Joachim Veyhelmann – Zuhörer und Vermittler

Landtagsabgeordneter zu sein, bedeutet nicht nur, an Debatten und Plenarsitzungen im Landtag teilzunehmen. Einen noch größeren Teil als das politische Geschäft in Wiesbaden macht die Arbeit in der Region aus, die der Abgeordnete vertritt. An zwei Tagen begleitete ich Joachim Veyhelmann (CDU), MdL, um mehr über seine Arbeit zu erfahren.

Joachim Veyhelmann zählt zu den ruhigen Menschen. Sein Auto streikte und musste in die Werkstatt. Dadurch wurde der ganze Tagesablauf durcheinandergeworfen und nichts lief wie geplant. Dennoch war ihm äußerlich nicht anzumerken, wie sehr ihn das ärgerte. Er machte es möglich, die vereinbarten Termine wahrzunehmen. Nur die Telefonate mit der Werkstatt zwischendurch ließen erahnen, wie kräftezehrend der Tag war. Doch die Menschen, mit denen er redete, bekamen dies nicht mit. Er war zu 100 Prozent mit seiner Aufmerksamkeit bei ihnen.

70 bis 80 Stunden-Woche

Seit 2013 ist Joachim Veyhelmann direkt gewählter Abgeordneter im Hessischen Landtag und stellt sich auch in diesem Jahr wieder im Wahlkreis 21 zur Wahl. Sein politisches Engagement begann 1975 mit dem Eintritt in die CDU. Damals wollte er sich einbringen und gestalten, was er viele Jahre vor Ort in Hünfelden-Dauborn tat. Auf ehrenamtlicher Ebene sammelte er Erfahrungen, welche er in späteren Diskussionen einbringen konnte. Seine Arbeitswoche als Landtagsabgeordneter besteht inzwischen aus 70 bis 80 Stunden und mehr. Samstag und Sonntag zählen zur Hauptarbeitszeit im Wahlkreis, doch er beschwert sich nicht. „Ich wusste, was auf mich zukommt“, so der Politiker, „Es sind immer wieder neue Dinge dabei, es ist sehr spannend. Ich lerne vieles kennen und wenn man dann auch Lösungen präsentieren kann, ist dies ein tolles Gefühl.“

Arbeit in Wiesbaden und vor Ort

Pauschal gesagt, unterteilt sich ein Monat wie folgt: In einer Woche findet das dreitägige Plenum in Wiesbaden statt. In zwei weiteren Wochen fallen die Ausschusssitzungen an und eine Woche bleibt für den Wahlkreis. Doch so einfach lässt sich dies nicht festmachen, denn auch wenn Veyhelmann unter der Woche in Wiesbaden ist, besucht er am Wochenende Veranstaltungen im Wahlkreis. Er selbst schätzt ein, dass das Verhältnis 60:40 sei mit einem Übergewicht zur Arbeit vor Ort. „Ich wäre gerne noch mehr im Wahlkreis unterwegs“, so der Politiker. Denn vor Ort erfährt er, was die Menschen denken und welche Wünsche sie haben. Meist sind es Kleinigkeiten am Rande, die zeigen, wo der Schuh drückt. So war er mit den Maltesern unterwegs und schaute sich den Begleitdienst mit Hund im Seniorenwohnzentrum St. Georgs in Limburg an. Auf der Fahrt zum Stützpunkt der Malteser in Eschhofen klang im Nebensatz an, dass es eigentlich zu wenige qualifizierte Rettungsassistenten gibt. Im Gespräch mit der Notfallseelsorge sollten diese ihre Arbeit vorstellen. Durch gutes Zuhören, gezieltes Nachfragen und Einhaken kristallisierte sich heraus, dass diese noch nicht im Katastrophenschutzgesetz mit eingebunden sind und dass sie häufig mit ihren Privatautos an den Einsatzort müssen. Durch ein Eingreifen an diesen Punkten könne ihre Arbeit erleichtert werden.

Dicke Bretter bohren

Nicht immer kann Joachim Veyhelmann direkt helfen, aber er kann Ideen beitragen. So geschehen an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hünfelden-Dauborn. Veyhelmann kann nicht den Wunsch erfüllen und der Schule zehn Fahrräder kaufen, welche diese anschaffen möchte, um noch mehr Bewegung in den Schulalltag zu integrieren. Doch er hatte Ideen, wo die Schule nachfragen kann, um Sponsoren zu finden. „Es geht nicht alles von heute auf morgen“, so Veyhelmann.
Dies ist ein Punkt, der oft nicht gesehen wird. „Bei manchen Themen werden dicke Bretter gebohrt und dies wird außen nicht wahrgenommen, aber es dauert leider.“ Dann kommt der Eindruck auf, es bewegt sich nichts, aber die Landtagsabgeordneten sind stetig dran. „Jeder hat ein berechtigtes Anliegen, aber bei der Masse an Anliegen können nicht alle auf einmal gelöst werden.“ Und so erweckt es manchmal den Anschein, dass der Landkreis Limburg-Weilburg auf Hessenebene hinten runterfällt, aber bei 21 Landkreisen hat jeder seine Forderungen. „Wir tun viel für unsere Wahlkreise“, so Veyhelmann, aber er wiederholt sich, es gehe eben nicht alles von heute auf morgen.

