Irmgard Claudi: „Seit rund zehn Jahren bin ich die einzige Frau im Gemeindeparlament“

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Irmgard Claudi ist die einzige Frau im Gemeindeparlament Elbtal und Fraktionsvorsitzende der CDU. Zudem wirkt sie politisch im Landkreis mit.

Mit ihr sprach ich über Frauen in der Kommunalpolitik, über ihr Engagement und welche Wünsche sie für die Zukunft hat.

Wenige Frauen im Kommunalparlament

Seit wann sind Sie in der Politik?

Irmgard Claudi: Seit 1990. Da war ich wieder komplett in Elbtal zurück, wir haben hier gebaut und ich wollte mich engagieren. Ich bin bei der Kommunalwahl angetreten, jedoch nicht direkt gewählt worden. Innerhalb von einem halben Jahr bin ich jedoch nachgerückt ins Gemeindeparlament. Damals gab es noch zwei weitere Frauen im Parlament. Seit rund zehn Jahren bin ich die einzige Frau.

Was glauben Sie, woran es liegt, dass in den Kommunalparlamenten so wenige Frauen sitzen?

Irmgard Claudi: Ich bin selbst permanent auf der Suche nach neuen Leuten, die mit uns arbeiten wollen. Diese müssen nicht zwingend Parteimitglieder sein. Wir haben eine Menge bei uns, die parteilos sind. Bei den Frauen, gerade bei den jüngeren Frauen, bekomme ich oft zu hören, dass sie keine Zeit haben, Kinder haben und sich dann eher in der Schule oder woanders engagieren. Bei vielen jungen Frauen spielt der Zeitfaktor eine große Rolle. Mir tut das leid. Wir haben nächstes Jahr Kommunalwahl und ich bin am Suchen, aber die Bretter sind extrem dick, die ich da bohren muss.

Auch auf Kreisebene haben wir wenige Frauen, die kandidieren. Aber es muss auch ehrlich gesagt werden, dass es ein hoher Zeitaufwand ist. Ich hatte nie ein Problem damit. Mein Arbeitgeber war immer sehr offen für ehrenamtliches Engagement. Aber wenn Sie in einem kleineren Unternehmen arbeiten, sieht dies schon wieder anders aus. Kreistagssitzungen am Vormittag oder noch zusätzliche Ausschusssitzungen sind ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wenn Frauen in den Beruf einsteigen oder auch Wiedereinsteiger sind, dann kann ich es verstehen, wenn sie sich erstmal auf ihre Karriere konzentrieren wollen. Es ist schade, denn ich hätte gerne mehr Frauen. Vor allem auf Gemeindeebene liegt mir dies sehr am Herzen.

Ist es schwierig, sich als Frau Gehör zu verschaffen oder sind Sie gleichberechtigt?

Irmgard Claudi: Es ist absolut gar kein Problem. Auf Gemeindeebene sind wir ein tolles Team, eine tolle Truppe. Auch auf Kreisverbandsebene mit Andreas Hofmeister als Vorsitzenden und allen anderen habe ich nicht das Gefühl, dass ich nicht gehört werde. Das Gefühl habe ich auch noch nie gehabt.

Frauen- und Männerthemen?

Werden die verschiedenen Themen unterteilt in „Frauen-„ oder „Männerthemen“?

Irmgard Claudi: Nein. Bei den Ausschussbesetzungen wird geschaut, wo die Leute Interessen und Schwerpunkte haben. Aber es ist nicht so, dass die Frauen automatisch zu Jugend und Soziales gehen und die Männer zum Haupt- und Finanzausschuss. Früher war ich in der Gemeinde immer im Haupt- und Finanzausschuss. Doch jetzt haben wir die komfortable Situation, dass wir insgesamt gut vertreten waren und ich dafür gute Leute hatte. Daher bin ich in den Ausschuss für Jugend und Soziales, da mir dieser am Herzen liegt. Jugendarbeit als Thema liegt mir schon immer am Herzen.

Kann man dennoch sagen, dass Frauen anders Politik machen?

Irmgard Claudi: Ein Stück weit schon. Bei dem einen oder anderen Thema haben wir eventuell einen anderen Blickwinkel. Eventuell schauen wir drauf, welche Auswirkungen eine Entscheidung hat. Am Beispiel Kindergarten kann ich nicht nur die reinen Zahlen betrachten, sondern mache mir auch Gedanken darüber, welche Auswirkungen eine Entscheidung auf die Familie hat. Da denkt eine Frau vielleicht ein Stückchen anders. Für Elbtal gesprochen muss ich aber sagen, dass es da keine großen Unterschiede gibt. Aber das liegt auch immer mit an den Akteuren, welche um einen herum sind.

Gibt es spezielle Herausforderungen als Frau in der Kommunalpolitik?

Irmgard Claudi: Nein, ich sehe keine spezielle Herausforderung. Aber dies kommt auch auf die Umstände an. Dies können andere politisch aktive Frauen ganz anders sehen. Da bin ich hier in einem sehr guten Umfeld.

