Klimainformationstag Landkreis: „Jeder von uns kann die Welt verändern“

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Am Samstag fand ein Klimainformationstag des Landkreises Limburg-Weilburg zusammen mit den Initiatoren von Fridays for Future Limburg statt. Es fanden informative Diskussionen mit Politikern und Experten aus Wissenschaft, Landwirtschaft und dem Handwerk statt. 

Die Bewegung Fridays for Future ist recht jung und wurde im August 2018 in Bewegung gebracht. Worauf sie aufmerksam machen, ist hingegen schon viel länger bekannt. Seit über 40 Jahren mahnen Wissenschaftler, dass sich etwas tun muss, um den Klimawandel zu stoppen. Da jetzt jedoch Massen auf die Straßen gehen und sich für einen besseren Klimaschutz einsetzen, verschaffen sie sich Gehör. Auch beim Landkreis kam die Botschaft an und lud zu einer Informationsveranstaltung ein „Klimaschutz – Jetzt wird`s konkret“. Eine gute Zusammenfassung der Veranstaltung gibt es heute in der NNP.

Eingeladen hatte der Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer zusammen mit der Kreisklimabeauftragten Verena Nijssen. Sauer kündigte zudem an, dass dies keine einzelne Veranstaltung bleiben soll, sondern weitere Aktionen geplant sind.

Klimawandel kurz erklärt

Zur Einführung in das Thema gab es einige kurze Videos, die den Klimawandel kurz erklärten. Dies sind alles datenbasierte Fakten, welche nicht geschönigt sind. Das CO2 in der Atmosphäre führt dazu, dass wir auf der Erde leben können, so Ranft. Aber ein zuviel an CO2 führt zur Erderwärmung. „Da gibt es nichts zu diskutieren“, so Ranft.

Lest dazu auch „Die Physik des Klimawandels – Höchste Eisenbahn beim Klimaschutz“

Wissenschaftler drängen seit Jahren darauf, dass sich etwas tut und die CO2-Emissionen gesenkt werden. Dies ist eine enorme gesellschaftliche Aufgabe, so Joachim Curtius, Wissenschaftler von Science for Future, der auch den für mich einprägsamsten  Satz des Nachmittags äußerte: „Das Haus brennt und wir diskutieren noch immer darüber, ob wir die Feuerwehr rufen.“

Viel ungenutztes Potential

Eines machte der Nachmittag klar – es reicht nicht aus, mit dem Finger nur auf andere zu zeigen und die Verantwortung von sich zu schieben. Dies machten die Diskussionsteilnehmer klar. Es bringt nichts, wenn der Bürger die Verantwortung auf die Landwirte schiebt, die Energiekonzerne oder die Politiker.

„Verbraucher wollen über 70 Prozent artgerechte Tierhaltung, beim Einkaufsverhalten sind es nur noch zehn Prozent“, Thomas Kunz, Vizepräsident des hessischen Bauernverbandes

„Wir konnten die CO2-Emissionen in den letzten Jahren senken, während der Verkehr dies nicht schafft“, Thomas Kunz, Vizepräsident des hessischen Bauernverbandes

„Wir werden die Energiewende nicht schaffen, wenn wir die Windkraft nicht massiv ausbauen. Aber wenn ich die Zeitung aufschlage, lese ich nur von Protesten dagegen“, Dirk Gerber, Süwag

„Wir kaufen uns eine A+++ Kühlschrank und stellen den alten in den Keller für die Getränke“, Thomas Ranft, Journalist und Moderator

„Die Einrichtung einer Buslinie kostet eine Menge Geld und wenn dann nur einer drinne sitzt, ist das nicht wirtschaftlich“, Joachim Veyhelmann, MdL, CDU

In allen Lebensbereichen gibt es viel Potential, welches nicht genutzt wird. So beginnt es im eigenen Haushalt mit dem Sparen von Strom sowie der eigenen Lebensweise. So wird nicht für jeden Weg das Auto benötigt, sondern eine Strecke kann auch zu Fuß, mit dem Rad oder wenn möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Ebenso hat der Fleischkonsum eines jeden Einzelnen Auswirkungen auf die CO²-Emissionen.

