Keinen Handtrunk im Moment – CDU besucht Selterswassermuseum

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Das Selterswassermuseum ist geschlossen, den Handtrunk können sich die Bürger derzeit nicht holen. Die CDU erhielt die Möglichkeit, Einblicke in ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte zu erhalten. 

Anfang des Jahres war Patrick Burghardt, Staatssekretär für Digitales und Entwicklung, zu einer Förderbescheidübergabe in Bad Camberg und während der Veranstaltung schwärmte Andreas Hofmeister vom Selterswasser aus der Nachbarschaft. Am vergangenen Freitag erfolgte die Einladung, mehr darüber zu erfahren. Mit dabei waren auch Klaus-Peter Willsch, MdB sowie der Bad Camberg CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Rühl.

Dank an die Politiker

Das Selterswasser aus Niederselters hat eine fast 500-jährige Geschichte und gilt seit dem 16. Jahrhundert als Heilwasser. Doch wenn die Politiker für über zehn Jahren die Rettungsaktion nicht unterstützt hätten, gebe es das Gebäude und das Museum heute nicht mehr. Daher dankte Dr. Norbert Zabel, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Selters (Tanus) und großer Unterstützer der Rettung der Gebäude, mehrmals den Politikern für ihre Unterstützung vor allem bei der Generierung der notwendigen Fördergelder. Jeweils zwei Millionen Euro gab es vom Bund und Land Hessen, um die Gebäude zu erwerben, zu sanieren und das Museum zu gestalten.

1907 wurde der sogenannte Brunnentempel, das heutige markante Wahrzeichen, im Jugendstil erbaut und mit neuer Technik versehen. Und dieses Gebäude samt Ausstattung ist dank der Sanierung noch im Originalzustand zu bestaunen. Das Selterswasser ist weltberühmt und war bereits vor dem Selters aus Löhnberg (1888) und Oberselters (1872) weltweit bekannt. Der Besitz wechselte mehrmals. Von Kurtrier ging es in den Besitz vom Herzogtum Nassau über, wurde unter Preußen königlich und ging nach den Krieg an das Land Hessen. In den 70er Jahren wurde die Quelle an Oetker verkauft, der bereits vorher in Löhnberg die Quelle kaufte und den Konkurrenten ausschalten wollte. Er investierte auch nicht mehr in die Quelle und legte sie still. Vor über zehn Jahren durfte die Gemeinde die Quelle für eine Millionen Euro kaufen mit dem Versprechen, nicht mehr auf den Markt zu gehen.

Haustrunk für die Einwohner Selters

Seit 300 Jahren dürfen sich die Einwohner von Selters ihren Haustrunk an der Quelle holen. In der herzoglich-nassauischen Zeit wurde das Recht erlassen, sich für den Eigengebrauch an der Quelle einzudecken. Bis heute gilt dieses Recht. Dabei können die Einwohner zwischen dem ursprünglichen Quellwasser mit natürlicher Kohlensäure entscheiden oder auch für Quellwasser mit zugesetzter Kohlensäure. Aufgrund von Corona ist dies derzeit jedoch nicht möglich. Das Gesundheitsamt hat die Nutzung untersagt, da es schwer ist, alle Flaschen zu desinfizieren, so Günter Zwirner. Noch mehr als derzeit kein Wasser zu bekommen, wiegt der Einfluss auf die Gesellschaft. In dem Raum, wo der Handtrunk gezapft werden kann, stehen Bänke und es ist auch immer ein Ort der Kommunikation. „Möchte ich wissen, was es im Ort Neues gibt, setze ich mich zwei Stunden hier hin“, so Zabel. Dann würde er alles erfahren.

Bei allen Bemühungen um das Areal war es den Beteiligten auch immer wichtig, dass der Ort mit Leben gefüllt ist. Es ist an das Gebäude eine Kinderkrippe angeschlossen, welche das Areal nutzen. Einer der Räume steht die nächste Zeit als Übergangslösung für den Kindergarten zur Verfügung, bis der neue Kindergarten erweitert ist. In einem großen Festsaal finden die Sitzungen der Gemeindevertretung statt sowie Veranstaltungen und Feste.

Stück Wirtschaftsgeschichte

Und im Museum gibt es ein Stück Wirtschaftsgeschichte zu sehen. Früher waren die Brunnenmädchen für die Abfüllung des Wassers in die Tonkrüge verantwortlich. Was sich leicht anhört, was harte und schwere Arbeit. Die Flaschen wurden mit einem Korken zugehauen und mit Pech verschlossen. Und es hält sich einige Jahre in diesen Krügen. 2014 fand man in der Danziger Bucht 200 Jahre alte Flaschen aus Selters. „Das Wasser konnte man noch trinken, aber es schmeckte nicht mehr“ so Zabel.

Für die Politiker war es ein interessanter Einblick und sie lobten, was aus dem ehemaligen Areal entstanden ist. Staatssekretär Burghard hatte für die Arbeit auch eine finanzielle Zuwendung mit, die er an Zabel überreichte. Nach dem Blick in die vergangene Wirtschaftsgeschichte ging es für den Staatssekretär sowie dem Bundestagsabgeordneten und den Kommunalpolitikern weiter zur RBC Robotics GmbH nach Bad Camberg, um Einblicke in moderne Wirtschaftsstrukturen zu erhalten. Den Bericht zu diesem Besuch könnt ihr in der Nassauischen Neuen Presse lesen.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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