Kommentar – Einmal mehr nachdenken

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Der im Mai stattgefundene Kahlschlag auf einem 4.200 Quadratmeter großen Areal am Ortsausgang von Frickhofen Richtung Wilsenroth bewegt die Gemüter. Dabei ist angeraten, in der heutigen Zeit einmal mehr darüber nachzudenken, ob eine Fällung wirklich sein muss. 

Vor acht Jahren beschloss die Gemeindevertretung mehrheitlich, für Dornburg einen Naturfriedhof zu schaffen. Im Mai fand ein Kahlschlag auf dem Gelände statt, um die vorhandenen Bäume zu ersetzen. Dies rief den Grünen Ortsverband Hadamar/Dornburg auf den Plan. Vor allem fand dieser Kahlschlag zu einer Zeit statt, wo man zweimal nachdenken sollte. Nachdenken, ob ein Baum unbedingt gefällt werden muss oder ob es eventuell nicht doch günstiger ist, diesen zu erhalten. Er fand zu einer Zeit statt, wo Klimaschutz zu einem bestimmenden Thema in der Gesellschaft geworden ist.

Der Wald hat gelitten

Während sich andere Länder Gedanken machen und wie in Äthiopien massenhaft Bäume anpflanzen, fällt hier manchmal noch gefühlt zu leichtfertig die Entscheidung, einen Baum zu fällen. Oftmals wird dafür die verkehrstechnische Komponente herangezogen. Schauen wir in die Wälder, dann sehen wir die Spuren der Trockenheit aus dem letzten Jahr, welche jetzt noch anhält. An den Fichten ist der Befall mit Borkenkäfern zu sehen. Braune Flecken zeigen sich in den Wäldern. Sie weisen auf die befallenen Bäume hin. Die Wälder haben sehr gelitten. Dass diese Bäume beseitigt werden müssen, stellt keiner in Frage. Auch zeigt sich in diesem Jahr, dass die Trockenheit an den Laubbäumen nicht spurlos vorbeigegangen ist. Die Spitzen verkümmern, die Laubblätter verdorren. Diese Bäume sind krank und müssen ebenfalls gefällt werden.

Fragliche Fällungen

Großen Lücken entstehen in den Wäldern und es wird viele Jahre dauern, bis diese wieder mit kräftigen Bäumen zugewachsen sind. In solchen Zeiten sollte einmal mehr darüber nachgedacht werden, welche Bäume unbedingt gefällt werden müssen. Ob Dornburg jetzt noch einen Naturfriedhof benötigt, ist fraglich. Noch vor der Sommerpause haben die Gemeindevertreter beschlossen, dass auch Urnenbestattungen unter bestehenden Bäumen auf dem Friedhöfen erlaubt sind. Da eine Änderung einer Satzung ebenfalls in den Ausschüssen behandelt wird, war dies bestimmt auch schon im Mai Thema. Auch verwundert die Aussage sehr, dass sich auf 4.200 Quadratmetern keinerlei Lebewesen befunden haben sollen, denen durch die Fällung ein Lebensraum weggenommen wurde. Da ist es kein Trost, wenn der Bürgermeister von einem qualifizierten Bepflanzungsplan spricht oder Projekten gemeinsam mit der Schule.

Ein Baum für ein Baum

Es müssen immer mal wieder Bäume gefällt werden, weil sie krank sind, Wege mit ihrem Wurzelwerk zerstören oder bei Bauprojekten im Weg sind. Bei größeren Flächen müssen Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden oder die Gemeinden zahlen mit Punkten von einem ökologischen Punktekonto. Doch man kann auch noch einen Schritt weiter gehen. So haben in Elz die Gemeindevertreter beschlossen, dass für jeden gefällten Baum ein neuer Baum gepflanzt wird. Im Ausschuss nehmen sich die Kommunalpolitiker die Zeit, darüber zu diskutieren, ob ein Baum gefällt oder ob Maßnahmen für den Erhalt ergriffen werden sollen, weil der Baum eventuell ortsbildprägend ist. Manch einer mag eventuell den Kopf schütteln, dass da über einzelne Bäume diskutiert wird, aber das ist ein guter Schritt zum Erhalt der gewachsenen Natur.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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