Integration und Inklusion mit EMSI leben

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Die Emsbachtalschule in Brechen möchte nicht nur ein reiner Ort der Wissensvermittlung sein. Der Mensch soll im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Dazu gehört auch das Miteinander aller an der Schule. Das Projekt stellte Schulleiter Bernd T. Steioff am Samstag bei „Wir sind mehr“ auf dem Europaplatz vor.

Der Verein „Wir sind mehr“ lud am Samstag zu einer Klappstuhlsession ein, um ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung zu setzen und sich für Toleranz und Gleichberechtigung einzusetzen. Diese Werte werden an der Emsbachtalschule gelebt und so freute sich Schulleiter Bernd T. Steioff, das Schulprojekt in diesem Rahmen vorzustellen. Er bedankte sich beim Verein „Wir sind mehr“ sowie der Vorsitzenden Jutta Lippe, dass sie als einzige Schule im Landkreis einen Beitrag zur Veranstaltung beitragen durften. Einen besonderen Dank spricht Bernd T. Steioff darüber hinaus an Martin Kaiser und  Patricia Schubert als Vertreter des Landkreises und Ansprechpartner für das Bundesmodellprojekt „Demokratie leben“ aus. Weiterhin hat die Schule mit der Jugend- und Sozialarbeiterin der Gemeinde Brechen, Madlen Wagner, viele Projekte finanziell gefördert oder sogar komplett finanziert bekommen.

Kooperation zwischen Landkreis und Schule

Viele Präventionsprojekte an der Schule sind nur realisierbar durch die Kooperation mit dem Landkreis, der als Vermittler zwischen Bund und Schule auftritt. Dank ging auch an den 1.Beigeordneten des Landkreises, Jörg Sauer, welcher ebenfalls die Veranstaltung durch sein Kommen unterstützte und damit Gesicht gegen Fremdenfeindlichkeit zeigte. Steioff bedankte sich bei ihm speziell für seine Unterstützung im Bereich kulturelle Bildung. Doch nicht nur die Kooperation zum Landkreis ist ein wesentlicher Faktor zum Gelingen der Projekte.

Vor allem auch die engagierten Kolleg:innen vor Ort bemühen sich mit viel Zeit, Geduld, Zuneigung und Herzblut darum, dass es den Kindern und Jugendlichen an der Schule von Jahr zu Jahr besser gelingt, Integration und Inklusion zu leben. „Neben dem Sport, der sicher eine hohe Integrationskraft besitzt, bietet die Schule im Emsbachtal Lernen und Leben im Ganztag in und mit Vielfalt“, so Steioff, „Kinder und Jugendliche aus rund zwanzig verschiedenen Nationen lernen in Grund- Haupt und Realschule seit über zehn Jahren in Projekten. Jedes Jahr bietet die Schule rund 20 bis 30 zusätzliche Arbeitsgemeinschaften von A wie Anmalen, Sprayen und Gestalten bis Z wie Zusammen Hühner versorgen und pflegen!“

EMSI als Unterstützung der Kinder und Jugendlichen

Die Projekte müssen die Kolleg:innen nicht alleine stemmen. Ihnen zur Seite steht ein lilafarbener Wurm, auch EMSI genannt. EMSI steht stellvertretend für alle, die sich verloren fühlen und auf der Suche sind. Er vertritt alle Kinder mit Beeinträchtigungen aller Art, Jugendliche in der Pubertät und Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und nun auf der Suche nach einem neuen zu Hause sind. Er steht damit auch stellvertretend für Integration und Inklusion. „Es gibt so viel zu entdecken“, bringt es der Schulsong auf den Punkt.

Jedes Kind und jeder Jugendlicher setzt sich mit tausenden von Fragen auseinander. Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Wo passe ich hin? Was möchte ich machen? Jetzt und später? Im Laufe der Persönlichkeitsentwicklung und des Heranwachsens stellen sich alle immer wieder diese Fragen. „Fragen deren Beantwortung lange Zeit nur Privatsache war“, erklärt Steioff, „Doch je mehr Zeit Menschen an anderen Orten verbringen, ob in der Krippe, im Kindergarten, oder in der Schule, umso mehr wird die Beantwortung dieser Fragen auch eine Aufgabe von Kindertagesstätten und der Schule.“ Daher möchte sich auch die Schule im Emsbachtal dieser Aufgabe stellen und hat sich im digitalen und medialen Zeitalter dieser Aufgabe genähert und möchte Kindern, Eltern und Freunden der Schule ein anderes Bild von Schule vermitteln: Die Zeiten in denen Schule nur ein Ort reiner Wissensvermittlung war, sind im Zeitalter des World-Wide-Web, der Digitalisierung, der Informations- und Reizüberflutung vorbei. Im Mittelpunkt steht nicht mehr nur, den Menschen Allgemeinwissen zu vermitteln, sondern der Mensch selbst wird zum Mittelpunkt schulischen Handelns. „Schule muss die jungen Menschen auf ihrem Weg zur eigenen Persönlichkeit begleiten“, so der Schulleiter.

