Ist Integration in Limburg in Gefahr?

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Vor kurzem machte ich darauf aufmerksam, wie es in einer Flüchtlingsunterkunft in Dietkirchen aussieht. Mohammed Mohsin, 33, Irak, sprach mit mir über seine Situation.

Der Artikel „Kritik an Flüchtlingsunterkunft“ erhielt eine große Aufmerksamkeit. Daher befasst sich Mohammed Mohsin, der selbst viele Jahre als Journalist tätig ist, mit der Frage, wie unter solchen Bedingungen Integration geschehen kann. Der Text ist von ihm, ich habe ihn redaktionell bearbeitet.

Was ist Integration?

Seit der Flüchtlingswelle 2015 kennt jeder den Begriff Integration und meist wird er damit in Verbindung gebracht, die Sprache des Landes zu lernen, in dem man lebt. Doch für Mohsin ist Integration noch viel mehr. Aufgrund seiner Erfahrungen in diesem Bereich, seiner zehnjährigen Arbeit mit vielen Organisationen im Irak sowie seinen zahlreichen Schulungen und Workshops über Integration in vielen Ländern ist für ihn Integration die gleichberechtigte Eingliederung in die Gesellschaft oder in eine Organisation von Individuen verschiedener Gruppen. „Integration bedeutet nicht nur die Kenntnis der Sprache des Landes zu erwerben, in dem eine Person lebt, sondern auch die Kenntnis der Gesellschaft und ihrer Verhaltensweisen, Einstellungen, Ereignisse, Anlässe, ihres Lebens, ihrer Geschichte und ihrer kulturellen Aktivitäten zu bekommen“, so seine Auffassung, „Integration bedeutet, Ideen auszutauschen, einander zu respektieren und zu verstehen und kulturelle Dinge zwischen den Ausländern und den ursprünglichen Bewohnern zu teilen.“

Merkmale von Integration

Die vier traditionellen Hauptmerkmale der Integration in eine neue Gesellschaft sind Eingliederung, Assimilation, Trennung und Marginalisierung. Die Sozialkunde definiert genau, welche Bedeutung Integration hat. „Integration hängt mit der Gesellschaft zusammen und wie wir die Gesellschaft verstehen können“, so Mohsin. Insbesondere habe jede Stadt, jeder Landkreis seine eigene Gesellschaft. Zum Beispiel gebe es in Limburg-Weilburg viele kulturelle Aktivitäten, die es in anderen Teilen Deutschlands vielleicht nicht gibt, so seine Meinung.

Unter dem Begriff Assimilation versteht man den Prozess, etwas einer anderen Sache ähnlich zu machen oder beide dazu zu bringen, einander zu verstehen. Die Trennung ist der Prozess, etwas oder jemanden in konstituierende oder getrennte Elemente zu zerlegen. Und Marginalisierung ist die Behandlung einer Person, Gruppe oder eines Konzepts als unbedeutend oder peripher. In seinen Augen kann jeder diese Merkmale nutzen, wenn er sie versteht – insbesondere Organisationen, die für die Gesellschaft verantwortlich sind, wie das Jobcenter oder das Sozialamt.

Nach dieser Betrachtung des Begriffes Integration zurück zur Situation vor Ort. Mohammed Mohsin hat persönlich viele Menschen darüber klagen hören, wie einige Sozialarbeiter:innen mit Flüchtlingen umgehen. „Aber ich konnte es nicht glauben, bis ich Drohungen aus dem Irak und Deutschland erhielt, weil ich als Journalist im Irak gearbeitet habe und mein Name auf der Todesliste derer stand, die in Europa leben“, erzählt er.

Kritik an Sozialarbeitern

Er kritisiert das Sozialamt scharf. „Ich bin vom Sozialamt respektlos behandelt, ignoriert, diskriminiert und übergangen worden. Sie haben diese Drohungen als Lügen dargestellt, obwohl ich ihnen Beweise gegeben habe, aber anstatt mir zu helfen, haben sie mich in noch mehr Probleme gebracht! Ich habe sie angefleht, einen sicheren Ort zu haben. Als ich eine E-Mail an den Sozialleiter schrieb, mochte der der Vorgesetzter meiner Sozialarbeiterin meine E-Mail nicht, weil ich gesagt habe, dass ihre Mitarbeiterin mich nicht respektierte, aber es war in Ordnung, dass sie mich drei Tage lang auf der Straße schlafen ließ. Sie haben alle Möglichkeiten geschlossen, um an einem sicheren Ort zu sein, und ließen mich ihnen sagen, dass sie mir einen Platz im Lager Dietkirchen geben sollten. Dieses ist eines der schlimmsten Lager, das ich je gesehen habe, und vor allem und nach Meinung vieler Flüchtlinge wird dieses Lager gegen jeden Flüchtling eingesetzt, der Probleme macht oder versucht, sich gegen die Behandlung durch das Sozialamt zu stellen.“