Es geht weiter zu den Kommunen, welche Möglichkeiten erhalten sollten, in erneuerbare Energien zu investieren oder den Bürger Angebote einer verbesserten Infrastruktur zu machen. Die Kommunen im Landkreis können dem Bündnis Klima-Kommunen Hessen beitreten. Zum einen wird eine Ist-Analyse der CO2-Emissionen gemacht und dann Möglichkeiten aufgezeigt, wo Einsparungen passieren können. Einige Städte sowie der Landkreis selbst gehören dem Bündnis inzwischen an.

Auf Reden müssen Taten folgen

Unter den 150 Besuchern waren alle Generationen vertreten, wobei ich ein wenig die junge Generation vermisste, welche regelmäßig auf die Straße geht. Während die Experten aus Landwirtschaft, Handwerk und Energieversorgung aufzeigten, welche Angebote sie bereits machen, die nur noch von dem Verbraucher genutzt werden müssen, war es bei der politischen Diskussion ein wenig mehr theoretisch. Zwar wies Martina Feldmayer darauf hin, dass 300 Windkraftanlagen in der Pipeline stehen und nur noch realisiert werden müssen. Doch sie konnte keine Aussage dazu treffen, wann es soweit ist.

Wer die Nachrichten verfolgt, weiß, dass es um den Ausbau der Windkraft derzeit nicht gut steht und es von einem Abwürgen der Energiewende gesprochen wird. So wurde die Tage bekannt, dass das Windkraftunternehmen Enercon 3.000 Arbeitsstellen streicht. Dann finde ich es schon schwierig, bei einer solchen Veranstaltung als Lösung darzulegen, dass 300 Anlagen in der Pipeline warten. Die Politiker waren sich einig, dass es eine engagierte Bundesregierung braucht, die dem Thema Auftrieb verschafft und nicht nur ein „Klimapaketchen“ beschließt.

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

2 Gedanken zu „Klimainformationstag Landkreis: „Jeder von uns kann die Welt verändern“

  • 11. November 2019 um 20:12
    Permalink

    Hallo,
    hallo, Frau Lachnit!
    Ich konnte wegen einer Familienfeier nicht an der Veranstaltung in Limburg teilnehmen.
    Ist dort vielleicht über Geschwindigkeitsbeschränkungen im Verkehr geredet worden?
    Ist sich überhaupt jemand dessen bewußt, dass man auf der Straße etwa 28% CO2 weniger in die Atmosphäre einbringt, wenn man die Geschwindigkeit von 110 km/h auf 90 km/h verringert! Auf einen Schlag könnten die CO2 Emissionen im Verkehr um über 10% (etwa 15 Mio t) verringert werden, würde eine drastische Geschwindigkeitsbeschränkung eingeführt(beispielsweise 110 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Bundesstraßen). Und was ist mit den Autorennen! In meinen Augen, angesichts der drastischer werdenden Auswirkungen der Klimakrise ein Verbrechen, weil dort massenhaft unsere Atemluft in CO2 verwandelt wird. Ein am 24 Stundenrennen von Le Mans teilnehmender Wagen erzeugt dort 4 t CO2, soviel wie etwa 3 Normalpkw im ganzen Jahr!
    Es gibt viel zu tun!
    Packen wir’s an!
    Mit freundlichem Gruß
    Winfried Jankowski, Wiesenstraße 21, 65627 Elbtal

    Antwort
    • 12. November 2019 um 6:57
      Permalink

      Hallo Herr Jankowski,

      über Verkehr wurde eigentlich gar nicht geredet (ich musste aber auch eine Stunde eher gehen, daher weiß ich nicht, was in der Stunde noch besprochen wurde). Aber dieser Part fehlte mir auch. Da will keiner so richtig ran, obwohl der viel bringt.
      Freundliche Grüße

      Antwort

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