Kita-Tour der FDP – Mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung

René Rock, der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, befindet sich auf einer Kita-Tour durch Hessen. Direkt vor Ort möchte er sich in 100 Kindertagesstätten die Begebenheiten anschauen, sich ein Bild der Konzepte machen und auch erfahren, wo der Schuh drückt. 

Am vergangenen Donnerstag war René Rock im Rahmen dieser Tour in Limburg und besuchte mit Marion Schardt-Sauer, FDP Landtagskandidatin, die katholische Kita „St. Nikolaus“. Gemeinsam tauschte man sich mit der Leiterin Vera Arras und dem Personalleiter der katholischen Kindergärten des Bistums Limburg, Herrn Zernig, über die aktuellen Herausforderungen und damit verbundenen Erwartungen an die Politik aus.
René Rock ist es ein großes Anliegen, dass sich in der frühkindlichen Bildung etwas bewegt. Das Land Hessen investiert deutschlandweit am wenigsten in die frühkindliche Bildung. Und dies möchte er und die FDP gerne ändern. Auf seiner Tour konnte er sehen, dass jede Einrichtung anders ist. Daher sei es kein Weg, denn Einrichtungen vorzuschreiben, wie sie sich aufstellen müssen. „Wir können einen Rahmen stellen, in dem die Einrichtungen so viele Freiheiten wie möglich haben und wir können ihnen die Mittel für die Umsetzung der Pläne geben“, erklärte Rock.

Pläne für die frühkindliche Bildung

An verschiedenen Punkten möchte Rock anpacken, um am Ende den optimalen Ort für Kindern zu schaffen. Er wünscht sich einen Elternbeirat für Kitas auf Landesebene als legitime Vertretung aller Eltern, die damit eine starke Stimme erhalten würden. Er möchte den Elternwillen bei der Wahl der Kita stärken. Es gebe Landkreise in Hessen, die keine Kinder aus anderen Landkreisen aufnehmen würden. „Es gibt Eltern, die ihre Kinder gerne in einer Kita in der Nähe des Arbeitsplatzes unterbringen möchten“, so Rock, „die Eltern werden Opfer dieser Politik.“ Als dritten Punkt möchte der Fraktions-Vorsitzende die Relation zwischen Erziehern und Kindern verbessern sowie die Leitungen freistellen für die Verwaltungsaufgaben. Weiterhin möchte er eine strukturelle Unterstützung der Kitas für die Zeit, wo die Kinder in die Grundschule kommen. Dafür gab es den Modellversuch „Qualifizierte Schulvorbereitung“, bei der Kita und Schule zusammenarbeiteten. Nach zwei Jahren habe die momentane schwarz-grüne Landesregierung diese Initiative beendet, obwohl die Evaluationsergebnisse durchweg positiv und zielführend waren. „Gerade der Übergang von Kindertagesstätte zur Schule wurde oftmals als zentral für die Kinder beschrieben. Deshalb sei es richtig, dass sich sowohl die pädagogischen Fachkräfte der Tagesstätte als auch die Lehrkräfte der Grundschulen miteinander abstimmen“, erklärte Rock.

Qualitätsverbesserung

Um diese Pläne umzusetzen, reichen die derzeit 22.000 Erzieherstellen leider nicht aus, so Rock. Er rechnet damit, dass 1/3 mehr Stellen für die Umsetzung benötigt werden. Die Kosten für diese Pläne bezifferte er auf 740 Millionen Euro und innerhalb von fünf Jahren würde er diese Pläne gerne umsetzen. Daher sei es in seinen Augen der falsche Weg, den Geldbeutel der Eltern zu entlasten wie jetzt bei der durch die Landesregierung beschlossene Gebührenfreiheit. Dieses Geld komme weder den Kindertagesstätten, geschweige denn den Kindern zugute, so Rock. Bereits mit zusätzlichen Investitionen von 100 Millionen Euro im Jahr sei eine quantitative und qualitative Verbesserung möglich. „Das Geld ist da, es wird nur nicht in Bildung investiert“, so Rock.

Einrichtungen historisch gewachsen

Ein Problem haben die meisten Kitas gemeinsam. Sie sind historisch gewachsen und sind jetzt räumlich an ihre Grenzen angelangt. Früher ging es um eine Betreuung am Vormittag. Doch mit den Jahren haben die Ansprüche zugenommen. Es kam das Mittagessen hinzu und es gibt eine Zunahme in der Ganztagsbetreuung. „Heute finden wir die Situation vor, dass die Kitas für die Anforderungen häufig zu klein sind“, so Rock. Leider sei es keine Lösung, die Gruppengrößen zu reduzieren, denn dann müssten weitere Räume geschaffen werden. Doch ein Anbau ist leider oft nicht möglich. Also muss die Situation in den Gruppen verbessert werden, was durch zusätzliche Erzieherstellen gelingen könnte. Hessenweit fehlen 10.000 Ganztagsplätze sowie 23.000 Krippenplätze. Durch die Gebührenfreiheit werde diese Situation nicht entschärft.

Probleme aus Sicht der Leitung

In den letzten Jahren hat sich laut Vera Arras wenig getan. Bereits vor 20 Jahren gab es zu wenige Erzieher auf zu viele Kinder. Früher waren die Kinder anders und damit auch die Pädagogik in den Gruppen: „Früher konnte eine Erzieherin den Kindern etwas vorlesen und alle hörten gespannt zu, heute sind es vielleicht zwei Kinder, die aufmerksam lauschen.“ Doch heute seien alle Kinder Individualisten. Hinzu kommt eine sprachliche wie auch kulturelle Vielfalt. Die Kinder kämen insgesamt mit einer größeren Bedürftigkeit in die Einrichtung. „Wir wollen die Eltern gerne unterstützen, können sie aber nicht ersetzen“, so Arras.

„Überall sind die Herausforderungen dieselben“, so Rock. Es ist wichtig, in die frühkindliche Bildung zu investieren, damit alle Kinder die gleichen Chancen von Anfang an in der Grundschule haben.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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