Hinzu kam, dass Mohsin auf der Todesliste mit 23 Namen als Nummer 17 aufgeführt ist. Und das Sozialamt habe ihm in Dietkirchen Loge Nummer 17 gegeben. „Zufall?“ Doch er möchte sich nicht unterkriegen lassen und sagt, Nummer 17 sei jetzt seine Lieblingszahl.

Unter den Flüchtlingen wird das Lager Dietkirchen als „Neues Konzentrationslager“ oder „Reformationslager“ bezeichnet. „Wenn sie uns fragen, warum die Flüchtlinge ruhig geblieben sind und diese Behandlungen akzeptiert haben? Ganz einfach: weil sie die Regeln nicht kennen und weil sie viele Erfahrungen mit anderen Flüchtlingen haben, die unschuldig waren, aber wegen Diskriminierung und Rassismus bestraft wurden, nur weil sie sich gegen einige SozialarbeiterInnen gestellt haben!“

Weiterhin schreibt er: „Sicherlich gibt es viele Flüchtlinge, die Probleme machen und Verbrechen begehen, aber in Deutschland haben wir Gesetze und Gerichte, warum also einige Sozialarbeiter Menschen persönlich behandeln und sie psychologisch angreifen? Es ist wirklich etwas Unglaubliches, wenn man nicht mit Respekt und Würde mit den Flüchtlingen umgehen kann, die die beiden wichtigsten Dinge sind, die in der deutschen Verfassung stehen und die unantastbar sind.“

Was ist dann die Lösung?

 Für ihn ist die Lösung des Problems Respekt. Nur damit lassen sich gute Ergebnisse in der Integration und dem Miteinander erzielen. „Ich persönlich verallgemeinere meine Beschwerde nicht, denn es gibt viele andere Menschen im Sozialamt und im Jobcenter, die Flüchtlinge wirklich respektieren. Wir sollten gemeinsam Rassismus, Diskriminierung und Faschismus in unserer Gesellschaft bekämpfen“, so seine Worte.

Mohsin studiert Deutschkurs B2, unterrichtete Englisch bei den Maltesern, hält Vorträge über die irakische Kultur und versuchte, einen Club zu eröffnen. Gleichzeitig lebe er aber unter sehr schlechten Bedingungen. „Auf der einen Seite habe ich Drohungen von unbekannten Irakern erhalten, auf der anderen Seite wurde ich vom Sozialamt gedemütigt und respektlos behandelt“ Und er stellt sich die Frage, ob dies Integration ist? Ist das die Art der Behandlung? „Von einer Person, die aus dem irakischen Gefängnis geflohen ist, wurde ich zu einer Person, die wegen absoluter Diskriminierung auf der Straße geschlafen hat!“, so Mohsin, „Ich habe nur eine einfache Frage gestellt, die sich auf ein Einzelzimmer bezieht, aber stattdessen haben sie mich an einen Ort gebracht, der für mich sehr gefährlich war, und vor allem haben sie zwei andere Personen in mein Zimmer gebracht!“

Wie kann Integration gelingen?

Gerne möchte er sich integrieren, aber er fragt sich wo. An welchen Orten können sich Flüchtlinge und Bürger miteinander auf Augenhöhe begegnen. Er habe von einigen wenigen von der Kirche initiierten internationale Cafés gehört, hat aber selbst keinen Zugang dazu.

Gerne möchte er sich in Limburg einbringen. „Wir sollten gemeinsam für diese schöne Stadt arbeiten, wir sollten uns gegenseitig respektieren, wir sollten wissen, dass wir Menschen sind und dass es zwischen uns keine Unterschiede gibt, nur durch Bildung, Respekt und gegenseitiges Verständnis. Wir sollten nie vergessen, dass zwei Weltkriege aufgrund von Rassismus, Faschismus, Diskriminierung und Rasse stattgefunden haben.“ Immer wieder betont er, dass er sich integrieren möchte. Er möchte gerne seine Gedanken mit den Menschen teilen und sich mit ihnen gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung engagieren.