Vollwertige Menschen mit Rechten und Pflichten

„An unserer Schule lernen rund 40-50 Kinder mit Inklusions- und Integrationsbedarf mit rund 350-400 sogenannten „normalen Kinder“ und wir stellen fest, dass alle Kinder und Jugendlichen neben ihren Schwächen große Stärken und positive Erfahrungen einbringen und das Kind mit einer Behinderung dem Jugendlichen mit oder ohne  Migrationshintergrund zeigt, dass man trotzdem ein vollwertiger Mensch mit Rechten und Pflichten ist“, gibt Steioff einen Einblick in das Miteinander.

Obwohl die Schule viele positive Erfahrungen bereits sammeln konnte, könnte es noch besser sein, ist er der Meinung. Vor allem würde er sich wünschen, dass an allen Schulen im Kreis eine so gut funktionierende Schulsozialarbeit installiert wird. Seiner Meinung nach müsste auch der Soziale Dienst im Kreis viel stärker gefördert werden, damit er seine verdienstvolle Aufgabe noch besser ausüben kann und mehr Fachpersonal für das Begleiten der Kinder einstellen kann.

„Auch wäre es einer reichen Gesellschaft wie der unseren  nicht nur möglich, sondern es ist unseren Erachtens nötig, dass mehr Kinder- und Jugendpsychologen an den Schulen fest angestellt werden und nicht nur am Schulamt angesiedelt werden und dort überwiegend die Probleme registrieren bzw. verwalten und nur selten dazu kommen, sich mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen und ihnen durch Tipps und Therapiezuführung, die oft notwendige Hilfe zukommen zu lassen“, äußerte er sich, „Einen schlimmen Fall vom allein gelassen sein, haben wir leidvoll in Solingen in den letzten Tagen erleben müssen. Nun werden wieder, wie bei vielen solcher Fälle, die Rufe nach Unterstützung und Therapieangeboten laut und in vier Wochen ist das Thema abgehakt und die Betroffenen werden wieder alleine gelassen oder müssen Monate, manchmal Jahre lag auf eine Therapie oder Hilfe warten.“ Es gibt aber auch Lehrkräfte und Pädagogen, die sogar zunehmend häufiger sogar Sozialpädagogen und Lehrer sind, wie Tobias Biedert, der sogar noch ein begnadeter Musiker ist. Mit seiner Band „4 Zimmer, Küche, Bad“ setzt er mit dem aktuellen Song „Die Vergessenen“ ein Zeichen für Empathie und Wertschätzung unserer demokratischen Werte.

Wertschätzung für jeden Einzelnen

„Kinder, Jugendliche und deren Eltern müssen zudem die Wertschätzung erfahren, die wir alle brauchen und wollen und wenn neben der Wertschätzung auch noch die soziale Anerkennung auch in Form von echter Belohnung, der Volkswirtschaftler spricht von fairem Lohn oder Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten, müssen Menschen, auch und gerade in Deutschland keine Angst haben in die Bedürftigkeit oder Sozialhilfe (Hartz4) abzurutschen. Damit wird dem Hass und der Schuldzuweisung an Hilfesuchende aus dem In- und Ausland der Nährboden entzogen und Rassismus weitgehend verhindert werden können“, so Steioff zum Abschluss, „Wohin das Gegenteil führt haben wir vor über 80 Jahren und nicht zuletzt in Berlin und Hanau erlebt.“

Das möchte er nicht, die Schule nicht und niemand, mit dem er zusammen arbeitet: „Das wollen wir nicht! Wir sind mehr und wollen durch unser Beispiel andere Schulen, Eltern, Kinder und Jugendliche ermutigen, nicht gegeneinander zu leben, sondern miteinander Erfahrungen zu sammeln, wie Gemeinschaft stark macht und Liebe fühlbar macht!“

Emsi Maskottchen Emsbachtalschule


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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