2.Kneipendiskussion der CDU Elz – Menschen durch den Verkehr arg belastet

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Zur 2. Kneipendiskussion lud die CDU Elz Landrat Manfred Michel sowie den Landratskandidaten Michael Köberle, damit sie in lockerer Runde mit den Bürgern ins Gespräch kommen konnten. Hauptthema waren die Belastungen für den Verkehr und die fehlenden Lösungen. Kurz wurde auch angesprochen, wie Menschen in der Region gehalten werden können. Aber es gab auch Themen, wo beide deutlich sagten, dass sich die Menschen auch an die eigene Nase fassen müssen.

In eineinhalb Stunden stellte sich Landrat Manfred Michel sowie sein möglicher Nachfolger Michael Köberle den Fragen der Anwesenden. Dabei gab es keine Vorgaben, sondern in lockerer Runde konnte jeder fragen, was ihm auf der Seele liegt. Und so drehten sich die Themen um die großen Fußstapfen, die Michel hinterlässt, die Verkehrssituation in der Region, die Infrastruktur und die Schultoiletten. Das brennendste Thema war der Verkehr und auch wenn an dem Abend keine Lösung präsentiert werden konnte und zwischendurch versucht wurde, zu anderen Themen umzuschwenken, kamen die Anwesenden immer wieder darauf zurück. Es ist ein Thema, was alle bewegt, aber wo es scheinbar kein Vorankommen gibt.

Arge Belastung durch den Verkehr

Erst am Dienstag gab es wieder eine dieser Situationen, wo nichts mehr ging. Auf der Autobahn ereigneten sich zwei Unfälle. Die Autobahn musste kurzzeitig gesperrt werden. Die Autofahrer versuchten über Limburg und Staffel die Autobahn und somit den Unfall zu umfahren. Am Ende waren alle Straßen dicht und nichts ging mehr. Doch es bedarf nicht dieser Ausnahmesituationen. Selbst im Berufsverkehr kommt es täglich zu vollen Straßen und Wege von zehn Minuten dauern bis zu einer halben Stunde. Es gebe jetzt den Masterplan Mobilität, so Bürgermeister Horst Kaiser, doch im fehle die Vision für eine große Lösung wie zum Beispiel ein Ringverkehr um das Limburger Ballungsgebiet. „Wie sehen die Chancen für die Zukunft aus?“, so seine Frage. Man sei mit den Planungen ja schon eine ganze Ecke weiter gewesen und dann, fragte ein Bürger nach. Kaiser gab dazu einen kurzen Einblick. Von 2010 bis 2012 war das Thema Nordumgehung soweit voran geschritten, dass die Planungen genehmigungsfähig waren. Doch Hessen Mobil legte damals Zahlen über die verlegten Verkehrsströme vor. Diese sagten aus, dass Limburg mit einem Mehr an 6.000 Fahrzeugen zu rechnen habe. Dass wollten die Stadtverordneten den Bürgern damals nicht zumuten.

Engstirniges Denken

Der Gemeindevertretervorsitzende Josef Neu sieht darin ein „engstirniges Denken“, ohne welches die Region viel weiter sein könnte. Michael Köberle gibt ihm ein Stück weit recht: „Wir haben damals für Limburg die Vorteile nicht gesehen und zu kurz gedacht.“ Dennoch wirft Manfred Michel auch ein, dass „hinterm Pflug geackert ist.“ Die Menschen sollen nicht in der Vergangenheit hängen bleiben und überlegen, was wäre wenn, sondern nach vorne schauen. „Limburg hat eine Verantwortung für das Umland“, so Michel.
Michael Köberle möchte sich für eine überparteiliche, gemeinsame Lösung einsetzen. Ihn ärgert es, dass auch nichts passiert, selbst wenn Geld und Planung vorhanden sind. So wurden geplante Verbesserungen aus dem vordringlichen Bedarf herausgenommen und nicht angegangen.
Horst Kaiser hofft, dass durch die Initiative der Bahn, die Bahnübergänge kreuzungsfrei zu gestalten, sich der Verkehr verflüssigt. Diese Hoffnung teilte auch der Landrat, der in seinem Berufsleben mindestens ein Arbeitsjahr vor geschlossenen Schranken verbracht habe. Durch diesen Einwand kam es zu einem Schwenk in der Diskussion zu den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Jeder an die eigene Nase fassen