Aber wenn akzeptiert wird, dass Menschen an solchen Orten leben wie in Dietkirchen, dann wird es normal sein, abwertende Worte auch auf der Straße zu hören. Und es sind solche Sätze wie „Wenn Sie kein warmes Wasser in der Küche haben, können Sie heißes Wasser aus der Toilette haben„ oder „Diese dummen Flüchtlinge verstehen gar nichts“ die ihn daran zweifeln lassen, dass Integration gelingt. „Ich habe einmal ein tolles Bild von Deutschland gehabt, aber Limburg-Weilburg hat dieses Bild zerschlagen! Jetzt werde ich Gerechtigkeit fordern und die Deutschen bitten, sich auf meinen Platz zu stellen und sich zu fragen, ob eine solche Unterkunft akzeptieren werden kann.“

Es gibt ein Sprichwort: „Rechte werden nicht gefragt, sondern genommen und dann werde ich mir meine Rechte nehmen.“ – so endet sein Schreiben.

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

8 Gedanken zu „Ist Integration in Limburg in Gefahr?

  • 1. September 2020 um 19:58
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    ‏Rassismus, Nazismus, Mafia-Besitzer und die monopolistischen Reichen haben in der Europäischen Union bürgerliche, soziale, kulturelle und religiöse Freiheiten im Namen der Demokratie und des Säkularismus, die derzeit in allen Bereichen modernisiert werden. Dies ist der Hauptgrund, der Flüchtlinge in der Europäischen Union oder in arabischen Ländern im Allgemeinen antreibt. In vielen Fällen, insbesondere bei psychischen Erkrankungen, die unter rassistischem und unmenschlichem Verhalten leiden ..Das ist meine Meinung dazu wegen der Politik und der Flüchtlinge LG Mir Kovan

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  • 1. September 2020 um 21:57
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    Hallo zusammen mein Name ist Kahled Abdul Malik

    Muhammad ist mein Freund, und ich kenne ihn sehr gut, dass er ein guter Mensch, ein wunderbarer Mensch und ein gebildeter Mensch ist, der nach allem strebt, in dem er seinem Land und dem Land, in dem er jetzt lebt, Deutschland dient, und Mohammed lebt derzeit seine schlimmsten Tage in dieser Menge, die niemals geeignet ist, ohne die einfachsten Menschenrechte und Fürsorge in ihm zu leben. Ich hoffe, die Beamten Sie wenden sich an jeden Flüchtling wie Muhammad oder andere Menschen, während sie von der Abteilung für Sozialarbeit schlecht behandelt werden, und diese Sache wird in einem Land wie Deutschland abgelehnt, das für Menschenrechte, Behandlung und Sympathie zwischen allen Menschen und denen, die in diesem Land leben, bekannt ist. Ich hoffe, dass jeder, der meinen Brief liest, auf die Forderungen dieser Menschen reagiert.

    Vielen große
    Abdul Malik

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  • 2. September 2020 um 7:41
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    At nights this place is very cold. Heating for security rooms are working but in our part, in these wooden seperated part the heating is not working. Please at least open the heating at nights. There are children and babies. Many times I kindly asked security to turn the heating on but they did not.

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  • 2. September 2020 um 21:31
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    Ich habe nur zwei Punkte zu sagen: Dietkirchen Lager ist nicht für Menschen und Diese Person, die ich ihn im Lager gesehen habe und ihn nicht gut kannte, aber er ist derjenige, dem ich vertraue und der nur gute Dinge mit ihm gesehen hat

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  • 2. September 2020 um 22:12
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    Ich kenne diese Person nicht wirklich und er hat uns nicht gesagt, dass er Probleme hat und vor allem ist er wirklich eine nette und höfliche Person obwohl ich have ihm gekannt in dieser Lager (Dietkirchen)und er verdient diese Behandlung nicht! Wenn er diese Behandlung erhalten hat, obwohl er diese guten Jobs macht, was wird das Sozialamt dann tun, wenn eine schlechte Person Drogen nimmt und Verbrechen begeht? Ich bin sicher, dass sie Angst vor solchen Menschen haben werden! aber einige Leute vom Sozialamt versuchen absichtlich wirklich schlechte Taten zu tun und ich weiß nicht warum? Es gibt viele Probleme vom Sozialamt und sie sollten sich ihres Verhaltens bewusst sein, weil Deutschland das nicht gesagt hat, mit Flüchtlinge schlecht zu sein sondern respektieren! Einige Leute haben es wirklich nicht verdient, im Sozialamt zu arbeiten

