Ist Limburg barrierefrei?

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Über Barrierefreiheit zu sprechen, ist eine Sache. Sie selbst zu erleben, eine ganz andere. Die Heilerziehungspflegeklasse 12 der Adolf-Reichwein-Schule öffnete sich einem neuen Blick. Sie war mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Behindertenbeirats der Kreisstadt Limburg, Frank F. König, unterwegs war. 

Für die meisten ist es völlig normal, Dinge des täglichen Lebens wie einkaufen, Geld abheben oder auch mal einen Kaffee zu trinken, zu verrichten. Doch nimmt man mal die Sichtweise einer Person mit Einschränkungen ein, dann wird einem schnell bewusst, dass diese es nicht so einfach haben, Dinge des Alltags zu erledigen.

Ist Limburg Barrierefrei?

Dieser Herausforderung stellten sich die Schüler der Heilerziehungspflegeklasse 12 der Adolf-Reichwein-Schule. Aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers betrachteten sie die Stadt Limburg und ihnen wurde schnell klar, dass Menschen mit Beeinträchtigung die Stadt ganz anders erleben, als wie sie es gewohnt sind. Es fiel den Schülern recht schnell auf, dass die Problematik der Barrierefreiheit nicht ausreichend thematisiert wird. Die Limburger Innenstadt bietet wenige Orientierungshilfen, insbesondere für Menschen mit einer Sehbehinderung.

Viele Lokalitäten, öffentliche Gebäude oder Behindertentoiletten sind nur mit einem großen Umweg zu erreichen. In Bezug auf die Barrierefreiheit in Geschäften beobachteten sie, dass die meisten zwar ebenerdig zugängig oder mit einer Rampe am Eingang versehen sind. Jedoch ist in den Geschäften selbst zu wenig Platz, um sich mit Gehilfen oder Rollstühlen zu bewegen. Auch beim Geld abheben stoßen Rollstuhlfahrer an ihre Grenzen, da das Betrachten des Bildschirms für sie stark eingeschränkt ist und wartende Menschen hinter ihnen das Eingabefeld einsehen können.

Keine ausreichende Kennzeichnung

Auf dem Pflaster in der Stadt sind seltsame Streifen zu erkennen. Diese vermeintlichen „Deko-Streifen“ dienen dazu, Menschen mit einer Sehbehinderung durch die Stadt zu führen. Leider sind die Streifen lückenhaft und fehlen teilweise sogar komplett. Die Beschilderung in der Stadt erweist sich als unvorteilhaft. Diese ist ausbaufähig und für Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung ungeeignet. Beim Treffen mit Angestellten der Touristeninformation erfuhren die Schüler, dass lediglich ein Stadtplan für Menschen mit Körperbeeinträchtigungen erhältlich ist. Für andere Beeinträchtigungen konnten uns keine Informationen gegeben werden. Hier wäre zum Beispiel ein Stadtplan in einfacher Sprache hilfreich. Der Gebäudeeingang der Touristeninformation selbst, ist mit einer hohen Stufe versehen und somit für einen Rollstuhlfahrer unzugänglich.

Neuer Blickwinkel

Durch die Begehung konnte die Sichtweise der Schüler verändert werden, freute sich Frank F. König hinterher. Er erlebte die Schüler als wissbegierig und neugierig. Dabei ging es ihm nicht nur darum, denn Schülern alles einfach nur zu zeigen. Durch ein Frage-Antwort-Spiel sollten sie sich selbst Gedanken über verschiedene Situationen machen. Er ließ die Schüler auch mal in die Hocke gehen, damit sie einen anderen Blickwinkel einnahmen. Es dauerte nicht lange und die Schüler hinterfragten selbst die Begebenheiten vor Ort.

Sie kritisierten, dass man als Mensch mit Beeinträchtigungen immer Sonderwege, die zudem noch weiter sind als die normalen Wege, einschlagen muss, um an sein Ziel zu gelangen. Die Schüler zogen ein allgemeines Resümee: die Stadt Limburg bemüht sich um Barrierefreiheit, jedoch werden in ihren Augen die finanziellen Mittel stellenweise für unwichtige Dinge einsetzt wie zum Beispiel für Touristen-Informationssäulen, die gar nicht funktionieren. Das Geld, welches fehl investiert wird, könnte langfristig in sinnvolle barrierefreie Möglichkeiten einbringen.

Auch ich durfte Frank F. König begleiten und erlebte die Werkstadt in Limburg mit völlig neuem Blick. Auf viele Dinge achten wir nicht, weil sie für uns selbstverständlich sind. Wir sollten ab und an unsere Komfortzone verlassen und den Blickwinkel anderer Menschen einnehmen, um eine Situation zu beurteilen.

Wer sich für das Thema interessiert, den lege ich auch den Blog von Frank F. König nahe – Barrierefreie Ausblicke in Wort und Bild.

 

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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