Karnevalistisches Feuerwerk – Kappensitzung beim Rauchclub 1884 e.V.

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Die Kappensitzung beim Rauchclub 1884 e.V. war wie jedes Jahr ein Highlight. Tänze, Sketche, politische Analysen , aber auch Abschiede ließen die Zeit wie im Fluge vergehen im „Schatten des Doms“. 

Wenn der Rauchclub zu seinen Sitzungen einlädt, nehmen die Narren diese Einladung gerne an, um gemeinsame Zeit im gemütlichsten Wohnzimmer in Limburg zu verbringen. Mit der diesjährigen Kampagne zeigte der Verein, dass er nicht im Gestrigen verharrt, sondern den Blick in die Zukunft richtet. Klar vermisste vielleicht manch einer Pfarrer Friedhelm Meudt, der nun an seiner neuen Wirkungsstätte in die Bütt geht. Aber das tat dem Programm in keinster Weise einen Abbruch und die Narren erlebten fünf Stunden lang den Zeigefinger auf regionalen, nationalen und internationalen Geschehnissen des letzten Jahres, erfreuten sich an der Vielfalt der Tänze und hielten sich das Zwerchfell vor Lachen bei den diversen Sketchen. Amüsant und kurzweilig führten Markus Kiesewetter, Peter Meurer und Nicola Bischof durch die Sitzung.

Singender Prinz

Direkt zu Beginn gab es hohen Besuch und Prinz Frank I. zu Diez vom Holzheimer Ardecksberg machte mit seinem Hofstaat die Aufwartung. Peter Meurer begrüßte den Prinzen und stellte direkt klar, dass sie ein briefträgerfreundlicher Verein seien (denn der Prinz ist im Berufsleben Briefträger). Niemand hätte einen Hund dabei, der Verein habe selbst einen Zusteller in seinen Reihen und während der gesamten Kampagne würde keiner ein schweres Paket nach Diez schicken. Der Prinz machte auf seine Spendenaktion während seiner Kampagne aufmerksam. Er sammelt für die Elterninitiative krebskranken Kinder in Koblenz. Und er bedankte sich nochmal beim Präsidenten Boris Frohne für die ganze Unterstützung. Mit seinem Prinzenlied ging es nahtlos ins Programm über.

Der Bus der Kelly Family ist an der Raststätte in Limburg liegengeblieben. Und so landeten die Rauchclub Minis alias die Kelly Family mitten im Rauchclub und gaben einige ihrer erfolgreichsten Lieder zum besten. Ein paar illustre Gäste kamen auch vorbei wie Atze Schröder, der sich prompt darüber lustig machte, aus welchen sinnbefreiten Texten die Lieder teilweise bestehen.

Pointierter Blick zurück

Einen pointierten Blick auf das letzte Jahr in Limburg warf die „Müllfrau“ Alexandra Meurer mit ihrem närrischen Protokoll. Müllberge und Gumwalls beschäftigten sie, genauso wie der Neumarkt. Seit 2011 immer wieder in der Diskussion habe er zwei Bürgerinitiativen sowie zahlreiche Gutachten hervorgebracht und dennoch bewegt sich nichts. Sie forderte „Get Neumarkt done“, aber bitte mit innovativen Abfalleimern, die sich melden, wenn sie voll sind. Weil der Bürgermeister das luftverschmutzende Stickoxid nicht sehen kann, bekam er eine große rote Leuchttafel an den Karstadt gehängt. Aber was der Autofahrer damit anfangen soll, erschließt sich ihr nicht so recht. Für das geplante Fahrradparkhaus fehlt ihr der Radweg und zweimal Campus in Limburg findet sie doof. Aber sie will nicht nur meckern. Mit dem Lesedom sowie dem Limburger Original Sigi Wolf gebe es auch gute Dinge zu berichten.

