Falsche Location für interessantes Format

Die Junge Union Limburg lud am Donnerstagabend ins Caffe Meloni zu einem Diskussionsabend zum Thema „Italien – Wege aus der Schuldenkrise“ ein. Parallel zur Diskussion vor Ort gab es eine Live-Übertragung auf Facebook. Die Interessierten vor Ort hatten jedoch ein wenig das Nachsehen in dieser Location.

Um Menschen mit verschiedenen Themen zu erreichen, müssen neue Wege gegangen werden. Bei Informations- oder Diskussionsveranstaltungen ist es nicht immer jedem möglich, vor Ort dabei zu sein. Dies haben auch die Mitglieder der Jungen Union Limburg erkannt und gehen daher seit einigen Monaten mit ihren Veranstaltungen live auf Facebook. Nicht nur vor Ort, sondern auch online haben die Menschen die Möglichkeit, Fragen zu stellen und bekommen diese auch beantwortet. Dadurch erreichen die Organisatoren nicht nur die Zuhörer vor Ort. Und hatte jemand an dem Abend keine Zeit, kann er sich die Diskussion im Nachgang als Video anschauen. Daher ist dies ein sehr interessantes Format, welches Zukunft haben dürfte.

Bei der gestrigen Veranstaltung ging es um das Thema „Italien – Wege aus der Schuldenkrise“. Den Fragen von Nils Josef Hofmann (li im Bild) stellten sich der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch (Mitte) sowie Prof. Dr. Bernhard Köster, Finanzexperte der FH Frankfurt. Es war eine sehr interessante Diskussion, bei der sich alle einig waren, dass für die Währungsunion Europa ein neues Regelwerk erarbeitet werden muss, an welches sich alle zu halten haben. Europa aufzulösen und alleine weiterzumachen, sei dabei keine Lösung. Die gesamte Diskussion könnt ihr euch im Video ansehen.

Falsche Location

In der gestrigen Location – dem Caffe Meloni – geriet dieses Format an seine Grenzen. Bediene ich die Zuhörer vor Ort oder die Zuhörer vor den Bildschirmen? Rein zahlenmässig waren rund 26 Zuhörer vor Ort anwesend, auf Facebook verfolgten bis zu 21 Zuschauer die Diskussion. Die Zuhörer vor Ort verkamen zu reinen Statisten, die noch Mühe hatten, der Diskussion richtig zu folgen. Zu groß war die Geräuschkulisse. Durch geöffnete Fenster dachten sich die Organisatoren eventuell, dass auch Besucher des Außenbereiches Interesse an der Veranstaltung entwickeln. Doch dies hatte nicht den Anschein. Diese unterhielten sich viel mehr munter über ihre eigenen Themen weiter und bauten dadurch eine störende Geräuschwand auf. Eingespielte Videos und gezeigte Statistiken waren nicht für alle Teilnehmer vor Ort ersichtlich. Die Enge und Verwinkelung der Location eigneten sich nicht unbedingt für dieses Format.

Wen möchte ich erreichen?

Heute Morgen schaute ich nochmal in die Aufnahme hinein. Durch die eingesetzte Technik konnte die Diskussion sehr gut verfolgt werden und der Geräuschpegel im Hintergrund kommt nicht so störend rüber wie vor Ort. Durch die heutige Technik gibt es viele Möglichkeiten, um die Menschen zu erreichen, ohne dass diese immer präsent vor Ort sind. Es ist gut, diese Wege auszuprobieren und zu nutzen. Doch sollte dabei bedacht werden, wen ich erreichen möchte. Was bringen mir die Klickzahlen im Internet, wenn die Zuhörer vor Ort das nächste Mal einem solchen Format fernbleiben? Mit wem möchte ich kommunizieren – den Menschen vor Ort oder dem Menschen im Netz? Da ist es nicht immer leicht, den passenden Mittelweg zu finden. Dennoch finde ich die Idee insgesamt gut. Auch ich selbst erlebe es oft, dass ich zu einem Termin nicht kann, der mich interessiert. Da wäre dies eine gute Lösung.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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