Ein Bürger fragte, ob der Öffentliche Nahverkehr irgendwann umsonst angeboten werden würde. Dies verneinte Michel. „Es ist bereits jetzt schwierig, den ÖPNV auf einem tragbaren Kostenlevel zu halten.“ Der Nahverkehr würde verdichtet werden, aber es müsse noch geprüft werden, in welcher Taktung. Eine engere Vertaktung zum Beispiel zum Anfahren der Berufsschulen würde 1,2 Millionen Euro kosten. „Wir leben in Zeiten, wo die Ansprüche höher werden“, so Michel, „früher sind wir gelaufen.“ Gegen eine stärkere Vertaktung am Abend hat er nichts, denn „die jungen Leute sollen nachts sicher nach Hause kommen.“
Michael Köberle forderte die Anwesenden auf, sich an die eigene Nase zu fassen. Wer würde denn die Öffentlichen nutzen? Oder mit dem Fahrrad fahren? „Die Menschen suchen immer Gründe dagegen.“ Ein Umdenken sei erforderlich, aber dies müsste jeder für sich selbst entscheiden. Dies sei eine gesellschaftliche Aufgabe.

„Familie findet zu Hause statt“

Ein Bürger fragte nach, ob der Landkreis Konzepte hat zur pädagogischen Situation der Schulen. Alles würde sich ändern, die Nachmittagsbetreuung nehme zu. Manfred Michel wies darauf hin, dass dies nicht Aufgabe des Kreises sei, sondern vom Land Hessen und dem staatlichen Schulamt. Er geht jedoch davon aus, dass in Zukunft an den Schulen Verwaltungsfachangestellte gebraucht werden, da die Pädagogen die ganzen Anforderungen gar nicht leisten können. Es müsse eine Entlastung der Pädagogen stattfinden. „Wir können nicht alles den Pädagogen überlassen“, so Michel, „sondern die Familien müssen sich um ihre Kinder kümmern.“ Auch Köberle stimmt dem zu: „Familie findet zu Hause statt.“
In Sachen Schule ärgerte sich Manfred Michel auch über die Schultoiletten. Er sehe nicht ein, die Toilettenanlagen immer aufwendig zu sanieren und keiner hat Achtung davor. Und er machte eine klare Ansage: „Wenn nach der Sanierung die Wände wieder beschmiert sind, sperre ich die Turnhallen für den Schulbetrieb. Und dann sollen sie mal schauen.“ Es müsse eine stärkere Ahndung der Schüler erfolgen, die zerstörerisch zu Gange sind.

Sind die Fußstapfen nicht ein wenig zu groß?

Wenn Manfred Michel in sieben Monaten aufhört, hinterlässt er große Fußstapfen. Hat er doch in seiner Zeit als Landrat viele Dinge angestossen und umgesetzt. Und so fragt ein Bürger, ob Köberle überhaupt in der Lage sein wird, aus diesen Fußstapfen heraustreten zu können? Michael Köberle möchte auf das Aufgebaute ansetzen und in Nuancen anpassen. Sehr stark möchte er die Digitalisierung voranbringen und einen Schwerpunkt beim Thema Bürgernähe setzen. „Es sind große Fußstapfen, aber ich hoffe, sie Schritt für Schritt ausfüllen zu können“; so Köberle. Michel fügt noch hinzu, dass die Aufgaben sehr dynamisch sind und tägliche neue Ereignisse auf einen Landrat zukommen.

Es war eine sehr interessante und vielseitige Diskussion. Die nächste Kneipendiskussion findet am 23. Mai im Bürgerhaus Elz statt.
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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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