Noch schärfer ging der Chronist Jürgen Fritsche in seinem Jahresrückblick mit den Geschehnissen um. Frauen an die Macht von Greta Thunberg, welche die Männer zur bedrohten Tierart macht und Ursula von der Leyen, welche erfolgreiche nach Brüssel abgeschoben wurde, umfasste sein Rückblick alles, was im letzten Jahr bewegte. Harry und Meghan vollzogen ihren Exit schneller als die Briten, welche vier Jahre für den Brexit brauchten. Das Thema Klimaschutz sei sehr zwiegespalten und führe dazu, dass Respekt und Anstand im Netz verloren gehe. Aber es bewegte die Regierung dazu, ein Klimapaketchen zu schnüren, was nicht wirklich eins ist. Wir könnten alle auf Elektroautos umsteigen, aber da „verhält es sich ein wenig wie mit Durchfall, man hat immer Schiss, dass man es nicht nach Hause schafft.“ Zielsicher zerlegt er das Geschehen, bringt die Anwesenden mit den feinen Pointen zum Lachen. Und doch ist er mit seinem Witz sehr nah an dem, wie es wirklich ist.

Fliegende Beine

Die Tanznummern dazwischen dürfen natürlich nicht fehlen. Zu Beginn begeisterten die Musketiere mit ihrem Gardetanz. Später ließen sie Queen auferstehen und rockten den Saal. Ganz neu war die Formation der Tanzparade. Nicht mehr alleine wirbelte Jessica Hies über die Bretter, sondern gibt nach 19 Jahren ihr Wissen an die nächste Generation weiter. Da ruhen wahre Talente im Verein. Die Waldgeister entführten nach Amerika zu den Indianern und der Frauen-Elferrat löschte die Hitze im Saal als tanzende Feuerwehr.
Für Unterhaltung sorgten auch die Nice Guys aus Eschhofen, die mit ihren lustigen Texten auf keiner Kappensitzung fehlen dürfen. Nicht neu auf der Bühne, aber neu in dieser Form waren Berthold und sein Enkel Tristan Nebgen, die sich darüber unterhielten, welche Geschenke für Oma passend sind oder was die Ehe mit Männern macht. „Gott weiß alles, aber Oma weiß alles besser“, war ihr Resümee. Dr. Claus Wolf entführte mal wieder in die Limburger Vergangenheit zu Handkäs und Musik.

Generationen übergreifende Geschlechterklischees

Geschlechterklischees gibt es viele – Frauen sind shoppingsüchtig, Männer sterben beim kleinsten Wehwehchen und eigentlich könnte man auch ohne den anderen, aber da macht es weniger Spaß. Diese Klischees brachte eine Gruppe der verschiedenen Generationen als Sketch auf die Bühne und nahmen so manches Vorurteil auf die Schippe.

Zur großen Freude waren Hannelore Reusch und Karin Stolle wieder auf der Bühne. Als joggende ältere Damen unterhielten sie sich über diverse Krankheiten im Alter und Ernährung. Auch die veränderte Wartezimmerkultur wurde kritisiert. Früher habe man im Wartezimmer alle Neuigkeiten erfahren, aber heute schauen alle nur noch auf ihr Handy und nicht mal gegrüßt wird. Am Ende ihres Auftritts nahmen die beiden Abschied. Dies wird definitiv ihre letzte Kampagne gewesen sein. Peter Meurer zog seine Kappe vor ihnen und dankte ihnen für ihr langjähriges Engagement.

Zum Höhepunkt erfüllte sich Präsident Boris Frohne einen lang gehegten Wunsch und brachte den prämierten Musicalhit „This is me“ aus „The Greatest Showman“ mit einer Tanzformation auf die Bühne. Ein krönender Abschluss, bevor zum großen Finale alle Aktiven nochmal auf die Bühne kamen.
Eine Rauchclub-Sitzung ist immer ein Erlebnis und wer dort noch nicht war, hat etwas verpasst.

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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