Klimawandel „Noch haben wir eine gewisse Chance“

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Beim 8. Fachplanertag Erneuerbare Energien der Ingenieurkammer Hessen sprach Dr. Gunther Tiersch, ZDF-Chefmeteorologe, in seiner Keynote über den Klimawandel und das es in der Gesellschaft unbedingt ein Umdenken bedarf, um die drohende Klimakatastrophe noch abzuwenden.

Um der nachfolgenden Generation eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen, ist ein Umschwank notwendig, so Ingolf Kluge, Präsident der Ingenieurkammer Hessen, bei seiner Begrüßung zum 8. Fachplanertag Erneuerbare Energien. Die Ingenieure seien Aufklärer und Informationsgeber bei planerischen Entscheidungen, um den richtigen Anstoß für erneuerbare Energie zu geben. Wie wichtig ein Umdenken ist, zeigte Dr. Gunther Tiersch, ZDF-Chefmeteorologe in seiner Keynote.

Klimawandel ist schon längst da

Der Klimawandel kommt nicht erst, sondern ist schon längst da. Dies ist auch der Gesellschaft klar, doch leider ist die Energiewende immer noch umstritten. Das Ziel für den Klimawandel ist ambitioniert, doch leider findet derzeit noch kein großes Umdenken in der Gesellschaft statt. An Diagrammen stellte er eindrücklich dar, dass in den letzten 30 Jahren die Temperaturen im Sommer massiv zugenommen haben. Parallel dazu nahmen auch die Starkregenereignisse zu. Das Problem bei den Starkregenereignissen ist, dass die Meteorologen die herunterkommenden Wassermengen nicht vorhersagen können. Dennoch gibt es bei den Niederschlägen nicht so eine klare Tendenz wie bei den Temperaturen. Auch die Menge an Kohlendioxid, Methan und Stickstoffdioxid in der Luft nimmt zu. Diese nehmen die Wärme in der Atmosphäre auf und strahlen sie zum Boden zurück.

Tauendes Eis

Durch die Erwärmung der Erde schmelzen die Pole, was wiederum Auswirkungen auf das Wetter hat. Die Nord-Ost- sowie die Nord-West-Passage sind inzwischen aufgetaut und frei. Die Schifffahrt hat diese Routen für sich entdeckt und auch die Kreuzfahrtschiffen fahren dort entlang. Durch diese offenen Passagen verändern sich zudem auch die Luftströme, die wiederum das Wetter beeinflussen. Die Temperaturen in der Arktis nähern sich allmählich den Temperaturen in den Subtropen an. Die Tiefdruckgebiete auf der Nordhalbkugel mit dem gewohnten Landregen nehmen durch die veränderten Luftströme ab und die Unwetter nehmen zu.

„Wir steuern gerade darauf zu, dass sich die mittlere Temperatur um 8,5 Grad erwärmt“, so Tiersch, „eine Veränderung um 2,6 Grad wäre händelbar.“ Eine Temperaturerhöhung um 2 Grad gibt es in Deutschland bereits, auf die 4 Grad steuert Deutschland gerade zu. Und eine solche Erwärmung bedeutet mehr heiße Tage über 30 Grad. „Deutschland liegt plötzlich am Mittelmeer.“ Auch die tropischen Nächte werden zunehmen. Dies alles führt zu steigenden Belastungen für die Bevölkerung. Aber es ist auch eine Herausforderung für die Landwirtschaft.

Gesellschaftlicher Wandel dringend notwendig

Die Menschen haben einen täglichen persönlichen Bedarf an Wasser von 5800 Liter. Da ist der Bedarf zu Hause einkalkuliert mit 110 Liter, aber auch das Wasser, welches in diversen Produktionsprozessen wie für Lebensmittel oder Kleidung benötigt wird. Doch eigentlich fehlt uns Wasser. Aber auch der Kohlendioxid-Ausstoß ist viel zu hoch. Den müssten die Menschen um 85 Prozent senken.
Doch leider vermisst Tiersch, dass sich in der Gesellschaft etwas tut. Städte müssen große Bäume fällen, damit sie bei den zunehmenden Stürmen nicht umstürzen und zur Gefahr werden. Stattdessen sollen kleinere Bäume gepflanzt werden. „Es ist eine Herausforderung, der Bevölkerung solche Maßnahmen verständlich zu machen.“ Aber auch in Sachen Verkehr und erneuerbare Energien gibt es noch etliches an Potential. „Es ist eine ernsthafte Herausforderung und ich weiß gar nicht, wie wir das packen sollen“, so Tiersch. Nur eines weiß er – alleine geht es nicht. Auf alle Fälle bleibt es auch in den nächsten Jahren ein Balanceakt.

Erneuerbare Energien

Im weiteren Programmverlauf befassten sich die Referenten mit innovativen Ansätzen für die Energiewende. Prof. Birgit Scheppat von der Hochschule Rhein-Main stellte Konzepte zur Sektorenkopplung und Stromspeicherung aus erneuerbaren Energieerzeugern wie Wasserstoff vor. Sie befasste sich mit den Möglichkeiten eines rein aus regenerativen Energieträgern gespeisten Kombikraftwerkes bei der elektrischen Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Prof. Dr. Ralf Simon zeigte am Beispiel von Kläranlagen, dass durch einen flexiblen Betrieb Kosteneinsparungen für Energie erzielt werden können. Stephan von Bothmer (Uhrig Tief- und Straßenbau) stellte vor, dass thermische Restenergie aus Abwässern zum Beheizen und Kühlen von Häusern verwendet werden kann. Dadurch ließen sich 14 Prozent des Wärmebedarfs CO2-frei und kostenarm decken. Weitere Themen waren die Nutzung von Wärmeenergie aus Stollenwasser, die Nutzung von Erdwärme mit Hilfe von Energiepfählen rund um die Uhr sowie verschiedene Mieterstrommodelle.

Parallel dazu gab es eine Fachmesse, bei der die Anwesenden zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch zusammenkommen konnten.



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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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