedenen Parteien, Gastronomen und Bäcker diskutieren das Mehrwegsystem derzeit sehr kontrovers. Die SPD in Limburg wie auch in Elz plädieren für die Einführung eines solchen Systems. Bäcker Dominique Huth sitzt für die CDU im Stadtparlament und ist gegen das System. Auch andere Bäcker äußern Kritik. Von vier Gastronomen, die derzeit das Mehrwegsystem anbieten, ist noch kein Funken übergesprungen auf die anderen Gastronomen. Je weniger mitmachen, umso weniger lohnt sich dieses System und so dürfte es interessant werden, ob das Mehrwegsystem noch einen Push erhält oder im Sande verrinnt.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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