Bildung als Steckenpferd

Sein Steckenpferd ist die Bildung besonders in den Schulen sowie berufsbildenden Schulen. Sein Antrieb ist eine funktionierende Zukunft: „Wir können das meiste für die Zukunft erreichen, wenn wir unseren Kindern eine vernünftige Zukunft bieten, dass sie etwas gestalten können und die Chance auf Gestaltung erhalten. Und dies geht nur durch gute Bildung.“ Diese Überlegungen steckten zu Beginn seines Engagements im Bereich der Schulen. Inzwischen hat er den Schulentwicklungsplan über viele Jahre mitgestaltet, hat Schulen geholfen, wenn es mal nicht so gut lief und hat jungen Lehrern geholfen, eine Anstellung zu finden. Maßgeblich war er mit seinem Kollegen Andreas Hofmeister an der Ansiedlung der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Limburg beteiligt. Auch in den nächsten Jahren möchte er auf diesem Gebiet weiterhin aktiv sein und bei der Aufstellung des Schulentwicklungsplan für berufliche Schulen mitwirken. „Das Thema Schule ist meine Welt“, so Veyhelmann, „da kann man so viel tun für die Kinder, die Lehrer und auch die Firmen, die mit Berufsschulen zusammenarbeiten.“

Immer wieder neue, vielfältige Themen

Mit ihm unterwegs zu sein, gibt nur einen kleinen Einblick. Vor Ort sind die Themen recht vielfältig. Zum einen sind es Themen, die Organisationen, Institutionen oder auch Vereine direkt betreffen. Hinzu kommen noch Menschen, die ihn auf Terminen ansprechen. Da ist ein schnelles Umschalten ganz wichtig. Doch auch im Landtag ist ein hin und her zwischen verschiedenen Themen wichtig. Da sind zum einen die Sitzungen direkt im Landtag. Aber auch vor Ort finden verschiedene Treffen mit anderen Abgeordneten, dem Ministerpräsidenten, Bürgermeistern oder auch Interessensverbänden statt. Pausen gibt es da wenige. Und bei der Frage nach der Freizeit lacht er nur: „Was ist Freizeit?“ Ein reiner Privatmann ist er dann auch recht selten. Er versucht sich kleine Inseln zu schaffen wie das Shuffleboard Spielen in Lindenholzhausen, an dem er großen Gefallen findet. Dies ist ein Sport für jedermann. Oder er nimmt sich auch mal einen halben Tag frei. Urlaubstage hat er nicht. Da Plenumspause in den Sommerferien ist, nutzt er diese Zeit, um mal wegzufahren. Klar geht der Beruf auch mal körperlich an die Grenzen, dennoch ist er der Meinung: „So lange man fit ist, ist es der schönste Beruf, den es gibt.“

Einsetzen für die Menschen

Sie sind 110 Menschen, die an der Schaltzentrale sitzen und eine privilegierte Aufgabe durch die Wahl erhalten haben. „Ich möchte meine herausgehobene Stellung für die Menschen nutzen und nicht für mein Ego“, so Veyhelmann. Er nimmt Kritik an, solange diese sachlich ist. Veyhelmann selbst ist immer sachlich, versucht in Diskussionen ruhig zu bleiben und nimmt eher die Rolle des Vermittlers ein. Er plädiert dafür, dass alle Themen diskutiert werden und Entscheidung im Rahmen des demokratischen Prozesses fallen. Dies beginnt auf der Ebene der Kommune über den Kreis bis hin zur Landes- sowie Bundesebene. Und auch über die Parteigrenzen hinweg hält er es so. Respektvoll spricht er von Kollegen, mit denen er im Land- oder im Kreistag sitzt.

Sachliche Diskussionen

Stimmen die Argumente, lässt er sich auch von einer anderen Meinung überzeugen. „Ich erwarte ordentliches Benehmen und wenn dies jemand nicht hat, dann lasse ich ihn stehen und diskutiere nicht“, so Veyhelmann. Ansonsten habe jeder die Chance, mit ihm zu reden. „Jeder kann mich mit seinen Fragen anschreiben und wird eine Antwort von mir bekommen.“ Im Wahlkreis bietet er Sprechstunden vor Ort an, doch die werden seltener besucht. Viel lieber kommen die Menschen direkt zu ihm ins Wahlkreisbüro.
Er würde sich wünschen, wenn mehr Menschen die Möglichkeit wahrnehmen würden, sich vor Ort von der Politik ein Bild zu machen. „Die Bürger haben die Chance, Einblicke zu erhalten und nutzen diese nicht.“ Auch die Schulen nehmen viel zu selten solche Möglichkeiten wahr. Im nächsten Schritt ist es ein Wunsch von ihm, dass sich mehr Menschen politisch engagieren würden.

Von Politikverdrossenheit findet sich bei Joachim Veyhelmann keine Spur. „Es macht mir Spaß. Ich kann den Menschen teilweise mit Kleinigkeiten weiterhelfen. Blickt man dann in strahlende Augen, wenn man eine Lösung hatte oder auch wenn man nur einen Kontakt hergestellt hat, macht das richtig Spaß.“

Wer mehr von Joachim Veyhelmann wissen möchte, kann sich auf seiner Homepage oder bei Facebook informieren.

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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