Auch wenn sich die Frauen politisch nicht engagieren wollen, würden Sie trotzdem sagen, dass ein politisches Interesse vorhanden ist?

Irmgard Claudi: Bei vielen Frauen ja, sie sehen nur nicht die Möglichkeit, sich einbringen zu können.

Gibt es keine Möglichkeiten, diese mit einzubinden?

Irmgard Claudi: Doch, wir bieten den Frauen verschiedene Möglichkeiten an, auch wenn sie nicht in ein Parlament hineingewählt werden wollen. Wir würden uns dennoch freuen, wenn sie bei uns mitarbeiten. Sie können Ideen und Anregungen einbringen. Auch bei den Fraktionssitzungen ist jeder herzlich willkommen. Es ist nicht zwingend notwendig zu kandidieren. Anregungen kommen oft, aber eher im persönlichen Gespräch.

Themen in Elbtal

Was sind denn in Elbtal Themen bei den Bürgern?

Irmgard Claudi: Mit dem Kindergarten sind wir super gut aufgestellt. Baugebiete ist das altbewährte Thema. Da gehen wir kontrovers zu den anderen Fraktionen, denn wir sehen junge Leute, die nicht nur in Heuchelheim bauen wollen, sondern gerne auch in den anderen Ortsteilen. Was die Leute noch sehr beschäftigt sind die Straßenbeiträge (Anmerkung der Redaktion – Elbtal hat wiederkehrende Straßenbeiträge eingeführt) Über die Grundsteuer hätten wir das zwei- bis dreifache nehmen müssen. Und diese ist nicht zweckgebunden. Wenn wir im Haushalt irgendwo ein Loch haben, muss es damit gedeckt werden. Das sieht die Kommunalaufsicht so vor. Und nehmen wir von den Bürgern Geld für den vermeintlichen Straßenausbau, dann müssen wir ein anderes Loch stopfen und die Straßen werden doch nicht gemacht. Ganz abschaffen können wir nicht, dies können wir uns nicht leisten. Daher haben wir uns für die wiederkehrenden Straßenbeiträge ausgesprochen, welches ein Stück weit gerechter ist. Und dieses Thema beschäftigt die Leute sehr im Moment.

Sie sind auch auf Kreisebene politisch aktiv. Fällt es schwer, sich in Kreisthemen einzuarbeiten? Oder gibt es da Spezialthemen?

Irmgard Claudi: Nein, da habe ich keine Spezialthemen. Die Kreistagsfraktion ist sehr gut aufgestellt, man diskutiert miteinander und wenn eine Information fehlt, dann frage ich bei den Kollegen nach. Es wird sehr ausführlich über die Themen diskutiert und diese werden auch sehr gut vorbereitet.

Gibt es auf Kreisebene Baustellen, wo etwas getan werden muss?

Irmgard Claudi: Der Landrat hat viel Schwung und Ideen und bringt den Landkreis sehr gut voran. Und auch die Kreistagsfraktion ist gut dabei. Kommende Ideen werden gut aufgenommen. Daher sind wir insgesamt sehr gut aufgestellt. Das schätze ich in der Fraktion, dass alle sich gegenseitig zuhören und alle Ideen angehört werden.

Wünsche für die Politik

Gibt es Wünsche allgemein für die Politik? Und welche für Elbtal?

Irmgard Claudi: Im Moment wünsche ich mir, dass wir uns wieder klarer insgesamt in Deutschland aufstellen. Wir brauchen klare Positionen statt ein „Weiter so“, denn damit kommen wir nicht weiter.

Für Elbtal – der Gemeinde geht es gut. Wir haben zwar eine hohe Verschuldung, aber wir mussten auch viel investieren wie in die Hochbehälter. Ich wünsche mir weiterhin eine gute Zusammenarbeit von allem, denn dies ist nur zum Vorteil für die Gemeinde. Wir sind zwar drei Parteien, aber wir arbeiten zusammen für die Gemeinde.

Was glauben Sie, wie man mehr Frauen motivieren könnte?

Irmgard Claudi: Ich habe dafür leider kein Rezept. Ich wünschte, ich hätte eins. Denn es ist mein großer Wunsch jetzt auch für die anstehende Kommunalwahl mindestens eine Frau zu gewinnen. Wir versuchen ja auch untereinander den anderen zu helfen, wenn er zeitlich mal unter Druck steht.

Wie lange möchten Sie noch Politik machen?

Irmgard Claudi: Ich möchte nicht warten, bis man mich hinausträgt. Im Moment macht es mir noch sehr viel Spaß und ich möchte auf alle Fälle die nächste Periode noch machen. Was danach kommt, werden wir sehen. Irgendwann muss man auch für die jungen Leute Platz machen.

 

Wer sich gerne politisch engagieren möchte, kann sich nun bei einer Veranstaltung vom Frauen-Netzwerk darüber informieren. Kick-Start ist am 27. Oktober.

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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