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  • 3. September 2020 um 17:27
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    Meiner Meinung nach scheitert Integration in unserer Gesellschaft an Vorurteilen.
    Als Kind prägte ein Sprichwort meiner Mutter mein Leben:
    „Was du nicht willst das man dir tu`, das füg`auch keinem Andern zu.“
    Wenn alle Menschen das beherzigen würden, gäbe es mehr Respekt, Annahme und Wertschätzung untereinander.
    Ich habe einige muslemische Flüchtlinge kennengelernt, und von allen Vorurteilen, von denen ich gehört habe, hat sich nicht eines bestätigt.
    Im Gegenteil. Mohammed M. Jebbar nenne ich sogar meinen „Bruder“ und einen anderen jungen Mann, meinen „Sohn“.
    Ich kann sagen, dass mir sehr viel Respekt, – sogar Ehre, Anteilnahme und Dank zuteil wurde.
    Ich kann sehr viel lernen von ihrer Kultur und ich weiß, dass sie so gerne von uns, – unserer Kultur und Gesellschaft lernen möchten, so wir ihnen die Chance und die Möglichkeit geben.
    Das kann aber nur geschehen, wenn geprägte, fest geklopfte Vorurteile abgebaut werden.
    Vorurteile haben nichts Positives, sie bewirken immer Negatives, Trennung, Spaltung und Opposition.
    Ich wünsche mir ein Miteinander, das geprägt ist von Respekt und Wertschätzung, das kann aber nur geschehen, wenn wir den Mut haben aufeinander zu zugehen.
    In den Nachrichten sehen wir meist nur Negativbotschaften wie Terror, Gewalt oder Missachtung unserer Gesetze durch Menschen aus anderen Herkunftsländern, und genau das ist das Futter für Vorurteile.
    Aber wo sind die Positivbeispiele der Asylanten, die lernen, – die sich integrieren möchten in unsere Gesellschaft, die Deutschland etwas zurück geben – und sich investieren möchten? Davon hört man so gut wie nichts, aber genau das wäre ein Tool Vorurteile abzubauen.
    Die Meisten von ihnen hatten in ihrem Heimatland alles: Familie, Haus, Beruf, Einkommen, Auto, Besitz, und sie haben alles verlassen, um ihr Leben zu retten.
    Wer von uns war wirklich schon in dieser Position, frage ich mich?
    Wie verzweifelt muss man sein, in ein überfülltes Schlauchboot zu steigen, mit Kindern und Säuglingen? Jedes mal, wenn ich dieses Bild sehe von dem kleinen, ans Meer gespülten, ertrunkenen, kleinen Jungen, zerreißt es mein Herz und ich kann meine Tränen nicht zurückhalten.
    Kann dies wirklich jemand kalt lassen?
    Natürlich gibt es auch die Negativbeispiele, dass Menschen aus anderen Motiven hier her kommen, Straftaten begehen und Integration keine Rolle für sie spielt, das verurteile ich sehr scharf, aber sollten wir deshalb alle Anderen auch behandeln als seien sie Verbrecher oder Menschen 3. Klasse?
    Nicht jeder Flüchtling ist ein Terrorist, – genauso wenig wie jeder Deutsche ein Nazi ist.
    Nicht jeder Flüchtling führt Religionskriege, – genauso wenig wie jede Kirche Kinder missbraucht.
    Ich glaube, dass es Deutschland zum Segen wird, so viele Menschen aufgenommen zu haben, und eines sollten wir bedenken, wir sind alle Geschöpfe Gottes, und ER schaut sehr genau, wie wir mit seiner Schöpfung umgehen.

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    • 5. September 2020 um 15:49
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      Thank you very much Petra Grübl. It is very promising to see people thinking that good way.

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  • 11. September 2020 um 15:02
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    ‏Rassismus, Nazismus, Mafia-Besitzer und die monopolistischen Reichen haben in der Europäischen Union bürgerliche, soziale, kulturelle und religiöse Freiheiten im Namen der Demokratie und des Säkularismus, die derzeit in allen Bereichen modernisiert werden. Dies ist der Hauptgrund, der Flüchtlinge in der Europäischen Union oder in arabischen Ländern im Allgemeinen antreibt. In vielen Fällen, insbesondere bei psychischen Erkrankungen, die unter rassistischem und unmenschlichem Verhalten leiden ..Das ist meine Meinung dazu wegen der Politik und der Flüchtlinge LG Mir Kovan

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