Kommentar: Fastnacht vor dem Aus?

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In der NNP vom 20. Juni war die Fastnacht der Aufmacher. „Der Fastnacht droht das Aus“ war der Artikel überschrieben. Zudem wurde den Vereinen noch eine Unstimmigkeit in den Entscheidungen zugeschrieben. Das veranlasste die Vereine des Dreierbundes dazu, eine eigene Erklärung abzugeben. 

Die Corona-Pandemie ist für uns alle eine Herausforderung – für die Familien, die Wirtschaft und eben auch für die Vereine. Lange Zeit durfte keinerlei Vereinsaktivität stattfinden. Inzwischen ist diese wieder im Rahmen erlaubt, wenn die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln gewährleistet ist. Das Gleiche gilt für Veranstaltungen. Daher finde ich es gut, dass sich die Vereine frühzeitig Gedanken machen, ob und wie sie etwas durchführen.

Doch lasst uns nochmal zurück zur Überschrift gehen. „Der Fastnacht droht das Aus“. Was impliziert dies? Dies impliziert nicht, dass diese eventuell anders stattfindet als normal. Dies impliziert auch im ersten Moment nicht, dass sich die Vereine Gedanken machen, wie sie unter den derzeitigen Bedingungen eine Kampagne veranstalten. Vielmehr impliziert eine solche Überschrift, dass die Fastnacht am Boden ist. Sich keine Aktiven mehr finden, eine Kampagne zu stemmen oder kein Interesse mehr an der Fastnacht in der Region besteht. Es ist schon immer so, dass die Fastnacht ein zweischneidiges Schwert ist – die einen lieben sie und können nicht ohne sie, die anderen brauchen sie nicht. Und für manche ist sie ein notwendiges Übel, über welches berichtet werden muss. Aber war so eine reißerische Überschrift wirklich nötig?

Und dann lasst uns mal zurückdenken an die letzten Wochen. Habt ihr davon gelesen, dass andere, regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen vor dem Aus stehen? Vielleicht der Limburger Lesedom? Die Weinmesse? Die Kirmesveranstaltungen in den einzelnen Ortschaften? Die Musikfestivals oder die vielen anderen Veranstaltungen, welche über das Jahr hinweg unser Leben hier in der Region bereichern? Eben! Und dann ist verständlich, dass sich die Karnevalsvereine ärgern. Vor allem die, die noch namentlich genannt werden. Es würde eine Uneinigkeit bestehen, man würde nicht eine Linie fahren. Gut, dass die Vereine so schnell reagiert haben und eine gemeinsame Erklärung herausgegeben haben.

Die Fastnacht lebt, ist lebendig wie eh und je. Nur sie passt sich der Situation an. Und dies wäre nicht das erste Mal in der langen Zeit, in welcher diese jahrhundertalte Tradition besteht. Und eines darf ich euch verraten – so ganz ohne wird es nicht gehen. Denn Ideen sind einige da und wie ich die Beteiligten kenne, werden diese Ideen auch umgesetzt. Mehr nicht mehr. Nachfolgend die gemeinsame Erklärung der Dreierbund-Vereine.

Gemeinsame Erklärung der Dreierbund-Vereine

Der Dreierbund in Corona-Zeiten

Die Verantwortlichen der Vereine im Dreierbund haben in ihrer Sitzung am 18. Juni 2020 die aktuelle Lage rund um das Thema Fastnacht in Limburg, Diez und Hadamar erörtert. Auch, wenn es uns das Herz bricht, aber unter den momentanen Bestimmungen der Länder zum Umgang mit der Pandemie ist an Kappensitzungen, so wie wir sie kennen und lieben, nicht zu denken. Sollte es hier keine weitreichenden Änderungen geben, dann können und werden die Vereine des Dreierbund keine Kappensitzungen abhalten.

Auch die spannende Frage danach, welche Tollität die Narren des Dreierbund ab dem 11.11.2020 durch die närrische Zeit anführen soll, ist beantwortet. Der Dreierbund belässt das Narrenzepter in der Hand des noch amtierenden Prinzen Frank I. Aus Diez. Einen Narrenzug durch die prall gefüllten Strassen Limburgs im Februar 2021 können sich die Vereine auch nicht vorstellen und haben daher beschlossen, diesen nicht zu planen.

Der nächste närrische Lindwurm wird sich dann im Frühjahr 2022 durch Limburgs Straßen ziehen. Auch, wenn die gemeinsame Entscheidung dazu jedem längst klar war und alle einer Meinung waren, so muss man zugeben, haben sie es sich nicht leicht gemacht. Die Verschiebung der Kampagne auf das nächste Jahr ist begleitet von den Hoffnungen und Sehnsüchten, dann wieder mit Vollgas starten zu können und jeder Verein freut sich darauf, endlich wieder für seine Gäste auf der Bühne zu stehen. Die Vereine im Dreierbund Limburg, Diez und Hadamar sind traurig. Aber wir sind uns unserer Verantwortung für das Wohl unserer Gäste und unserer Mitglieder bewusst. Die Sitzungen mögen ausfallen, aber in unserem Herzen werden wir Fastnachter gemeinsam durch diese ungewöhnliche Kampagne schunkeln.

Rauchclub, KG Hadamar und KV Niederhadamar, 1. GKG Diez und LCV Blaue Funker


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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